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Kultur 125 Bilder suchen eine Kolonie
Nachrichten Kultur 125 Bilder suchen eine Kolonie
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00:00 27.05.2017
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Ahrenshoop

„Wo genau ist denn die Künstlerkolonie ?“ – das ist eine Frage, die Galeristin Sabine Peters-Barenbrock in den vergangenen Jahren von Ortsfremden schon oft gehört hat. „Eine Kolonie in dem Sinne gibt es ja heute nicht mehr, sondern eher Künstler, die hier arbeiten“, sagt sie. Aus dieser Erfahrung und dem 125-jährigen Bestehen der Künstlerkolonie in diesem Jahr hat sie kurzerhand den Titel ihrer aktuellen Ausstellung kreiert: „125 Bilder suchen eine Kolonie“, die Ausstellung wird heute in der Galerie im Hotel The Grand eröffnet.

125 Jahre, 125 Bilder: „Die Dimensionen, die da dranhängen, sind mir erst später bewusst geworden“, sagt die Galeristin und lacht. Dass die Ausstellung nicht nur umfangreich, sondern auch äußerst vielfältig ist, zeigt sich bereits vor der Eingangstür, wo Pop-Art auf Expressionismus trifft. Mit „Knabe auf Bunkerrest“ (2015) von Moritz Götze, „Roter Mohn“ (1912) von Dora Koch-Stetter (1881-1968) und der großformatigen Arbeit „Das Rätsel“ (1996) aus Acryl, Asphaltlack und Schellack von Cornelia Schleime treffen nicht nur unterschiedliche künstlerische Handschriften sondern auch Generationen aufeinander.

„Der Bruch ist gewollt, damit man das Wesen der Kolonie begreift“, sagt Peters-Barenbrock. Wichtig ist ihr, dass die Künstler dem geschichtsträchtigen Ort nach wie vor eng verbunden sind, so wie Schleime, die 2007 Ehrenstipendiatin des Künstlerhauses Lukas war, oder Moritz Götze. „Der war schon als Kind oft mit seinen Eltern bei der Keramikerfamilie Klünder“, weiß Peters-Barenbrock zu berichten. Nun hängt seine Emaillearbeit – die Vorlage für das Bunkermotiv fand er übrigens auch in Ahrenshoop – neben der von Dora Koch-Stetter, die wiederum die Großmutter von Keramiker Johann Klünder ist. Das zeigt, wie weitverzweigt das Geflecht der Künstlerkolonie bis heute ist.

Mit 25 Bildern zeigt Sabine Peters-Barenbrock einen Querschnitt verschiedener Generationen, die in Ahrenshoop gelebt, gearbeitet oder anderweitig gewirkt und dem Ort so seinen künstlerischen Stempel aufgedrückt haben. Mit Vertretern der ersten Generation, wie Elisabeth von Eicken, bis hin zu ehemaligen Stipendiaten des Künstlerhauses Lukas schlägt Peters-Barenbrock einen Bogen von den Anfängen der Künstlerkolonie bis Heute.

„Das ist das zentrale Bild der Ausstellung, sozusagen von der Mutter der Künstlerkolonie“, sagt die Galeristin und deutet auf eine Boddenlandschaft von Elisabeth von Eicken (1862-1940). „Ohne diese zentrale Generation wäre die Künstlerkolonie erst gar nicht entstanden.“ Weiter spinnt sich die Ahrenshoper Geschichte über Dora Koch-Stetter bis in die zweite und dritte Generation mit Gerhard Marcks (1889-1981) und Frida Löber (1910-1989).

Die älteste lebende Künstlerin der Ausstellung ist die 1925 geborene Ruth Klatte, die in Wieck auf dem Darß lebt. Zu sehen sind auch Werke des Berliner Malers Hans Laabs, der häufiger Malgast in Ahrenshoop war. Zu den ältesten noch aktiven Malern auf Fischland-Darß gehören Friedrich W. Fretwurst und seine Frau Antje Fretwurst-Colberg, deren Bilder – vorwiegend maritime Motive – die Galeristin einander gegenübergestellt hat. „Es liegt eine solche Kraft in seinen Arbeiten und sie sind trotz seines hohen Alters so zeitgemäß“, schwärmt die Galeristin über die farbintensiven Ölbilder von Friedrich W. Fretwurst. „Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, ein noch aktives Künstlerpaar zu zeigen.“

Eine der jüngsten Positionen der Ausstellung bilden die reduzierten und surreal wirkenden Szenarien der Berliner Künstlerin Sibylle Prange. Zu sehen sind zudem ein Selbstporträt der Wustrower Malerin Hedwig Holtz-Sommer (1901-1970) sowie Arbeiten von Gerlinde Creutzburg, Gründerin des Neuen Kunsthauses Ahrenshoop und Leiterin des Künstlerhauses Lukas. Letzteres schlägt mit 100 Arbeiten ehemaliger Stipendiaten den Bogen zur Gegenwart: Die Werke, die von Fotoübermalungen historischer Postkarten bis hin zu dreidimensionalen Papierarbeiten reichen, zeigen vor allem eins: Auch wenn es eine Kolonie in dem Sinne nicht mehr gibt, lebt der kreative Geist weiter und macht Ahrenshoop auch in der Gegenwart zu einem Ort der Kunst und Begegnung.

Stefanie Büssing

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