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Studium und Beruf In der Ruhe liegt die Kraft für neue Schritte
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Tom Augustin: Mit Personalmarketing in Rostock neue Schritte gehen

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In Rostock geboren – in Rostock alt werden: Tom Augustin ist und bleibt ein Hanseat. Quelle: Norman Reuter
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Rostock

„MV gibt mir die Ruhe, auf die Dinge zu sehen, wie sie sind; nicht, wie sie zu sein scheinen. Das bringt Klarheit und Stringenz in das, was mich umtreibt. Auch beruflich.“ Tom Augustin wirkt an diesem Tag im März 2020 ein wenig nachdenklich, wenn es um seine Heimat geht, scheint dabei aber in der Tat sehr in sich zu ruhen. 1984 in Rostock geboren, glänzt er mit einer Vita, die es in sich hat. Rostock, Hamburg, Hongkong und wieder zurück. Business as usual.

Lieber Neues kennenlernen als Karriere im Fußball zu machen

Aufgewachsen in der „Platte“, wie er selbst sagt, in Rostock-Dierkow, zog es den sportbegeisterten Jungen immer wieder aufs Spielfeld. „Fußball und Leichtathletik waren meine Leidenschaft. Ich erinnere mich noch genau: Im Barnstorfer Wald kannte ich nahezu jeden Baum, mit der Linie 4 ging es regelmäßig zum Hauptbahnhof und dann mit der Buslinie 25 weiter zur Laufhalle.“ Wenig später begann seine Fußballerkarriere im damals nigelnagelneuen Nachwuchsleistungszentrum von Hansa. Der Verein nahm ihn unter Vertrag – bis zu seinem 20. Lebensjahr. Bis zur U18 war Tom Auswahlspieler für MV und spielte im engeren Kreis der U18-Nationalmannschaft. Trainiert wurde er von keinem geringeren als Horst Hrubesch. 2004 zog es den Hanseaten jedoch zu seiner Familie nach Hamburg. „Ich wollte immer irgendwie hier bleiben, aber auch irgendwie weg. Meine Eltern sind bereits einige Jahre zuvor nach Hamburg gezogen. Jetzt wollte ich auch. Die ,Isolation unter Gleichgesinnten‘ im Internat hat neugierig auf andere Dinge gemacht.“

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Es folgte eine lange Zeit des Jobbens und Verreisens. MV aber hat er nie vergessen, er besuchte regelmäßig seine Freunde, die Großeltern in Rostock, die Uroma in Carlsthal bei Demmin, in deren Garten er als kleiner Junge mit einer Flinte die Äpfel vom Baum geschossen hat. Auch als er 2007 seine Ausbildung als Schifffahrtskaufmann bei Baltic Lloyd begann, konnte er seine Sehnsucht nach MV stillen: „Der praktische Teil der Ausbildung erfolgte in Rostock, der schulische in Hamburg“, erzählt Tom.

Der Beginn einer untypischen Bilderbuchkarriere

Seinen ersten Anstellungsvertrag unterschrieb er 2010 bei einer Maklerei für Containerschiffe – direkt im Anschluss an seine mehr als erfolgreich bestandene Abschlussprüfung. „Bei Bier und Schnitzel, zu dem mich mein Prüfer und späterer Mentor unmittelbar danach eingeladen hatte.“ Der Beginn einer „eher untypischen Bilderbuchkarriere“. Die Unternehmen, für die er arbeitete, wurden größer, die Positionen herausfordernder: „Irgendwann war ich stellvertretender Geschäftsführer und zunehmend ins Asiengeschäft involviert.“ Der internationale Seehandel, die logistischen Herausforderungen und branchenspezifischen Finanzgeschäfte in multikulturellen Kreisen waren sein Ding. Klar, das macht neugierig auf mehr. Und der Ruf nach dem Blick über den Tellerrand wurde immer lauter.

