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Kultur Auflagen erfüllt: La Grange öffnet die Tore
Nachrichten Kultur Auflagen erfüllt: La Grange öffnet die Tore
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11:35 06.08.2014
Sebastian Will und Björn Meine (v.l.) bei den Vorbereitungen für die Wiedereröffnung vom La Grange. Quelle: Stefanie Büssing
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Bergen

Ein Jahr nach der strittigen Schließung der La Grange-Kulturhalle findet in Bergen wieder ein Kunst-Musik-Festival statt. Die Veranstaltung „Keine Wäsche ohne Abholschein“ ist für die drei Organisatoren wie ein kleines Re-Opening und eine Befreiung. Etwa zehn nationale und internationale Bands und Dj-Größen legen vom 9. bis zum 10. August im unteren Teil der Halle im Industriegebiet auf, der obere Teil bleibt wegen einer fehlenden Sicherheitstreppe noch geschlossen.

„Alle Brandschutz- und Hygieneauflagen haben wir erfüllt“, sagt der Rügener Künstler Sebastian Will, einer der drei Veranstalter. „Es wurden sogar Wasserproben genommen. Jetzt ist der Weg aber frei.“

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Das bestätigt auch Renate Jährling vom Landkreis: „Im Erdgeschoss sind alle Auflagen erfüllt und es ist zur Nutzung freigegeben. Im Dachgeschoss fehlt noch eine entsprechende Fluchttreppe.“ Doch dafür auch die finanziellen Mittel. „Über die Festivals bekommen wir dafür nicht genug Geld rein“, bedauert Björn Hinze, der zweite im Veranstalterbunde. „Noch haben wir kein Budgetplan, vielleicht klappt es aber über Workshops — oder wir finden einen großzügigen Mäzen.“

Trotzdem sind die Jungs froh, dass sie die Türen am Wochenende wieder öffnen können. „Für uns ist es das erste große Festival, nach dem wir die Behördenangelegenheiten geklärt haben“, sagt Will. Bei der größten Hürde — dem notwendigen Bauantrag zur Umnutzung — habe den Veranstaltern ein befreundeter Bauunternehmer geholfen. „Ohne den wäre La Grange vermutlich wirtschaftlich baden gegangen“, sagt Will. Ein unschönes Szenario, das die überregionale Fangemeinde der Kulturhalle auch über Internetproteste versucht hatte, abzuwenden. Doch nun können die Veranstalter aufatmen und die nächsten Ziele ins Auge fassen: „Unser Anspruch ist es, uns bei Festivals zu steigern und den kulturellen Anspruch zu vergrößern zum Beispiel mit Theater oder Performances, das war bisher nicht möglich, weil wir immer abhängig von den Entscheidungen der Behörden waren“, sagt Will. Nun habe man mehr Planungssicherheit. „So können wir weiter machen. Wir haben in dem Jahr ja auch schon kleinere Treffen veranstalten können, mussten aber vorher alles genau von den Behörden absegnen lassen. Jetzt sind wir unabhängiger“, fügt Hinze hinzu.

Am kommenden Wochenende werden rund 200 Gäste erwartet. „Einer davon kommt sogar zu Fuß aus Wismar“, sagt Hinze (32), der an der Hochschule der Hansestadt studiert hat. „Wie bei fast jedem Festival kommen viele befreundete Künstler-Kumpels aus Wismar zu uns. Dieses Mal legt auch ein DJ aus der Hansestadt auf.“ Seit Montag arbeiten Björn Hinze und Sebastian Will an den Lichtinstallationen in der Halle und auf dem Gelände. „Es geht ja nicht nur um Party“, sagt Will. „Die Leute sollen sich auf unsere visuellen Überforderungen einlassen. Die eingeladenen Künstler helfen uns dabei.“ Wie das erleuchtete Gesamtkunstwerk La Grange am Ende aussehe, könne man jetzt noch nicht sagen. „Es ist ein großer gemeinschaftlicher Kunstakt“, sagt Will. „Ob es gelungen ist, weiß man erst, wenn man am Freitag alles anmacht.“

Einer der Künstler, der dabei sein wird, ist Patrick Thies alias „Noize of London Boyz“. Der 34-Jährige ist seit zwei Jahren der DJ der Party-Reihe „We Love Bass“ in Stralsund. „Die meisten jungen Leute schätzen ein nachhaltiges Musikangebot — wie bei La Grange.“ In Vorpommern-Rügen werde musikalisch sonst zu sehr auf „Klasse statt Masse" gesetzt. Umso trauriger sei für ihn damals die temporäre Schließung der Halle gewesen. „Deswegen ist es für mich was Besonderes, wieder aktiv dabei zu sein“, sagt Thies. „La Grange ist für mich das Entfliehen vor dem Alltag — in eine wunderbare bunte Welt.“ Am Wochenende wird er alles auflegen, „was Bass macht“, eine Mischung aus Dubstep und Drum'n'Bass.

„Ich habe dort schon bei zwei Projekten mitgemacht, die vom Gymnasium veranstaltet wurden und finde die Location super“, sagt Gymnasiastin Carolin Bordych (17).

„Ich finde es klasse, dass es wieder losgeht und dass die Jungs eine bauliche Umnutzung durchgeboxt haben“, sagt auch Malte Sodmann (23) aus Bergen. „Das La Grange ist ein Kulturprojekt mit dem Kreativität gefördert wird, nun können die Räumlichkeiten dafür ausgeschöpft werden.“ Auch Bergens Bürgermeisterin Andrea Köster sieht das Projekt als Bereicherung für die Insel: „Ich bin ein Fan von Sebastian Will. Die Projekte, die sie mit dem Gymnasium gemacht haben, sind toll, deswegen freue ich mich, dass das La Grange wieder offen ist.“



Kay Steinke und Stefanie Büssing