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Kultur 50 000 Schimmelbücher sind wieder sauber
Nachrichten Kultur 50 000 Schimmelbücher sind wieder sauber
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21:23 07.10.2015
Mitarbeiter des Zentrums für Bucherhaltung in Leipzig bereiten den Abtransport von Büchern aus dem Stadtarchiv Stralsund nach Leipzig vor. Dort sollen sie gereinigt werden. Am 7. und 8. Oktober 2015 wurden insgesamt 50 Paletten verladen. Quelle: Jens-Peter Woldt
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Stralsund

Weit mehr als die Hälfte der Bücher und Akten des Stadtarchivs in Stralsund sind vom Schimmel befreit. Das erklärten der Restaurator Dr. Burkhard Kunkel, Beauftragter der Stadt für die historischen Bibliotheken, und Archivdirektor Dr. Dirk Schleinert vor dem Ausschuss für Bildung, Hochschule, Kultur und Sport der Bürgerschaft.

„Wir gehen davon aus, dass bis zur Fertigstellung eines neues Depots für das Stadtarchiv alle Bücher und Dokumente unseres Bestandes der Öffentlichkeit wieder zur Verfügung stehen“, sagte Kunkel.

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Dafür wird die alte Nachrichtenzentrale der Armee auf der Schwedenschanze ausgebaut. Die Bauarbeiten sollen im kommenden Jahr beginnen. Mit der Fertigstellung wird im zweiten Halbjahr 2017 gerechnet.

Das Johanniskloster eignet sich im jetzigen Zustand nicht mehr als Archiv. Das Mauerwerk ist feucht, gefährliche Salze könnten es zerfressen. In den Räumen herrscht ein Klima, dass sich nicht dafür eignet, Papier über viele Jahre zu lagern.

Jetzt ist eine aufwendige Sanierung auf Grundlage eines bauphysikalischen Gutachtens notwendig. Ein Konzept für die Nutzung des Johannisklosters nach der Sanierung soll fast fertig sein. Vorgesehen ist, dass dort besonders attraktive Schätze aus dem Archiv öffentlich gezeigt werden.

Bekannt geworden war der Schimmelbefall des Archivbestandes 2012 durch einen Zufall. Ein Antiquar hatte Bücher aus dem Bestand des Stralsunder Stadtarchivs gekauft und die Stadtverwaltung über den schlechten Zustand zahlreicher Exemplare informiert.

Daraufhin ergaben Untersuchungen, dass der gesamte Bestand im Johanniskloster betroffen ist. Seitdem ist es auch für die Öffentlichkeit geschlossen. Außerdem wurde damals überhaupt erst bekannt, dass das Stadtarchiv Bücher verkauft. Das sorgte deutschlandweit für Aufsehen.

Im konkreten Fall handelte es sich um die so genannte Gymnasialbibliothek mit rund 6000 Bänden. Der größte Teil befindet sich wieder im Besitz der Stadt. Etwa 500 sind aber immer noch verschwunden.



Jens-Peter Woldt