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15:45 03.09.2019
Asiatische Reisegruppe vor dem Rostocker Rathaus: Rund 8000 Asiaten kamen im vergangenen Jahr nach MV – der Großteil davon stammt aus China. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Schwerin

Entspannt schlendern Crystal und Brett Kramer mit Jessica und Will Norton über den Neuen Markt in Rostock. Das Rathaus, die historischen Giebelhäuser und die Fußgängerzone faszinieren die Besucher aus dem US-Bundesstaat Virginia. „So etwas findet man bei uns nicht“, sagt Crystal Kramer. Auch das kulinarische Angebot in der Hansestadt begeistert die Veganerin: „Unsere Freunde freuen sich auf Schnitzel und Bier. Dass es hier auch für Veganer ein so großes Angebot gibt, hätte ich nicht gedacht.“ Zur Urlaubszeit sind in Mecklenburg-Vorpommern wieder zahlreiche internationale Besucher unterwegs. Auch zum Studieren und Leben ist das Bundesland beliebt. Die Akteure im Land, darunter Landestourismusverband, Museen und Dehoga, setzten zunehmend auf Internationalität.

Wir zeigen euch die vielfältigen Gesichter in unserem Bundesland

Mehr als 7 800 000 Besucher kamen laut Statistischem Landesamt in Schwerin im vergangenen Jahr nach MV – rund 405 000 davon – also etwa fünf Prozent – stammen aus dem Ausland. Spitzenreiter waren Gäste aus Schweden (rund 66 700) gefolgt von den Niederlanden, Dänemark und der Schweiz. Beliebt ist MV auch auf anderen Kontinenten: Knapp 1300 Besucher reisten im vergangenen Jahr aus Afrika an. Eine Vorliebe für das Land an Ostsee und Seenplatte haben vor allem Asiaten, die mit 8000 Besuchern vertreten waren – der Großteil davon stammt aus China.

Besucher aus Europa, Afrika und Asien

Dazu gehören auch Alfred und Lancy Tse aus Hongkong, die zum ersten Mal in Rostock sind: „Die Stadt hat eine interessante Geschichte und viel Kultur. Vor allem die Marienkirche hat uns beeindruckt“, sagt Alfred Tse. „Rostock ist sehr sauber und gut organisiert“, findet auch Amy Chan aus dem kalifornischen Palo Alto. Die gebürtige Chinesin gehört zu einer asiatischen Reisegruppe, die mit dem Kreuzfahrtschiff für einen Tag in Rostock und Warnemünde Station macht.

In anderer Mission sind die Studentinnen Bojana Pop-Anastasova (21), Marijana Velichkova (22) und Katerina Paunova (22) aus Mazedonien unterwegs: Sie verbringen ihre Semesterferien in Wolgast und nutzen die Zeit, um zu arbeiten, aber auch um Land und Leute kennenzulernen. „Wir haben schon viele Freundschaften geschlossen und wurden bei der Arbeit gut aufgenommen“, sagt Marijana Velichkova. Besonders beeindruckt habe sie die Insel Usedom: „Dort gibt es den saubersten und wundervollsten Strand, den wir je besucht haben. Für uns war das wie im Paradies.“

Internationale Speisekarten und mehrsprachiges Personal

Seit 2000 ist die Zahl internationaler Ankünfte in MV um rund die Hälfte gestiegen. Knapp drei Tage verbrachten die ausländischen Besucher im Schnitt in MV. Dazu kommen die Tagesgäste: 206 Anläufe von 45 Kreuzfahrtschiffen gab es 2018 in Warnemünde und dem Rostocker Überseehafen. Rund 167 000 Passagiere entdeckten nach Angaben von Rostock Port dabei für einen Tag Warnemünde, Rostock und andere Orte in MV – darunter US-Amerikaner, Briten, Spanier, Italiener, Kanadier und Australier gefolgt von Touristen aus 144 weiteren Nationen.

Darauf hat sich auch Mecklenburg-Vorpommerns Gastronomie eingestellt: „In den vom Tourismus geprägten Hochburgen gehören englischsprachige Speisekarten und mehrsprachiges Personal mittlerweile dazu“, sagt Landes-Dehoga-Präsident Lars Schwarz. Schon vor zehn Jahren habe der Verband begonnen, die Mitglieder für das Thema zu sensibilisieren und Speisekarten mit Hilfe von Übersetzern ins Englische zu übertragen.

„Ich mag vor allem das deutsche Bier“

Davon profitiert auch Kari Sundberg (53): Mit seinem Motorrad hat der Finne rund 2000 Kilometer durch verschiedene Länder zurückgelegt und besucht nun Freunde in der Hansestadt. „Ich mag vor allem das deutsche Bier“, sagt er und lacht.

