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Wirtschaft und Umwelt Strandaschenbecher und wenig Feuerwerk
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Konkreter Umweltschutz in Karlshagen

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15:53 16.11.2020
Kurdirektorin Silvia-Beate Jasmand (li.) und Christina Hoba (Marketing, Kultur) engagieren sich in Sachen Nachhaltigkeit. Quelle: Antje Brecht
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Ostseebad Karlshagen

Die einzigartige Natur und die Ostsee zu genießen, die schöne Landschaft erkunden – das empfiehlt man Besuchern in den Urlaubsorten entlang der Küste. Ihren Beitrag zu leisten, dass die Werte erhalten bleiben, oder ein Hinweis, wie Urlauber durch bewusste Verhaltensweisen zum Schutz von Strand und Wald beitragen können, dazu wird man als Besucher der Homepages oder vor Ort aber oft kaum animiert. Anders hingegen in Karlshagen.

„Wir sind schon im vergangenen Jahr in die Offensive gegangen“, berichten Kurdirektorin Silvia-Beate Jasmand und Christina Hoba, in der Kurverwaltung zuständig für Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und Kultur. „Wir haben geschaut, welche Möglichkeiten es im Kleinen für uns gibt, Umweltbelastungen im Ostseebad zu reduzieren. Und dann haben wir einfach mal konkret und unkompliziert damit begonnen.“

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Das bleibt dem Besucher in Karlshagen nicht verborgen: Große Banner fordern im Karlshagen-typischen Layout „Kein Müll ins Meer“ oder „Bitte hinterlasst nichts außer eure Fußabdrücke“. Der Internetauftritt www.karlshagen.de widmet sich dem Thema Nachhaltigkeit mit einem eigenen Fenster. Konkrete Appelle werden an die Strandbesucher gerichtet, die die Küste in diesem Sommer noch einmal zahlreicher bevölkerten als sonst. „Trotz des wegen Corona schwierigen Starts ins Tourismusjahr haben sich die Übernachtungszahlen per Ende September im Vergleich zu den Vorjahren noch einmal gesteigert“, bilanziert Kurdirektorin Silvia-Beate Jasmand. Bis in den Herbst war das Ostseebad im Norden Usedoms gut ausgelastet.

Während der regelmäßig in Karlshagen stattfindenden  Veranstaltung „Strandforscher gesucht“ werden Kindern auch umweltrelevante Themen erklärt. Vor Ort wird nach Sachen gesucht, die nicht an den Strand gehören. Quelle: Kurverwaltung Karlshagen

Viele Menschen – viel Müll. Wichtig, dass dieser nicht in der Ostsee landet. Eine große Belastung sind Zigarettenkippen im Strandsand. Zigarettenfilter gehören zum häufigsten Müll an der Küste, sie liegen noch vor Strohhalmen, Plastiktüten oder Flaschen. Ein Überbleibsel des Glimmstängels kann 60 Liter Wasser verunreinigen. „Wir geben seit 2019 an zentralen Punkten kostenlose, wiederverwendbare Strand­aschenbecher mit brandschutzsicherer Schutzfolie aus“, erklärt Christina Hoba. Beim wöchentlichen Eggen und Sieben der 17 Karlshagener Strandabschnitte in der Saison kämen zwar weiterhin Kippen zum Vorschein, aber deutlich weniger.

Müllsammeln als Herzensangelegenheit

Im Sommer werden die 60 Mülltonnen am Strand von Karlshagen täglich geleert. Ortsmaskottchen Karlchen bedankt sich per Bild auf den Müllbehältern, dass die Abfälle ordnungsgemäß entsorgt werden. Nicht selten kommt es sogar vor, dass sich Strandbesucher nicht nur um den eigenen Müll kümmern. An den wichtigsten Strandzugängen kann man sich einen kleinen Müllbeutel ziehen und am Strand Müll sammeln und in die Tonne befördern. Müllsammeln am Strand ist dem einen oder anderen Sonnenhungrigen schon eine Herzensangelegenheit, besonders bewusst und engagiert in Sachen Umwelt sind jedoch Kinder. „Das merke ich bei meinem Angebot ,Strandforscher gesucht’ für Kinder“, erzählt Christina Hoba. Neben vielen wissenswerten Dingen zu Strand und Ostsee kommen auch die Themen Dünen- und Umweltschutz zur Sprache. Bei einer „Drei-Minuten-Müllsuch-Challenge“ tragen die wissbegierigen Forscher viele Dinge zusammen, die nicht an den Strand gehören. Und staunen, wenn sie hören, wie lange es dauert, bis bestimmter Müll verrottet ist. Erst nach 20 Jahren ist eine Plastiktüte abgebaut, nach 450 Jahren eine Plasteflasche.

Joggen am Strand und dabei Müll sammeln, ein Plogging-Lauf, hat in Karlshagen bereits erfolgreich stattgefunden. In diesem Jahr fiel die Veranstaltung Corona zum Opfer. 2021 im Frühjahr soll wieder ein Lauf starten. Quelle: Kurverwaltung Karlshagen

Gemeinsam mit den Usedomer Laufmützen hat das Team der Karlshagener Kurverwaltung eine neue Frühjahrstradition ins Leben gerufen. Beim Jogging am Strand wird Müll aufgesammelt, geploggt, daher der Name Plogging-Lauf. In diesem Jahr fiel der Lauf wegen Corona aus, 2021 soll es wieder einen geben.

Silvesterfeuerwerk nur noch an einem einzigen Strandabschnitt

Noch besser ist es natürlich, Müll zu vermeiden. Hier setzt die Kurverwaltung Karlshagen konkret beim Thema Feuerwerk an. Einen Abschluss mit Pyrotechnik soll es künftig nur noch bei zwei Volksfesten geben. Letztes Silvester gab es einen knallfreien Strandabschnitt in Karlshagen, in diesem Jahr dürfen nur noch an einem der 17 Strandabschnitte überhaupt Feuerwerkskörper gezündet werden. Auch der Strandvorplatz ist feuerwerksfreie Zone.

„Des Weiteren haben wir uns entschlossen, auch wenn es den Besuchern immer viel Freude gemacht hat, bei Drachenfesten keine Luftballons mehr in den Himmel steigen zu lassen“, erklärt Kurdirektorin Silvia-Beate Jasmand eine weitere von vielen Überlegungen hinsichtlich eines bewussteren Umgangs mit der Natur. Zwei Dienstfahrräder und ein Elektro-Auto für den Campingplatz hat die Kurverwaltung übrigens bereits im Einsatz. Mehrweg statt Einweg beim Catering auf Veranstaltungen ist auf dem Plan. Bis zum Ziel „Wir hinterlassen nur unsere Fußabdrücke“ ist es sicher noch weit, aber Karlshagen ist immerhin deutlich auf dem Weg.

Von Antje Brecht

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