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Lesermeinung Wellness unter Spannung
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15:23 27.11.2015
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Satow

Das grenzt ja schon an Dreistigkeit, wie hier vor der „Haustür“, eines der bekanntesten Hotels in Rostock, Tatsachen geschaffen werden.

Das sich Herr Benjamin Weiß dies nicht gefallen lassen möchte und sollte, ist nachzuvollziehen. Als engagierter und kreativer Inhaber des Trihotels hat Herr Weiß ein Geschäftsfeld aus Übernachtung, Konferenzangeboten, Gastronomie, Rock-Theater und Wellness geschaffen, welche durch die spontane Errichtung eines Funkmastes Einfluss auf Gästezahl und -wohlbefinden haben könnte.

Nicht nur dass die neue Ansicht optisch abwertet, sondern die Abstrahlung in unmittelbarer Nähe auch bedenklich ist. Niemand würde auf die Idee kommen Abwasserleitungen im Badebereich des Warnemünder Strandes zu legen und Kloaken reinzuleiten.

Nur weil man Elektrosmog nicht sehen kann, ist er nicht automatisch unbedenklich. Im Gegenteil. Schon 2011 hat die WHO Mobilfunkstrahlen in die Gruppe B2 klassifiziert, was einer Gleichsetzung mit Chemikalien und Pestiziden entspricht. Ebenfalls 2011 beschließt die EU eine europaweite Wende im Umgang mit elektromagnetischen Feldern und deren Auswirkung auf die Umwelt. Selbst die doch so zurückhaltende Bundesregierung empfiehlt inzwischen, herkömmliche Kabelverbindungen, den Einsatz von funkgestützten Lösungen, vorzuziehen.

Ich will hier auf keinem Fall die neue Informationstechnik verteufeln. Um sie führt kein Weg herum. Ich selber nutze sie tagtäglich im Arbeitsleben und im privaten Bereich. Wichtig ist immer die Intensität und Art der Strahlung. Einen Funkmast kann man nun mal nicht einfach so ausschalten, wie einen privaten WLAN-Router. Deshalb sollte Jeder selbst bestimmen können, ob er sich dieser Strahlung aussetzt, oder sie lieber meidet.

Die aufgeklärten Wellness-Gäste, die wegen Erholung, Entspannung und Fitness das Trihotel aufsuchen, werden sicher Bedenken anmelden oder dieses Hotel in Zukunft meiden!

Und übrigens, schnelles Internet für Konferenzräume kann man durchaus über LAN-Kabel beziehen (sicherer, unbedenklich und verlustarmer). In Bereichen der Erholung, wie eben z.B in unmittelbarer Nähe zu einen Wellness-Hotel, haben solche Einrichtungen also definitiv nichts zu suchen, auch wenn man, wie so oft mit dem Argument zu Felde zieht, dass es keine eindeutigen Beweise für eine Auswirkung durch die Strahlung gibt. Die Argumente des Rathauses erinnert mich an die Tabakindustrie, welche die Schädlichkeit des Rauches über Jahrzehnte als unbewiesen abgeschmetterten haben.

Ich empfehle Herrn Benjamin Weiß eine Bedenkenanmeldung und die Erstellung eines Gutachtens. Weiterhin sollte hier auch die DEHOGA, der Bäderverband und der Tourismusverband mit ins Boot geholt werden. Wie schon bei der Diskussion um die Windanlagen in Strandnähe, sollte auch hier ein gemeinsames Handeln erfolgen, und Unterstützung zugesichert werden.Jörg Beier, Leserbeirat



Jörg Beier