Auch die Tourismuszentralen des Landes haben in den vergangenen Jahren aufgerüstet und sind vielerorts auf den Ansturm internationaler Besucher vorbereitet. „Bei uns sprechen alle Mitarbeiter Englisch. Das ist ein Muss“, sagt André Kretzschmar, Leiter der Tourismuszentrale in Stralsund. Die Broschüre zum Stadtrundgang gibt es in Stralsund in vier, in Rostock sogar in zwölf Sprachen. Auf der Internetseite der Greifswald-Info können sich Touristen im Vorfeld in elf Sprachen informieren. Auch mehrsprachige Stadtführungen gehören vielerorts in MV zum Standard. In Rostock und Warnemünde setzt die Tourismuszentrale seit 2016 zusätzlich auf Audio-Guides in sechs Sprachen. Auch im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald und im Stralsunder Ozeaneum werden Besucher mit Hilfe von Audio-Guides mehrsprachig durch die Ausstellungen geleitet.

„Die gesamte Branche ist gefordert“

Auch bei der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) habe man überlegt, wichtige Haltestellen zusätzlich auf Englisch anzusagen. „Leider ist dafür die Zeitspanne zwischen den einzelnen Haltestellen zu kurz“, sagt Sprecherin Beate Langner. „Aber die Fahrkartenautomaten lassen sich in deutscher und englischer Sprache bedienen.“

Auch der Landestourismusverband arbeitet daran, den internationalen Tourismus weiter anzukurbeln. „Da gibt es noch Luft nach oben. Mit unseren Partnern arbeiten wir daran, Mecklenburg-Vorpommern weiter ins Blickfeld anderer Länder zu rücken. Zum Beispiel als Partnerland der Internationalen Tourismusbörse Berlin 2018 oder bei der Ausrichtung des Germany Travel Mart in Rostock und Schwerin im Mai 2020“, sagt Tobias Woitendorf, stellvertretender Geschäftsführer. Daneben sei die gesamte Branche gefordert, die Kompetenzen zum Betreuen internationaler Gäste weiter auszubauen.

Internationalität ist auch das Stichwort für die Regiopolregion Rostock – ein Zusammenschluss der Mittelzentren der Region. „Wir wollen die Regiopolregion Rostock international künftig attraktiver aufstellen“, sagt Johannes Wolff, Projektmanager der Hansestadt Rostock. Das branchenübergreifende Projekt gelte für die Bereiche Wirtschaft, Kultur, Tourismus, Transport und Verkehr. „Im nächsten halben Jahr werden wir mit allen Akteuren eine Strategie entwickeln, wie sich das Projekt in den nächsten drei Jahren am besten umsetzen lässt.“

Mehr als 2500 ausländische Studierende

Neben den Touristen sind es auch die mehr als 2500 ausländischen Studierenden, die aktuell an den Universitäten Greifswald und Rostock und den Hochschulen in Stralsund, Wismar und Rostock eingeschrieben sind, die das Gesicht MV’s bunter und internationaler machen – mehr als 40 Nationen sind es allein an der HMT. Dazu kommen die Menschen, die in Mecklenburg-Vorpommern ein neues Zuhause gefunden haben.

So wie der Brite Malcom Wood, der seit 37 Jahren in Deutschland lebt. Auf Rügen hat er sich mit seiner deutschen Frau und den beiden Töchtern ein kleines englisches Königreich aufgebaut. „Woody’s little Britain“ heißt das Gasthaus in Putgarten, in dem irisches Bier genauso zum Angebot gehört wie 60 verschiedene Teesorten und feinstes englisches Gebäck. Nach England zurückgehen würde er auf keinen Fall: „Weil es uns auf Rügen einfach gut geht“, sagt der Engländer.

Seit knapp einem Jahr lebt und arbeitet der 26-jährige türkische Schiffbauingenieur Fatih Gözükücük in Stralsund. „Mir gefällt die Landschaft, weil ich hier joggen, Rad fahren und schwimmen kann“, so der Projekt-Ingenieur, dessen Wissen in Bezug auf Meerestechnik am Stralsunder Standort der MV Werften äußerst gefragt ist. Der junge Türke hat an der TU in Berlin und an der Bremer Hochschule im Fachbereich Meerestechnik seine Abschlüsse gemacht.

„Meine Kinder sollten nicht im Krieg aufwachsen“

Alireza Alizadeh (37) aus Afghanistan lebt seit 2012 in Rostock und betreibt dort seit April seinen Friseur-Salon „Ali’s Barber Shop“. „Ich wollte nicht, dass meine Kinder im Krieg aufwachsen“, sagt der 37-Jährige. 2009 beantragte er politisches Asyl und baute sich fern der Heimat ein neues Leben auf. „Ich habe Deutsch gelernt, meinen Meistertitel gemacht und meinen Salon eröffnet“, sagt Alizadeh. Auch wenn er hin und wieder mit Vorurteilen konfrontiert werde, sei er glücklich in Rostock und habe inzwischen gute Freunde gefunden. „Aus den verschiedensten Ländern“, sagt er. „Denn für mich spielt es keine Rolle, woher jemand kommt.“

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