In Hongkong zum ersten Mal auf eigenen Füßen

Im Januar 2013 gab Tom seinem Verlangen nach neuen Herausforderungen nach und ging nach Hongkong. „In Asien habe ich meine eigene Maklerei aufgebaut und somit als Gründer im Ausland auf die offensichtlichen Bedarfslagen meiner Kunden reagiert.“ Ein Sprung ins kalte Wasser. Ja. Aber ein Sprung, der sich gelohnt hat. „Die Zeit in Hongkong möchte ich nicht missen. Von den Asiaten habe ich viel gelernt. Sie sind sehr bei sich, passen auf sich auf, bauen den Tag um sich herum. Hongkong hat mir gezeigt, wer und was ich wirklich bin. Frei.“ Am Ende fehlten jedoch Land und Leute – und es kam, wie es kommen sollte: Es ging zunächst zurück nach Hamburg. „Zuhause ist nicht Hamburg. Nein. Zuhause ist die Ostsee. Zuhause ist da, wo meine Freunde sind.“ Was dann folgte, war eine Zeit des Findens. „Wer bin ich? Was kann ich? Was will ich? Und was will ich nicht mehr?“ Makler spielen, wie an der Börse? Deal, done, next? Nein! „Ich brauchte was zum Anfassen. Ein sichtbares Ergebnis. Deshalb wasche ich zum Beispiel auch gerne ab“, versucht Tom in Worte zu fassen, was für ihn damals selbst nicht richtig fassbar war. Tom wollte strategischer arbeiten, mehr Einfluss auf das jeweilige Unternehmen als solches nehmen. Jobs schaffen. Projekte kreieren. Branchenübergreifend. „Im Idealfall auch meine Hobbys in die Arbeit integrieren. Sport. Fashion, B2B-Marken. B2B-Marken schützen, stützen, fordern und fördern. Ich liebe mehrstufige Vertriebsmodelle und eher komplexe Produkteigenschaften. Auf Komplexität muss man nicht mit Kompliziertheit reagieren.“

Kurzerhand entschloss er sich dazu, die Schifffahrt an den Nagel zu hängen. Ein Schritt, den er bis heute nicht bereut. Er arbeitete zunächst für verschiedene Designagenturen, später für ein mittelständisches Medienproduktionshaus. Und dann war sie da – die Geschäftsidee eines Querdenkers. „Gemeinsam mit Jan Hvarling, einem befreundeten Geschäftspartner, habe ich Mitte 2019 mein neues Unternehmen gegründet: marketers/nomarketers.“ Nicht einfach irgendwo. Sondern in Rostock, seiner Heimatstadt. Tom Augustin: „Man hat uns hier in der Industrie- und Handelskammer mit offenen Armen empfangen. Uns unterstützt, wo es nur geht. In MV steckt so viel Potenzial, das wir unbedingt ausschöpfen möchten.“

Vernetzer und Ideenschmiede

„marketers/nomarketers“ beschäftigt sich mit Personal-Marketing, mit dem Recruiting neuer Fachkräfte und der unternehmensinternen Optimierung, die echte Lösungen für bestehende und neue Mitarbeiter und Kollegen beinhaltet, kulturell, inhaltlich, strukturell, prozessual. In Hamburg, wo Tom Augustin derzeit noch lebt, fällt es schwer, zu entschleunigen. In MV gelingt ihm dies. Quasi als „Vernetzer“ möchte er Start-ups, mittelständischen Unternehmen und Konzernen unter die Arme greifen, Business-Ideen schmieden, neue Strukturen schaffen, wertvolle Synergien aktivieren. „Dies, denke ich, wird uns in MV gut gelingen.“ „Ich mag die entschleunigende Mentalität der Menschen hier, war selber beruflich auch viel in Stralsund und Greifswald unterwegs. Ich brenne für die Ostsee, für Rügen und Turm 3 in Warnemünde, verbringe regelmäßig Kurzurlaube an der Weißen Wiek und erkunde mit meinen MV-Jungs jedes Jahr aufs Neue das unbekannte MV: Walow, Melzow, Greifswald-Ladebow, Kukuk, Milchhorst, Dabel... Alle diese Benefits und Erinnerungen werden Realität, wenn ich hier und heute durch Rostock laufe. Auch das treibt mich an, alsbald unser Unternehmen so strukturiert zu haben, dass ich die Zelte in Hamburg bald ganz abbrechen kann.“

Von Doreen Bülow