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Kultur Bülent Ceylan kommt nach Rostock: „Die können richtig lachen hier!“
Nachrichten Kultur Bülent Ceylan kommt nach Rostock: „Die können richtig lachen hier!“
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00:00 20.03.2014
Bülent Ceylan (38) studierte kurzzeitig mal Philosophie und Politikwissenschaft, gab das Studium aber zugunsten seiner Show-Karriere auf. Quelle: Ralph Larmann
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OZelot: Bülent, dein neues Programm heißt „Haardrock“. Was erwartet die Zuschauer da? Eine Metal-Show?

Bülent: Meine Show soll im ersten Moment so wirken, als ob ein Metalkonzert beginnt. Menschen mit Dudelsack kommen auf die Bühne, dazu gibt‘s Rockmusik und Pyro-Effekte.

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Richtig brachial ist der Anfang. Da sind auf jeden Fall alle wach.

OZelot: Und wenn dann alle wach sind? Inwiefern unterscheidet sich das neue Programm von seinen Vorgängern?

Bülent: Es ist vergleichsweise sehr persönlich. Mehr Bülent steckt da drin. Obwohl es meine anderen vier Figuren auch noch gibt: also Hassan, Harald, Momfred und Anneliese. Ich als Bülent erzähle in meinem aktuellen Programm aber mehr Geschichten über mich selbst, mit denen sich die Leute auch identifizieren können. Das ist immer ganz gut. Dann hat man als Zuschauer einen Bezug und denkt: ,Ach, das kenne ich selber.‘ Und dann lacht man häufig auch eher.

OZelot: Was für persönliche Geschichten erzählst du denn? Kannst du mal ein Beispiel nennen?

Bülent: Ich erzähle zum Beispiel Anekdoten über meine sexuelle Aufklärung, während meiner Pupertätsphase so mit acht oder neun Jahren. Das war schon witzig. Wer sich dafür interessiert, wie mein Papa mich aufgeklärt hat, der sollte sich am besten mein neues Programm anschauen.

OZelot: Also sind die Bülent-Geschichten, die du erzählst auch wirklich passiert oder denkst du dir vieles aus?

Bülent: Es sind Sachen, die ich wirklich erlebt habe — natürlich überspitzt dargestellt. Bei meinen Figuren denke ich mir Geschichten aus, die zu ihnen passen. Insgesamt dreht sich das neue Programm auch nur noch am Rande um das Thema „türkisch-deutsch“und die damit verbundenen Vorurteile. Das hatte sich nach all den Jahren irgendwann auserzählt. Es ist inzwischen bekannt, dass mein Vater Türke ist und meine Mutter Deutsche — und es gibt jetzt auch so viel Ethno-Comedy.

OZelot: Was ist sonst noch neu?

Bülent: Das Bühnenbild. Es ist einmalig im Comedybereich. Wir arbeiten viel mit Projektion, das Bild verändert sich also ständig. Auch Pyrotechnik nutzen wir. Den Leuten wird also nicht nur was zum Lachen gezeigt, sondern auch was zum Staunen. Ich bin stolz, wie meine Techniker das umgesetzt haben.

OZelot: Es gibt also was zum Lachen und Staunen. Wie sieht‘s mit Nachdenken aus?

Bülent: Ich habe auch Statements im Programm. So hören die Leute zum Beispiel ein Lied gegen Nazis. Nur rumblödeln reicht nicht, es gibt bei mir auch eine Message. Als Comedian braucht man schließlich auch eine Einstellung. Und die versuche ich zu vermitteln.

OZelot: Was für eine Einstellung hast du denn? Bist du linkspolitisch?

Bülent: Ich bin schon eher linkspolitisch eingestellt. Obwohl das bei mir nichts mit irgendeiner Partei zu tun hat. Ich bilde mir halt meine Meinung zu bestimmten Themen. So habe ich was gegen Nazis und Kinderschänder. Die ganze Affäre um Edathy verurteile ich zum Beispiel und bringe da auch mal einen Spruch. Die Leute wollen das auch einfach mal hören, dass man so was mal öffentlich sagt. Es bleibt aber trotz allem leichte Comedy.

OZelot: Du verfolgst ja wahrscheinlich auch, was in der Türkei gerade passiert. Junge Menschen gehen auf die Straße und protestieren gegen die Regierung. Erdogan will sogar Facebook und Youtube verbieten. Wie stehst du dazu?

Bülent: Ich verurteile jede Form von Gewalt. Ansonsten ist das Ganze von so weit weg schwer zu beurteilen. Und wenn ich über ein Thema nicht hundertprozentig Bescheid weiß, dann rede ich auch nicht gerne darüber.

OZelot: Wofür gehst du denn auf die Straße?

Bülent: Ich gehe auf die Straße, wenn ich merke, dass Menschen ungerecht behandelt werden. Zuletzt habe ich gegen Nazis demonstriert.

OZelot: Du bist Metalfan und bist 2011 auf dem Wacken-Festival aufgetreten. Bist du in diesem Jahr wieder mit dabei?

Bülent: Das war wirklich genial. Die Leute wollten, dass ich abgehe — und da bin ich auch abgegangen. Beim 25-jährigen Jubiläum werde ich in diesem Jahr wieder in Wacken auf der Bühne stehen.

OZelot: Wie entwickelst du neue Ideen für deine Show?

Bülent: Durch intensives Beobachten. Es ist allerdings nicht einfach zu entscheiden: Ist jetzt etwas pure Situationskomik und nur in diesem Moment lustig oder können die Leute immer wieder drüber lachen? Deshalb probiere ich neue Gags immer im kleinen Rahmen vor zwei bis dreihundert Leuten aus. Manchmal funktionieren Gags auf der großen Bühne dann trotzdem nicht. Es kommt aber auch sehr auf die Region an, worüber die Leute lachen.

OZelot: Du warst ja auch vergangenes Jahr das erste Mal in Rostock. Konnten die Norddeutschen richtig lachen über dich?

Bülent: Es war ein tolles Publikum. Sehr wach und sie haben auch auf kleine Gags reagiert. Ich war erstaunt, weil ich die Norddeutschen gar nicht so eingeschätzt hätte. Ich freue mich auf die Shows.

DO
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www.ozelot.de Kontakt: Redaktion 0381/365 325 ozelot@ostsee-zeitung.de
SA
Shows in Neubrandenburg, Schwerin und Rostock
Der Comedian Bülent Goran Ceylan ist am 4. Januar 1976 in Mannheim geboren und lebt auch heute noch dort. Sein Vater war Türke, seine Mutter ist Deutsche. Nach dem Abitur (1995) machte er beim Sender VIVA und beim Rheinland-Pfälzischen Radiosender RPR1 ein Praktikum. Dort traf er auf den Comedy-Autor Roland Junghans, der für ihn Ende 1998 das erste Programm „Produzier' mich net!“ entwickelte, und bis heute mit ihm zusammenarbeitet. Mit dem Programm „Döner For One“ wurde er 2001 bundesweit bekannt.

Im „Quatsch Comedy Club“ und in anderen Fernsehshows trat Bülent auf und erhielt auch verschiedene Preise. Der Metalfan stand 2011 beim Festival Wacken auf der Bühne. In seine Shows baut er Metalmusik mit ein.


Live in MV: 16. Mai in Neubrandenburg (Jahnsportforum), 17. Mai in Schwerin (Kongresshalle), 18. Mai in Rostock (Stadthalle)
Karten: in den OZ-Service-Centern und
☎ 03 81 / 38 30 30 17, ab 34,45 Euro



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