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OZ-Redaktion Rostocker Kunstpreis für Fotograf Gerhard Stromberg
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14:36 01.12.2019
Der Goldberger Fotograf Gerhard Stromberg hat den mit 10 000 Euro dotierten Rostocker Kunstpreis 2019 gewonnen. Quelle: Werner Geske
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Rostock

Sonnabend, genau 17.05 Uhr, hatte das lange Warten ein Ende. Gut eine Stunde harrten Jacqueline Duhr, Carina Linge, Eckart Pscheidl-Jeschke, Sandra Schubert und Gerhard Stromberg geduldig aus, ehe die Jury ihre Entscheidung verkündete: „Der Rostocker Kunstpreis 2019, diesmal in der Sparte Künstlerische Fotografie vergeben, geht an Gerhard Stromberg!“

Kuss von Lebensgefährtin Birgit Schröder

Fast ungläubig nahm der Gewinner die Verkündung auf, nahm Blumen in Empfang und eilte mit diesen dann zuerst zu seiner Lebensgefährtin Birgit Schröder. Ihre Umarmung, ihr Kuss, waren dem Geehrten zunächst offensichtlich das Wichtigste. Sichtlich bewegt und gerührt, wandte sich der 67-Jährige dann dem Publikum im Schaudepot der Rostocker Kunsthalle zu: „Dass einem alten Mann, wie mir, ein solcher Preis verliehen wird, hatte ich nicht erwartet und halte ich für eine mutige Entscheidung.“ So seine erste spontane Äußerung mit humorvollem Unterton.

Preisgeld kommt als Förderung beim Künstler an

Eine Rede für den Fall der Fälle habe er nicht vorbereitet, ließ er wissen. Diesen Umstand erklärte er schmunzelnd mit einem gewissen Aberglauben. Dennoch wertete er in einer kleinen, durchaus inhaltsreichen Ansprache den Preis als eine Förderung, die wirklich beim Künstler ankomme. Solche Art der Unterstützung sei leider selten, solle aber mehr Nachahmung finden, unterstrich Stromberg. Eine Forderung, die Beifall fand.

67 Bewerber für Kunstpreis

Die Jury, der unter anderem Kunsthallenchef Uwe Neumann, Rostocks Kulturamtsdirektorin Michaela Selling, Wolfgang Methling, Vorsitzender der Kulturstiftung Rostock, und Matthew Wilby, Vorstand der Provinzial-Versicherung, angehörten, hatte keine leichte Aufgabe gehabt. Denn 67 Bewerber im Alter zwischen 25 und 83 Jahren machten sich Hoffnungen auf einen der bedeutendsten Kunstpreise Mecklenburg-Vorpommerns, wie ihn Kultusministerin Bettina Martin (SPD) einordnete. Aus diesem Kreis verblieben letztlich fünf Kandidaten für den von der Provinzial-Nord mit 10 000 Euro geförderten und von der Hansestadt Rostock, der Kulturstiftung und der Kunsthalle vergebenen Preis.

Fünf Künstler in der Endrunde

Noch bevor der Sieger gekürt worden war, hatte Wolfgang Methling sich charmant bei den Bewerbern ,,entschuldigt“, die den Preis nicht erhalten würden, denn: ,,Alle haben hervorragende Arbeiten eingereicht.“ Und für Ministerin Martin stand fest, dass schon die Nominierung für die fünf Künstler ein Gewinn sei. Während der Ehrung wurde mehrfach betont, dass den von den Bewerbern eingereichten Arbeiten gemeinsam sei, dass sie durch ihre künstlerische Qualität aus der digitalen Bilderflut der Gegenwart herausragten. Deshalb galt auch Dank und Anerkennung des Kunstpreisträgers zuerst den vier Unterlegenen. Ein Ausdruck seiner Sensibilität und seines Einfühlungsvermögen. Eigenschaften, die Gerhard Stromberg und seine Arbeiten auszeichnen.

Preisträger fotografiert auf höchstem Niveau

Das bescheinigte ihm auch Ulrich Ptak in seiner Laudatio. Der Künstler stelle mit seinen Bildern große Landschaften voller Details dar. Doch gehe es ihm nie nur um ihre Schönheit oder Unberührtheit. Auch wenn es oft nur erahnbare Spuren seien, die Menschen in ihr hinterlassen, sei es doch gerade deren Präsenz, die seine Bilder bestimmten und in denen er versuche, seine eigene Stimme hörbar zu machen. Diese Spuren zu suchen, seine Bilder mit den Augen zu erwandern, mache das Betrachten zu einer besonderen Erfahrung, sagte Ptak sinngemäß und bescheinigtem dem Geehrten „Fotografieren auf höchstem Niveau!“

Stromberg arbeitet mit großer Plattenkamera

Strombergs Fotos, wie auch die im Schaudepot gezeigten aus der Serie „Versuch über Indien“, zeichnen sich oft durch ihre besondere Größe aus. Auf Motivsuche geht der 1952 in Ludwigshafen am Rhein Geborene vorrangig mit seiner großen 8 mal 10-Zoll-Plattenkamera, die zu einer langsamen, tiefsinnigen Arbeitsweise zwingt. Der nunmehr 14. Träger des Rostocker Kunstpreises hatte in den 1970er Jahren als selbstständiger Fotograf gearbeitet, ehe er konzeptionelle Fotografie an der Staatlichen Akademie für Bildende Kunst in Düsseldorf studierte.

Arbeiten der Nominierten im Schaudepot der Kunsthalle zu sehen

Nach dem Studium wechselte er nach England, um sich dort ausschließlich der Kunst zuzuwenden. Eine Zäsur in seinem Schaffen stellt der Beginn der 1990er Jahre dar, als er sich aufmachte, Bilder zu entdecken, die dann, oft Jahre später, in Beziehung zu anderen Arbeiten gestellt wurden. So entstehen bis heute fotografische Serien, die längere Zeiträume umfassen. Nach einer Professur in Trondheim (Norwegen), während der er in Ungarn lebte, wechselte er 2011 nach Goldberg (Landkreis Ludwigslust-Parchim). Die Arbeiten aller fünf Nominierten sind noch bis zum 5. Januar 2020 im Schaudepot der Kunsthalle zu sehen.

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Von Werner Geske

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