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Kultur Bill Clinton hat mit James Patterson einen Politthriller geschrieben
Nachrichten Kultur Bill Clinton hat mit James Patterson einen Politthriller geschrieben
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02:33 09.06.2018
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Washington

In Zeiten, in denen Außenpolitik per Twitter betrieben wird, scheint schier alles möglich zu sein. Die Kinder des aktuellen US-Präsidenten vermarkten weltweit die Marke Trump, und Barack Obama tritt als Erzähler in die Dienste von Netflix. Warum sollte Bill Clinton da keinen Krimi schreiben?

Beschreibt Krisenmomente im Weißen Haus bis in alle Einzelheiten: Bill Clinton (71). Quelle: Foto: Matthews/dpa

Vielleicht, weil der einst mächtigste Mann der Welt dabei eine bemerkenswerte Grenze überschreitet. Denn der frühere „Commander in Chief“ lässt in seinen Politthriller eine Menge Details einfließen, die wohl nur jemand liefern kann, der intimste Kenntnis von der obersten Spitze der amerikanischen Regierung besitzt.

Dass sich nicht genau sagen lässt, wie viel Bill Clinton eigentlich in Clintons erstem Roman steckt, wirft nur auf den ersten Blick einen Schatten auf „The President is missing“. Für echte Freunde spannender Lektüre dürfte es eher ein Qualitätsmerkmal sein, dass Clintons erste Gehversuche mit diesem Genre von echten Fachleuten begleitet werden: Autor James Patterson, der weltweit zu den erfolgreichsten Schriftstellern zählt, ist Co-Autor, und für den arbeitet wiederum ein mehrköpfiges Team.

Kurz gesagt handelt das Buch von einem Präsidenten, der inmitten einer internationalen Krise plötzlich verschwindet. Die Geschichte spielt an drei Tagen im Mai und dreht sich um einen getöteten Geheimdienstler, Kongressabgeordnete, die den Chef des Weißen Hauses in die Mangel nehmen – und um die Sicherheit Amerikas. Das große Ganze und die Frage nach dem wahren Patriotismus dürfen selbstverständlich nicht fehlen, wenn ein Präsident persönlich zur Feder greift. Zum Schluss gibt es sogar eine Rede des – fiktiven – Präsidenten zu lesen, die allem Anschein nach von Clinton stammt.

Zumindest stimmt sie mit seiner Tonlage überein.

Zwischen den Zeilen ist allerdings weit mehr zu erkennen. Wie Clinton jetzt im Interview mit „National Public Radio“ in Washington erzählte, habe er bis in alle Einzelheiten die Abläufe in Krisenmomenten beschrieben. Der „Situation Room“ im Westflügel des Weißen Hauses nimmt dabei eine geradezu beängstigend konkrete Gestalt an.

Bei ihrer Werbetour präsentieren sich die beiden prominenten Autoren wie ein gut eingespieltes Team. Kein Wunder, kennen sie sich doch seit Jahren vom Golfplatz und verstehen sich offenbar auch privat bestens.

Clinton wäre nicht Clinton, wenn er die Selbstvermarktung nicht auch mit nachdenklichen Appellen ausschmücken würde. So warnt der 71-Jährige vor der wachsenden Cyberkriminalität, die seiner Einschätzung nach ebenso zerstörerisch sein könne wie die bisherigen Massenvernichtungswaffen. Sein Roman ist daher nicht nur ein Garant für eine fesselnde Lektüre. Das Buch ist auch als Mahnung zu verstehen, die gegenwärtige Sicherheit in der westlichen Welt nicht als Selbstverständlichkeit zu betrachten.

Bill Clinton, James Patterson:

„ The President is missing“, Droemer, München, 480 Seiten, 22,90 Euro

Stefan Koch

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