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Lesermeinung Familien sind gut integriert
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13:10 20.12.2016
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Stralsund

Massenabschiebungen von Afghanen, und alle schauen zu, ohne etwas dagegen zu unternehmen. In Stralsund werden jetzt afghanische Familien, die schon mehrere Jahre hier leben, plötzlich aus sogenannten „organisatorischen“ Gründen innerhalb von einer Woche aus ihren Wohnungen geworfen und müssen zurück ins Flüchtlingsheim.

Diese Familien sind überwiegend gut integriert, die Kinder gehen hier zur Schule, haben teilweise Empfehlungen für das Gymnasium, besuchen Kindergärten. Die Eltern nutzen fleißig die Deutschkurse und warten seit Jahren händeringend auf eine Arbeitserlaubnis, damit sie dem Staat nicht weiter auf der Tasche liegen. Und jetzt werden afghanische Flüchtlinge klammheimlich in die Flüchtlingsheime gebracht, denn die nächste große Abschiebungswelle steht bevor.

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Mich erinnert das an die Nazi-Zeit, als die Juden auch zusammengetrieben wurden, bevor sie den Weg in die Hölle gingen. Afghanistan ist auch heute noch die Hölle. Kriegsgebiet, terroristische Anschläge, religiöse Verfolgung, etc.

In ihre alten Provinzen können die afghanischen Familien nicht mehr zurück, denn dort werden „Rückkehrer“ über kurz oder lang als Strafe für ihre Flucht von den Taliban erschossen. Mädchen, die in die Schule möchten, wird damit gedroht, ihnen die Hand abzuhacken, abgesehen davon, dass auch die medizinische Versorgung in vielen Gebieten mehr als dürftig ist.

Die ausgehandelten Finanzierungshilfen für Rückkehrer werden auch weiterhin in der afghanischen Staatskasse versickern. Davon sehen die afghanischen Flüchtlinge keinen Cent, denn die Korrupption dort ist enorm gestiegen.

Und auch sichere Gebiete, wie die Bundesregierung behauptet, gibt es dort nicht mehr. Selbst Großstädte wie Masar-e Scharif, die vor Jahren noch als einigermaßen sicher galten, werden immer mehr von den Taliban unterwandert, die auch dort die Bevölkerung bedrohen,foltern und töten. Allen Besuchern Afghanistans wird geraten, nur mit schusssicherer Weste und Begleitschutz durch das Land zu fahren. Warum wohl?

Kein Mensch verlässt freiwillig seine Heimat und seine Familien, Afghanen schon mal gar nicht, wenn es nicht wirklich um Leben und Tod dort gehen würde. Sie haben eine lebensbedrohliche und gefährliche Flucht über viele Monate hinter sich gebracht, in der Hoffnung, dass verfolgten Menschen in Deutschland Asyl gewährt wird. Und Deutschland könnte, wenn es denn wollte, und wenn die Regierungen der Länder und des Bundes nicht soviel Angst vor der nächsten Wahl hätten.

Deutschland ist immer noch eines der reichsten Länder Europas. Und Deutschland ist nach wie vor der zweitgrößte Waffenexporteur der Welt. Folglich braucht sich auch kein Mensch über Kriegsflüchtlinge zu wundern. Wir haben die Verantwortung für das, was wir tun. Und sollten sie tunlichst auch übernehmen.

Britta Becker