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Lesermeinung Lehrer heute
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11:57 11.03.2015
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Ribnitz-Damgarten

Ich gebe zu, ich bin kein Lehrer, hatte aber öfter mit Ihnen zu tun.

Eins vorweg: Lehrer ist kein leichter Job. Zumal heute. Ich nenne mal schnell das völlig konfuse sog. Lehrer-Personal-Konzept, welches die Lehrer dazu zwingt, von einer Schule zur nächsten zu rasen. Oft genug müssen Lehrer den Unterricht bestreiten, für den sie gar nicht geeignet sind, weil sie keine echten Pädagogen sind und weil es keine dafür zuständigen Fachlehrer gibt.

Ich nenne außerdem mal die mit Verlaub "dummdreisten" Lehrinhalte, politisch durchweicht und bar jeglicher Realität, z.T. völlig veraltet, nicht mehr zeitgemäß und überfrachtet mit Dingen, die zu wissen nicht in den Unterricht gehört.

Dazu kommt parteipolitische Dogmatik, die die Lehrer dazu zwingt, z.B. über die DDR offenkundige Lügen zu verbreiten. Wie kann man heute von 12 oder 13 jährigen Schülern verlangen, einen Aufsatz über die DDR zu schreiben, wo sie die DDR doch gar nicht kennen gelernt haben?

Fehler im Bildungsmaterial kommen dazu. Geldmangel. Am Ende der Latte steht der Lehrer, der sich auch schon mal den "Besuch" eines erbosten Lokalfürsten gefallen lassen muss, dessen lernunfähiger Nachwuchs zu recht eine Drei fürs Nichtwissen oder Nichtwollen abkassiert hat. Da wird dann schon mal fix mit dem Rechtsanwalt gedroht oder gar persönliche Nachteile in Aussicht gestellt.

Dazu kommt Kleinkriminalität auf dem Schulhof wie Essensgelderpressung, Rauchgiftdelikte und Drogenmissbrauch, Standesdünkel der Kinder aus Nicht-Hartz-IV-Haushalten gegenüber anderen Kameraden, Beleidigungen gegen Lehrer und Direktor, Schläge, Mobbing, Sachbeschädigung, baufällige Schulen usw.

Klartext: Das heutige bayrische Bildungsmodell ist absoluter Schrott, ist ein blasses Nichts im Vergleich der Schule DDR-BRD. Die damalige POS war beispielgebend auch für andere europäische Staaten, z.B. Finnland. Es hat sich dort durchgesetzt und wird noch heute praktiziert. Und die DDR-Bildung hatte noch weitere Vorteile. Z.B. der überall gültige Bildungsinhalt.

Schule heute ist ein absolutes Trauerspiel. Und die Lehrer darin werden regelrecht verheizt. Sie müssen das alles und noch viel mehr erdulden und sich nebenbei mit einer völlig entgleisten Klientel auseinandersetzen.

Nicht zu Unrecht konnte jeder Lehrer in der DDR früher in Rente gehen. Ausgebrannt und psychisch erschöpft. Und das trotz der bösen SED und ihren "Werkunterricht" (ESP-UTP TTIP) und der Ideologie per StaBü.

Wir hatten unsere Klassenlehrer über viele Schuljahre hinweg, wir hatten maßlosen Respekt vor dem Direx und wir mieden den Pioniernachmittag. Niemand hat uns deswegen ins Gulag gesteckt oder per Stasi entführen lassen.

Wir liebten damals den "Füllunterricht", wenn das Klassenziel erreicht war, aber noch Stunden übrig blieben. Das Buch "Der Geschichtslehrer erzählt" hatte bei uns Kultstatus.

Kurz und knapp: Es war eine sehr schöne Zeit, an die ich mich gerne zurückerinnere. Aber was ich dann nach der Wende mit mit meinen Kindern erleben musste ...



Peter Sattler