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OZ-Redaktion Kunsthalle Rostock: Diese Ausstellung zieht Ihnen die Schuhe aus!
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18:57 01.11.2019
Der Künstler Ulrich Hachulla (76) sitzt in der Kunsthalle vor Bildern seiner „Werkschau“. Quelle: Danny Gohlke/dpa
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Rostock

Die Rostocker Kunsthalle greift mit ihrem aktuellen Coup mal so richtig tief in den Kasten mit den Malfarben. Gleich vier Künstler aus drei Generationen plus einem Give-Away mit Triegel und Ludwig – viel mehr lässt sich in einer Schau kaum abdecken. 206 Bilder plus Zeichnungen aus der Sammlung zeigt das Museum ab 2. November. Um 18 Uhr wird die Dreifach-Ausstellung in Anwesenheit der Künstler eröffnet. Ein kuratorisches Opus Magnum.

Vor der Vernissage: Strümpfe checken!

Kunsthallen-Direktor Jörg-Uwe Neumann sagt: „Ein Fest der Malerei. Ein Fest für die Augen. Wir lassen die Malerei – die Königsdisziplin der Kunst – hochleben.“ Diese Ausstellung zieht Ihnen die Schuhe aus – im wahrsten Wortsinn. Denn in den White Cube mit seinem silbrig glänzenden Boden kommt man nur auf Socken. Also, Achtung vor der Vernissage: Strümpfe ohne Löcher raussuchen!

206 Bilder – reine Malerei zeigt die Rostocker Kunsthalle bis Januar von sechs Künstlern: Mit dabei die Leipziger Künstler Ulrich Hachulla, Michael Triegel und Matthias Ludwig, die Düsseldorfer Künstlerin Sabine Moritz und die Berliner Künstler Maike Abetz und Oliver Drescher.

Willkommen in der Moderne! Welcome in der Postmoderne! Die Schau bietet einen Spagat durch die Epochen, landet in einer popart-bezogenen Gegenwart und blickt zurück über Neue Sachlichkeit bis Manierismus und Renaissance. Der Reihe nach: Ulrich Hachulla (76). Der Schüler von Bernhard Heisig und Werner Tübke gilt neben Volker Stelzmann und Arno Rink als wohl wichtigster Vertreter der zweiten Generation Leipziger Schule. Seiner Lehrtätigkeit an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig selbst entspringen solche Malergenerationen wie Michael Triegel oder Matthias Ludwig – neben Neo Rauch die wohl wichtigsten Vertreter der Neuen Leipziger Schule.

Werk und Leben in 50 Jahren und 90 Gemälden

Die Schau umfasst das Leben und Œuvre Hachullas über einen Zeitraum von 50 Jahren und 90 Gemälde. Der Kurator Carl Schwind sagte in der Kunsthalle: „Die zweite Generation der Leipziger Schule, anknüpfend an die Neue Sachlichkeit, das wird dann immer spröder – warum eigentlich?“ Ja, warum eigentlich? Wohl auch wegen des Unterbewusstseins. Im Werk Hachullas spielen die lebenslange Beschäftigung seines Meisters Bernhard Heisig mit dem Faschismus ebenso eine tragende Rolle wie die Psychologisierung und das Zitatwesen. Die männlichen Gesichter changieren zwischen Pop-Art und Funktionärs-Ästhetik und erinnern immer wieder an die Züge in den Selbstbildnissen. Hachulla sagt: „Das geduldigste Modell ist man halt selbst. Man landet immer wieder bei sich. Das hat schon Otto Dix gesagt. Das ist kein bewusster Prozess.“ Das steuert das Unterbewusstsein.

Willkommen in der Moderne!

Wie gesagt: Willkommen in der Moderne! Hachullas Figurentheater sitzen gern auf den Renaissance-Altären, bedienen sich in Haltung, Gestik, Ästhetik in dieser Epoche, beziehen christliche Mythologie mit ein, verorten das Ganze aber im Sozialistischen Realismus und seinen Figuren-Ensembles. Nach der Wende kommen vermehrt christliche Motive ins Spiel. Schwind fragt den Maler selbstironisch lächelnd: „Ist das dem Alter geschuldet?“ Hachulla: „Nö, der Kindheit!“ Die Erinnerungen würden immer wieder durchbrechen, sich Raum schaffen.

