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OZ-Redaktion Ost und West feiern Mauerfall-Jubiläum
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06:00 11.11.2019
Grenzdokumentations-Stätte Lübeck-Schlutup: Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, und Daniel Günther, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, feiern das 30-jährige Mauerfall-Jubiläum am 9. November 2019. Quelle: Lutz Roeßler
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Dassow/Selmsdorf

Vor 30 Jahren „brennt“ auf der Fernverkehrsstraße 105 die Luft. Nachdem am 9. November in Berlin die Mauer geöffnet wird, gehen auch überall an der innerdeutschen Grenze die Schlagbäume hoch. Eine Folge dieses weltgeschichtlichen Ereignisses sind riesige Abgasschwaden, die die Autokolonnen aus der DDR verbreiten. „Wartburgs und Trabis standen bis vor unserem Haus Schlange“, erzählt Lothar Ruthenberg. Er wohnt in Schönberg (Nordwestmecklenburg), sieben Kilometer von der Grenze entfernt. Am Sonnabend stehen Ost- und Westdeutsche gemeinsam in einer Schlange vor der Ausstellung der Grenzdokumentationsstätte in Schlutup, einem Stadtteil von Lübeck. Trotz regnerischen Wetters feiern an der ehemaligen Ost-West-Grenze etwa 6000 Menschen zusammen den 30. Jahrestag des Mauerfalls. Viele der Gäste waren Augenzeugen der Grenzöffnung am späten Abend des 9. Novembers und erinnern sich nun mit ehemaligen DDR-Bürgern, die damals über Schlutup erstmals in den Westen gefahren waren, an die turbulenten Tage.

Die Feier dauert drei Tage und bietet Musik, Kulturbeiträge und eine Meile von rund 20 Ständen. Unter den Feiernden sind auch Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, und ihr Amtskollege aus Schleswig-Holsteins, Daniel Günther (CDU).

Schwesig wohnte bei Ostberlin, als die Mauer fiel. „Ich war damals 15, und als ich in unserem Schwarz-Weiß-Fernseher sah, dass die Mauer gefallen war, konnte ich es zuerst gar nicht glauben“, erzählt sie. Die Menschen, die die Friedliche Revolution damals ausgelöst hätten, seien unglaublich mutig gewesen: „Sie sind zur Demo gegangen und wussten nicht, ob sie abends nach Hause zu ihren Kindern kommen oder in den Stasi-Knast.“ Ihre Lehre daraus: „Wenn man zusammenhält, kann man wirklich Dinge verändern.“ Dass viele Menschen sich abgehängt fühlen, sagt Daniel Günther, sei kein ostdeutsches Phänomen. „Dieses Gefühl haben Menschen im Osten und im Westen. Die meisten Probleme, die wir in Deutschland haben, sind gesamtdeutsche Probleme.“

Die Schweriner Regierungschefin ist am Sonnabend auch bei einer Festveranstaltung in Dassow (Nordwestmecklenburg), auf der die Landesregierung an das historische Ereignis der Grenzöffnung erinnert. „Die Mutigen, die im Herbst 1989 auf die Straße gegangen sind, haben Meinungsfreiheit und Demokratie für uns erkämpft. Die Neugierigen, die sich am 9. November 1989 auf den Weg in den Westen gemacht haben, wollten Grenzen überwinden, keine neuen Grenzen ziehen“, sagt Manuela Schwesig. „Ohne diesen Einsatz der Menschen in Ostdeutschland hätte es die Wiedervereinigung nie gegeben. Auch daran sollten wir heute denken“, erklärt Daniel Günther.

Schwesig rief in ihrer Rede vor rund 300 Gästen in Dassow die Zeit unbändiger Freude nach dem unverhofften Fall der Mauer in Erinnerung. „Es waren Tage voller Begeisterung, voller Hoffnung, voll ungläubigen Staunens. Verrückte, unvergessliche Tage“, sagte die Regierungschefin, sparte aber auch die für viele schmerzhaften Erfahrungen in den Jahren danach nicht aus. „Alle, die sich im Herbst ‚89 auf den Weg gemacht haben, mussten ihr Leben neu einrichten und die Regeln einer anderen Gesellschaft lernen. Das ging nicht ohne Verletzungen und Enttäuschungen“, sagte sie. Zum Teil gravierende Lohnlücken zum Westen und unterschiedliches Rentenrecht sorgten bis heute vielfach für Unzufriedenheit.

Insgesamt aber sei die Entwicklung seit 1990 eindeutig positiv verlaufen. „Die Menschen in Ostdeutschland haben eine gewaltige Aufbauleistung vollbracht, die Anerkennung und Respekt verdient“, sagte Schwesig. So sei auch Mecklenburg-Vorpommern heute ein Land, in dem die Menschen gern leben. Grundlage dafür seien ein respektvoller Umgang miteinander und eine stabile Demokratie.

Aufgabe der politisch Handelnden sei es, in der Vielfalt der Meinungen einen Weg zu finden, auf dem möglichst viele mitgehen können. „Das ist es, was Demokratie stark macht“, sagte die Ministerpräsidentin. „Wir können unterschiedlicher Meinung sein und sollten doch fair und respektvoll miteinander umgehen“, sagte sie und wandte sich damit gegen Tendenzen von Ausgrenzung, Diffamierung und mangelnden Respekt. Offenheit für den Austausch sei ein wesentlicher Teil der Friedlichen Revolution gewesen.

Die Kirchen im Norden erinnerten mit einem ökumenischen Gottesdienst im Dom zu Ratzeburg an die friedliche Revolution und den Fall der Mauer. Nach den Worten der Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Nordkirche, Kristina Kühnbaum-Schmidt, führte der friedliche Einsatz für Demokratie und Menschenrechte im Herbst 1989 zur Überwindung von Unterdrückung, von Unrecht und Unfreiheit.

Von Friederike Grabitz/Bernhard Schmidtbauer

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