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Digital Game-Design: Warum sehen viele Videospiele so düster aus?
Nachrichten Digital Game-Design: Warum sehen viele Videospiele so düster aus?
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14:54 16.08.2019
Bis heute eine Stilikone: Lara Croft. Quelle: Getty Images
Hannover

Wer sind die Menschen, die Gaming-Welten erschaffen und - im besten Fall - Millionen Menschen damit an die Bildschirme fesseln? Fragt man Paul Kramer sind sie vieles, vom Modellbauer bis hin zum Kameramann - und er weiß, wovon er redet. Paul Kramer ist Mitbegründer der Wiesbadener Digital Art School und des Designbüros Augenpulver, außerdem ist er Spezialist für 3-D-Visualisierung. Im RND-Interview erzählt er, worauf es in seinem Job ankommt und warum Spiele oft so düster sind.

Herr Kramer, Sie sind Dozent für 3-D-Design. Es gibt mittlerweile viele Möglichkeiten in Deutschland, sich als Grafiker für Computerspiele aus- und weiterzubilden. Wann hat die Akademisierung dieses Berufs angefangen?

Um 2010 hat das eingesetzt. Da haben wir auch unsere Schule gegründet. Zuvor gab es kaum spezielle Ausbildungsmöglichkeiten für Grafiker in der Computerspielbranche. Ich habe in einer Softwareschmiede Mediengestalter gelernt. Das kam dem Beruf noch am nächsten. Im Grunde hat man sich als Digital Artist aber vieles selbst beigebracht. Wir sind fast alle Autodidakten. Allerdings entwickeln sich die technischen Möglichkeiten auf unserem Gebiet unglaublich schnell. Um den Anschluss nicht zu verpassen, sind daher Seminare und Schulungen mittlerweile sehr gefragt.

Neben der Computerspielbranche kommen auch Film und Werbung offenbar kaum noch ohne Digital Art aus.

Das stimmt. Darüber hinaus machen sich auch Wissenschaftler die 3-D-Technik für Präsentationen und Dokumentationen zunutze.

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Zu wie viel Prozent ist man als Schöpfer virtueller Welten Künstler und zu wie viel Prozent Techniker?

Das kann man nicht so klar sagen. Von Haus aus muss schon ein Verständnis für Design und Ästhetik da sein. Es reicht also nicht, sich mit komplizierten Grafikprogrammen auszukennen. Viele zeichnen außerdem noch vor. In den USA, wo die ganz Großen der Spieleentwickler sitzen, leistet man sich in der Regel Teams aus 2-D-Experten und 3-D-Artists. Letztere setzen dann nur technisch um, was die kreativen Zeichner vorher aufs Papier gebracht haben. Hierzulande, wo für weitaus weniger Budget Spiele entwickelt werden, ist häufig solch eine Arbeitsweise zu teuer. Deshalb sind hier die Grafiker meist mehr Allrounder.

Düstere Egoshooter machen nur einen Teil der Branche aus. Es gibt auch viele überragend schöne Spiele.

Paul Kramer, Digital Artist

Was muss ein Digital Artist denn alles können?

Man ist Modellbauer, Materialgestalter, Kulissenbauer, Kameramann, Animator und Beleuchter in einem.

Auch viele zeitgenössische Künstler befassen sich mit Digital Art. Gibt es da Parallelen zwischen Ihrer Branche und der Kunstszene?

Auch bei uns nützt die beste Technik nichts, wenn man nicht auch einen künstlerischen Ansatz hat. Es gibt auch hochkreative Aufträge. Außerdem gibt es eine große Gruppe unabhängiger Spieleentwickler, die unglaublich viel Wert auf Details in der Spielmechanik und Ästhetik legen. Bei diesen Indiegames geht es um Klasse statt Masse.

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Sind solche Spiele denn auch kommerziell erfolgreich?

Das kommt immer wieder vor. „Limbo“ von Playdead oder „Journey“ von Thatgamecompany sind zum Beispiel sehr populär. Das erste besticht durch seine düsteren, aber trotzdem sehr kunstvollen, an den Expressionismus angelehnten Bilder, das zweite überzeugt optisch durch Bilder, die wie wunderschön ausgeleuchtete Landschaftsgemälde sind.

Das Videospiel "Limbo" ist sehr düster, das Design ist komplett in schwarz-weiß gehalten. Quelle: Getty Images/IStockphoto

Eines der beliebtesten Spiele ist nach wie vor „Minecraft“. Und das liegt sicher nicht an der vergleichsweise simplen Klötzchenoptik. Inwiefern entscheidet die Grafik über den Erfolg eines Spiels?

Die Grafik spielt immer eine entscheidende Rolle. Aber sie muss hervorstechen. Das tut sie bei „Minecraft“ in gewisser Weise auch.

Ausschnitt aus dem Spiel "Minecraft": Mit aufwendiger Grafik hat das Game nicht viel am Hut, trotzdem - oder gerade deshalb- ist es sehr beliebt. Quelle: pixabay

Sie werben für Ihre Schule damit, dass Ihre Trainer sich ihr Können in der „harten Praxis“ erworben haben. Was ist denn so hart an dem Job?

Der Zeitdruck und die ständige Weiterentwicklung der Technik. Arbeitet man für einen Spieleentwickler, geht es auch immer um Effizienz, das Ergebnis muss natürlich auch ästhetischen Ansprüchen genügen. Das ist oftmals ein Widerstreit. 3-D-Programme verleiten dazu, immer weiter optimieren zu wollen. Verliert man sich aber in Details, wird man nicht fertig. Der Grafiker muss also lernen, das Beste herauszuholen, ohne für sich den Anspruch zu haben, jedes Steinchen in einer Landschaft zu visualisieren.

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Viele aktuelle Spiele sind besonders düster. Martialische Sci-Fi-Action dominiert. Woran liegt das?

Film- und Spielebranche beeinflussen sich gegenseitig. Auf der Leinwand herrscht auch oft Weltuntergangsstimmung, auf der anderen Seite gibt es die Helden, die das verhindern. Mal mit mehr, mal mit weniger Gewalt. Bei Spielen ist man häufig selbst der Held oder auch der Antiheld und durchlebt die Story aus der Ichperspektive. Außerdem sind Egoshooter für den Entwickler relativ einfach umzusetzen und lukrativ. Düstere Egoshooter machen aber nur einen Teil der Branche aus. Es gibt auch sehr viele überragend schöne und interessante Spiele: etwa „Rime“, „Far Lone Sales“, „Eden“ oder „Little Big Planet“.

Bunte Fantasiewelt statt grauer Egoshooter: Solche Levels lassen sich bei "Little Big Planet" auch selbst gestalten. Quelle: picture-alliance/ dpa-tmn

Gibt es Spiele, die Einfluss auf die Realität haben?

Da gibt es jede Menge Überschneidungen. Lara Croft war und ist für junge Frauen auch so was wie eine Stilikone. Auch bei Tattoos gibt es Überschneidungen mit der Gamebranche. Gaming und Computerspiele sind ein Teil unserer Kultur.

Was sind die nächsten Grafiktrends?

Bis vor Kurzem galt: Je realistischer, desto besser. Daran haben sich viele sattgesehen. Das hat neue Felder eröffnet. Hyperrealismus, künstlerisch angehauchte oder stilisierte, vereinfachte Spielewelten sind mittlerweile gefragt.

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Kerstin Hergt/RND

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