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OZ-Redaktion Müllsammler säubern Meer und Rostocks Küste
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15:00 18.08.2019
Sie gehören zur Initiative Meeresmüllstammtisch Rostock: Rebecca Kain (34), Nabu-Regionalverband Mittleres Mecklenburg, und Samuel Drews (35), einer der Betreiber der Rostocker Bar „Rost Dock“ am Stadthafen. Quelle: Bernhard Schmidtbauer
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Rostock

Einfach ekelhaft: Zigarettenkippen, Kronkorken, Eisverpackungen, Silvesterraketen, Getränkedosen, Plastikbecher, Safttütchen ... Die Liste der sichtbaren Hinterlassenschaften am Ostseestrand ließe sich weiter fortführen. Nicht weniger abstoßend sind die Dinge, die unter der Wasseroberfläche treiben oder die sich bereits auf dem Meeresgrund abgelagert haben.

Dazu gehören Plastetüten und Autoreifen sowie Metallschrott aller Arten wie Fahrräder, Einkaufswagen und Grills. Und: Auch gewerblicher Verpackungsmüll wie Styropor, Folien und Schaumstoffe finden sich zahlreich am und im Wasser, so etwa am Breitlingufer.

Diese Vermüllung von Ostsee, Warnow, der Strände und Uferbereiche wollen immer mehr Menschen in der Region Rostock nicht mehr hinnehmen. Die Initiative Meeresmüllstammtisch Rostock macht jetzt mobil, damit sich mehr Menschen für eine saubere Umwelt einsetzen.

Fahrgastschiff bringt Müllfunde in Stadthafen

„Wir haben natürlich das hehre Ziel, dass so viel Müll wie möglich vermieden wird“, sagt Rebecca Kain (34) vom Nabu-Regionalverband Mittleres Mecklenburg, der zum Meeresmüllstammtisch gehört. Das sei jedoch nicht so einfach zu erreichen. „Deshalb organisieren wir Müllsammelaktionen am Strand und in der Ostsee“, erklärt Samuel Drews (35), einer der Betreiber der Rostocker Bar „Rost Dock“ am Stadthafen, die ebenfalls zum Meeresmüllstammtisch gehört. Die nächste Aktion werde gerade vorbereitet.

Am 21. September, dem internationalen Küstenputztag (Coastal Cleanup Day), sammeln Freiwillige an mehreren Standorten entlang der Außen- und Binnenküste in und um Rostock parallel zueinander Müll – sowohl am Strand als auch im Wasser. „Alle Funde dieses Tages werden mit einem Fahrgastschiff von Olaf Schütt in den Stadthafen gebracht und von dort in die Lange Straße. Am 22. September, dem Klimaaktionstag, wollen wir dann den Müll dort präsentieren“, sagt Rebecca Kain. „Jedes Teil, das dabei von uns gesammelt wird, kann nicht mehr durch Wind und Wellen in die offene Ostsee getragen werden.“

Dieser Müll wurde im Landschaftsschutzgebiet „Peezer Bach“ gefunden. Quelle: Nabu

Diese Sammelpunkte werden angeboten:

Diedrichshagen ab 13.30 Uhr

Stoltera in Höhe Jugendherberge ab 13.30 Uhr, vorher 11 bis 13 Uhr „Mitmachaktionen & Informationen zum Meeresmüll“ in der Jugendherberge Warnemünde

Warnemünde in Höhe des Instituts für Ostseeforschung (IOW) ab 13.30 Uhr

Hohe Düne ab 13.30 Uhr

Schnatermann ab 13.30 Uhr, angeboten wird eine Kremserfahrt durch Alex Peters (Mecklenburger Kutsch- und Kremserfahrten) ab Haltestelle Stuthof zum Schnatermann, damit auch dieser Sammelstandort mit dem Nahverkehr erreichbar ist.

Markgrafenheide ab 13.30 Uhr

Torfbrücke in Höhe Zeltplatz ab 10 Uhr

Rostocker Stadthafen ab 13.30 Uhr mehrere Sammelpunkte, hier gehen auch Taucher des IOW auf Müllsuche

„Wünschenswert ist es, wenn auch im Fischereihafen, in Gehlsdorf und bei den Oldendorfer Tannen gesammelt werden könnte“, schlägt Samuel Drews vor.

Der Müll wurde am Ostbreitling gefunden. Quelle: E-Mail-OZ-Reporter

Handschuhe und stabile Säcke notwendig

Freiwillige, die am 21. September Müll mitsammeln wollen, sollten Folgendes mitbringen: stabile Garten- oder Gummihandschuhe, Gummistiefel, Jutesäcke oder ähnlich stabile Säcke. Für die Suche in bewachsenen Uferbereichen, so am Breitling, sind auch Wathosen geeignet. „Wir würden uns sehr freuen, wenn uns jemand Bauschuttsäcke für den Transport des Mülls zur Verfügung stellen könnte“, erklärt Rebecca Kain.

Umweltsenator: Stadt entsorgt Meeresmüll

Holger Matthäus (Bündnis 90/Die Grünen), Rostocker Senator für Bau und Umwelt, lobt die Organisatoren. „Ich begrüße diese Initiative stürmisch“, erklärt er. Denn eine Verwaltung allein könne das Plastikunwesen nicht verändern oder gar verhindern. Dazu gehörten der Gesetzgeber sowie Initiativen von unten, wie die Initiative Meeresmüllstammtisch Rostock. Er sei Schirmherr der Bildungsinitiative „Kein Plastik an den Strand“ der Umweltschutzorganisation Bund.

Die große Müllsammelaktion am 21. September werde er begleiten. „Ich habe selbstverständlich zugesagt“, so Matthäus, den dabei gesammelten Müll durch die Stadt entsorgen zu lassen – ist es doch Strandmüll vom öffentlichen Strand. Es müsse nur noch geklärt werden, mit welchem Fahrzeug die Abfälle abgeholt werden.

Eine Auswahl von am Strand bei Rostock gefundenen Abfällen. Quelle: Nabu

Initiative ist unabhängig und überparteilich

Dem Stammtisch, der hinter der Meeres­müll­sammel­aktion steht, geht es vor allem darum, Abfälle am Strand und deren Eintrag in Flüsse und Ostsee gemeinschaftlich zu verringern. Dazu sollen einzelne Initiativen, die es in Rostock seit Jahren gibt, gebündelt werden.

Der Stammtisch ist ein Zusammenschluss von 26 Rostocker Organisationen und Unternehmen – darunter Bund, Nabu, Landesverband MV des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH), EUCC – Die Küsten Union Deutschland, IOW, De Strandloepers, Circus Fantasia, Fahrgastschifffahrt Schütt, Rostocker Gehwegreinigung, Supreme Surfschule, Marine Science Center, Stadtpaddeln Rostock, Traditionsgasthof Schnatermann sowie weitere Firmen und Privatpersonen.

„Wir verstehen uns als offene Runde umweltschützender Menschen, die einen aktiven Beitrag für eine abfallfreie Stadt, Strände und Ostsee leisten. Wir sind unabhängig und überparteilich“, erklärt Rebecca Kain.

Informationen unter https://stadtgestalten.org/rostocker-meeresmuell-stammtisch/

Mehr zum Autor:
https://www.ostsee-zeitung.de/Mehr/OZ-Redaktion/Bernhard-Schmidtbauer

Von Bernhard Schmidtbauer

An dieser Stelle finden Sie ein Kurzporträt der Menschen, die für OZ+ Artikel schreiben und recherchieren.

An dieser Stelle finden Sie ein Kurzporträt der Menschen, die für OZ+ recherchieren und Artikel schreiben.

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