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Kultur Autor Karl-Markus Gauß: Das Geheimnis der Dinge
Nachrichten Kultur Autor Karl-Markus Gauß: Das Geheimnis der Dinge
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14:10 16.05.2019
Karl-Markus Gauß lebt in Salzburg. Quelle: Paul Zsolnay Verlag/Alexandra Eizinger
Hannover

Wenn einer eine Reise unternimmt, dann kann er was erzählen – Geschichten von unerhörten Ereignissen und aus fernen Ländern. Meistens jedenfalls. Was aber passiert, wenn einer zu Hause bleibt und eine Reise durch seine eigene Wohnung antritt? Der österreichische Publizist Karl-Markus Gauß zeigt in seinem neuen Buch „Abenteuerliche Reise durch mein Zimmer“, dass das Resultat das Gleiche ist: Er kann jede Menge berichten.

Karl-Markus Gauß: Kochbuch erinnert ihn an seine Großmutter

Gauß nimmt sich bei seinem Vorhaben den französischen Adeligen Xavier de Maistre zum Vorbild. Der Adelige war 1790 wegen eines Duells zu 42 Tagen Hausarrest verurteilt worden. Er nahm dieses Urteil als Geschenk an und schrieb sein berühmtestes Buch, die „Voyage autour de ma chambre“, die „Reise um mein Zimmer“. Über dieses nicht einmal 100 Seiten umfassende Werk schreibt Gauß: „Tatsächlich ist das Sprunghafte, Unsystematische seiner Welterkundung im Zimmer ein charmanter Zug des Buches, das bald einen Gegenstand erfasst, bald von ihm abschweift und ihn aus den Augen zu verlieren scheint.“ Und genau das gilt auch für Gauß’ eigenes Buch. Denn ausgehend von Gegenständen in seiner Wohnung erinnert sich der Autor – ohne eingesperrt zu sein – an Reisen, Freunde, Gelesenes, Erlebtes.

In der Küche der Gaußschen Wohnung in Salzburg steht etwa ein bereits auseinander fallendes Kochbuch. Verfasst hat es seine Großmutter, 379 Rezepte in stark schräg gestellter Kurrentschrift. Das Buch erinnert ihn an seine Oma, an ihre Küsse und ihre Herkunft aus einer armen slowakischen Familie, die ihr Glück donauabwärts suchte. Als die Familie 1944 wie alle Donauschwaben ihre Heimat verlassen musste und nach Bayern kam, hatte die Großmutter dieses Kochbuch im Gepäck. Darin finden sich serbische, ungarische, rumänische, slowakische, böhmische, Wiener und sogar türkische Speisen, „die sie ihrer donauschwäbischen Küchenkunst anverwandte“, so Gauß.

Beinahe wäre Gauß’ Buch nicht erschienen

Oder der Brieföffner mit der Aufschrift „Eternit-Schiefer – Patent Hatschek“. Über den Gründer Ludwig Hatschek und dessen Sohn Hans, der im österreichischen Vöcklabruck eine legendäre Arbeitersiedlung schuf, geht es auf der kleinen Gedankenreise nach Zlín, wo die Schuhfabrikanten Bat’a zu Beginn des 20. Jahrhunderts idealtypische Werksiedlungen schufen, mit firmeneigenen Kindergärten, Schulen, einem Krankenhaus, einem Warenhaus und dem damals größten Kino Mitteleuropas. So zeigt Gauß immer wieder, wie sehr Erinnerungen an Dingen hängen. Warum heben wir etwas auf, fragt der Autor einmal. Und antwortet: „Das kann man selbst nicht ergründen, denn es ist das Geheimnis der Dinge, das sie vor uns hüten.“

Gauß, der sich vor allem durch seine Essays und Reiseberichte vor allem aus Mittel- und Südosteuropa einen Namen gemacht hat, gelangt durch Gedankensprünge, Assoziationen, Erinnerungen und Querverbindungen in den 38 immer recht kurzen Kapiteln zu äußerst lebendigen Kleinstessays, Anekdoten und Exkursen. Gauß, gerade 65 Jahre alt geworden, erzählt von seiner Familie, von Reisen und Tagungen, von seiner Leidenschaft, Duschhauben zu sammeln, von verstorbenen Freunden und großzügigen Gönnern, von Schriftstellern und Künstlern, von seinem ersten Buch über den fast vergessenen Lyriker Albert Ehrenstein und der Liste all seiner Bücher, die er nicht mehr schreiben wird. Beinahe, so gesteht er am Ende des Buchs, wäre auch die Reise durch seine Wohnung dort gelandet. Es ist eine Freude, dass das Projekt nicht in der Schublade gelandet ist, sondern nun im Buchregal stehen kann. Dort wird es Lesende zu einer Reise durch ihr eigenes Zimmer ermutigen können.

Karl-Markus Gauß: „Abenteuerliche Reise durch mein Zimmer“. Zsolnay. 221 Seiten, 22 Euro. Quelle: Verlag

Von Kristian Teetz / RND

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