Und da ist er bei seinem Schüler Michael Triegel. Von dem berühmten Papst-Maler und von Matthias Ludwig – beide Jahrgang 1968 und 1969 – finden sich je zehn Gemälde in der Schau. Ludwigs klare, farbige Popartigkeit und Triegels starke Orientierung am Manierismus in einer nach der Wende zunehmend orientierungslos wirkenden Gesellschaft prallen hier aufeinander und ergänzen sich im Spiegel Hachullas.

Vergänglichkeit, Vergeblichkeit und Verschiebung

Im Parterre die Gegenstücke. Sabine Moritz mit der Schau „Sterne und Granit“. Malerei zwischen Abstraktion und Figuration lässt die Funktional-Ebenen der Motive immer wieder verschwimmen. Sabine Moritz (50), Ehefrau von Gerhard Richter und Schülerin von Markus Lüpertz, widmet sich den Themen Vergänglichkeit, Vergeblichkeit und Verschiebung. Die Figurationen in ihren Bildern, die nach Fotografien gearbeitet sind, können genauso bedrohlich wie begehrlich oder friedlich sein. Sind die Boote auf den Bildern Sportboote oder Kriegsschiffe – ist es also Freizeitgestaltung oder militärische Intervention, die dargestellt wird?

Spielarten aus dem Pop-Art-Gossip

Dagegen ist die Serie „Placed Called Love“ des Künstlerpaares Abetz und Drescher schon fast verspielt. Aber stark, bild- und farbgewaltig. Im White Cube hängen in vier Ästhetiken Porträts von Promis des 20. Jahrhunderts. Personen, über die der Boulevard so gern berichtet: Gossip-People von Marilyn, Jackie O., Romy Schneider bis Elvis, Mick Jagger, Kurt Cobain. Bunt, laut, schrill, cool, spätmodern!Mehr zum Thema:Palast der Republik in der Kunsthalle Rostock: Ein Gebäude voller Erinnerungen
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Dreifach-Schau und Künstler-Gespräche

Am Sonnabend, 2. November, eröffnet in der Rostocker Kunsthalle eine Dreifach-Schau mit 206 Bildern auf zwei Etagen. In der ersten Etage läuft die Werkschau mit 90 Gemälden aus dem Œuvre von Ulrich Hachulla (76). Die Arbeiten werden bis zum 12. Januar 2020 gezeigt.

Im Parterre zeigt die Kunsthalle in der Schau „Sterne und Granit“ Arbeiten der Düsseldorfer Malerin Sabine Moritz (50) die aus Quedlinburg stammt. Im White Cube sind in der Schau „Place Called Love“ großformatige Porträts des Künstlerduos Abetz & Drescher zu sehen, die die Musik als Zentralgestirn ihrer Musik angeben. Beide Ausstellungen laufen bis 5. Januar 2020.

Am Sonntag, 3. November, lädt die Kunsthalle ab 11 Uhr zu einem Künstlergespräch mit Ulrich Hachulla und seinen Schülern Michael Triegel und Matthias Ludwig, bei dem es um das Lehrer-Schüler-Verhältnis in der Kunst geht.

Am 27. November spricht Sabine Moritz ab 18 Uhr unter dem Titel „Von Ost nach West“ über ihren künstlerischen Weg mit Kunsthallen-Direktor Jörg-Uwe Neumann.

Am 5. Dezember reden Maike Abetz und Oliver Drescher ab 18 Uhr über ihre Verbindung von Musik und Kunst. Anschließend After Show Party mit Songs der in der Ausstellung thematisierten Musiker.

Von Michael Meyer

Rund 180 Gäste kamen zur 27. Ausgabe der OZ-Kunstbörse. Spitzenreiter des Abends war das Bild „o.T.“ des Leipziger Malers Rayk Goetze (55), das für 5500 Euro versteigert wurde.

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