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OZ-Redaktion Wiedersehen mit „Ete und Ali“: Theater Vorpommern zeigt legendären DDR-Film
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10:41 11.11.2019
Die alten Zeiten: Thomas Putensen (l.) mit Jörg Schüttauf 1984 in dem DEFA-Klassiker „Ete und Ali“. Quelle: DEFA
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Greifswald

Können Sie sich noch an „Ete und Ali“ erinnern? Den Film von Peter Kahane. 1985 kam er in die DDR-Kinos und wurde dort ein Riesenerfolg. In Greifswald scheint dieses erste Defa-Road-Movie, wie man den Streifen heute bezeichnen würde, noch sehr präsent zu sein. Denn am Sonntag kamen immerhin fast 200 Interessenten ins Theater, wo „Ete und Ali“ jetzt erneut gezeigt wurde. Und der Clou dabei: Beide Hauptdarsteller, nämlich der Ete (Jörg Schüttauf, heute 57) und der Ali (Thomas Putensen, heute 59) waren anwesend. Beide gaben dann so manches, auch heikle Detail, über die Filmentstehung preis.

Auf Defa-Gesichter aufmerksam machen

Das Theater Vorpommern wollte auf diese Art nicht nur den 30. Jahrestag des Mauerfalls würdigen, sondern auch auf berühmte Defa-Schauspieler aufmerksam machen. Sie werden nämlich noch bis Januar in einer Porträtausstellung im Haus gezeigt. Autorin ist die aus Stralsund stammende Fotografin Sandra Bergemann, die auch das Buch „Gesichter der Defa“ herausgegeben hat. Auch sie saß mit im Podium.

„Ich bin schon verwundert, dass ich mich zu dieser Reihe zählen darf“, meinte Jörg Schüttauf. „Und das neben Leuten wie Michael Gwisdek. Denn im Grunde habe ich ja nur in zwei Defa-Filmen mitgewirkt“, bekannte er. Neben „Ete und Ali“ war er noch in „Die Architekten“, ebenfalls von Kahane, zu sehen. Dieser Film, der richtig gut ist, wie Schüttauf meint, behandelte zum ersten Mal das Thema Ausreise aus der DDR. Allerdings kam er erst 1990 in die Kinos. „Und da wollte ihn keiner mehr sehen“.

Thomas Putensen ist in Mecklenburg-Vorpommern bekannt wie ein bunter Hund. Der Mann, der in Wetten dass...!“ aufgetreten ist, weil er sein Klavier, auf dem er spielt, auch selber schleppt. Der Schauspieler Jörg Schüttauf hat zu DDR-Zeiten zwei Defa-Filme gedreht und sich später mit Charakterrollen und Auftritten im ARD-Tatort einen Namen gemacht.

Jörg Schüttauf schätzt sich glücklich, die DDR erlebt zu haben

Jörg Schüttauf, der im Dezember 1961 in Karl-Marx-Stadt geboren wurde, schätzt sich heute glücklich, die DDR erlebt zu haben. Es sei eine sehr intensive Zeit gewesen, betonte er. Als er noch am Theater war. Schüttaufs große Karriere begann dann nach der Wende beim Film. So schaffte er es immerhin zum Kommissar Fritz Dellwo an der Seite von Andrea Sawatzki im ARD-Tatort. Und vielen Zuschauern ist er bestimmt auch noch als Thomas Becker in der Vorabendserie „Der Fahnder“ ein Begriff. Dennoch: Für ihn war „Ete und Ali“, wie auch für Thomas Putensen ein Schlüsselerlebnis. Beide denken gern an diese Zeit zurück. „Wir lieben uns noch heute“, frotzelte Putensen augenzwinkernd und spielt dabei auf eine Filmszene an, in der sie sogar zusammen in einem Ehebett liegen mussten.

1,95-Hüne, der sein Klavier schultert und dann drauf spielt

Thomas Putensen muss man in Vorpommern niemandem mehr vorstellen. Denn jeder in der Region kennt den 1,95-Hühnen. Erst Sonnabend führte der beliebte Musiker und Entertainer mit seinem Beat-Ensemble eine neue Folge seiner „Ost-West-Story“ in Greifswald auf. Seit mehreren Jahren gestaltet er regelmäßig seine Hausmusik am Theater.

Könnte man sich heute eine Fortsetzung von „Ete und Ali“ vorstellen, wurden Schüttauf und Putensen von Moderator Sascha Löschner gefragt. „So lange es noch Leute gibt, die sich an den Film erinnern, sicher“, meinte Putensen. So unter dem Motto, was ist mit 30 Jahre älter gewordenen Männern passiert“, versuchte Schüttauf sogleich eine Drehbuch-Idee zu entwickeln. Ihm spuke das schon seit fünf Jahren im Kopf herum, fügte er hinzu. Die Zuschauer waren natürlich entzückt über diese Antwort und spendeten spontan Applaus dafür. Ob sich so etwas allerdings realisieren lasse, sei eine andere Frage, meinte er.

Sowohl Jörg Schüttauf als auch Thomas Putensen sind beide durch Zufälle zu ihren Rollen in „Ete und Ali“ gekommen. „Ich war damals Schauspielstudent“, bekannte Schüttauf. Und da musste er als Ferdinand in „Kabale und Liebe“, vorspielen. Neben vielen Dozenten saß auch Regisseur Kahane im Zuschauerraum. „Und ich habe vor Aufregung schlecht gespielt“, bekannte Schüttauf. „Aber in einer Szene wirkte ich wohl sehr schüchtern.“ Und das habe gepasst. Putensen, den er spaßig eine „Dogge“ nennt, hatte wohl deshalb eine Chance, weil er in der Lage war, ein Klavier zu schultern, auf dem er anschließend Bach spielen konnte. Manch einer wird sich auch noch an seinen Auftritt in der ZDF-Reihe „Wetten dass“ erinnern, wo genau das auch Inhalt einer Wette war.

Gespräch von vielen Schmunzlern begleitet

Über eine Stunde plauderten beide Künstler und beantworteten dabei auch zahlreiche Fragen aus dem Publikum. Danach gab es dann „Ete und Ali“. Abermals auf großer Leinwand. Das wurde natürlich von vielen Schmunzlern begleitet. Denn die Jungs von damals sind heute in Ehren ergraut. „Was das Älterwerden betrifft, habe ich in kurzer Zeit viel nachgeholt“, hatte Jörg Schüttauf schon vorab zugegeben.

Von Reinhard Amler

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