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Nachrichten Kultur Ein Chinese mischt Mecklenburg auf
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11:25 15.08.2019
Szene aus der aktuellen Müritz-Saga mit dem Schauspieler Lian Qirong. Quelle: Gerlind Klemens
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Waren (Müritz)

Eigentlich sollte es regnen. Doch die Sonne scheint am Hafen von Waren (Müritz)Nils Düwell, Intendant und Regisseur der Müritz-Saga, sitzt auf der Terrasse eines Eis-Cafés mit Blick aufs Wasser. Urlauber radeln am Ufer entlang, Fahrgastschiffe legen ab. Es ist 10 Uhr. Zum Gespräch mit der OSTSEE-ZEITUNG gibt es Eisbecher. Der 53-jährige Theatermann, der in Greifswald und Rostock aufwuchs, in Berlin Schauspiel studierte und als Darsteller hin und wieder in Fernsehfilmen zu sehen ist, ist Spiritus Rector der Müritz-Saga, die fest im Kulturkalender der Region und in MV etabliert ist. Die 14. Folge der Saga auf der Freilichtbühne – „Ratsherr, Rächer und Rebell“ – ist noch bis zum Ende der kommenden Woche auf der rund 60 Meter breiten Natur-Bühne zu sehen.

Nils Düwell Quelle: Gerlind Klemens

Zum ersten Mal spielt ein Chinese in der Müritz-Saga mit. Sind Sie froh, eine Mischung von Konfuzius und Bruce Lee auf der Bühne zu haben?

Nils Düwell: Tian Qirong ist Stuntman, Schauspieler und Action-Darsteller und ein riesiges Pfund in unserem diesjährigen Stück. In seiner Rolle fliegen ihm alle Sympathien zu: Er transportiert als Begleiter des Haupthelden ein grundfreundliches Menschenbild und sorgt gleichzeitig kämpferisch für die Knaller. Für den anderen Aha-Effekt sorgt ein bestimmtes Bühnenbild, das mechanisch aufgeklappt wird und die Bibliothek des Güstrower Schlosses zeigt. Dieses Bild sorgt für Bewunderung.

„Ratsherr, Rächer und Rebell“ – die 14. Episode der Müritz-Saga ist noch bis zum 24. August auf der Freilichtbühne in Waren (Müritz) zu sehen

Die Episoden der Saga spielen alle zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Warum?

Ich habe viel über die mecklenburgische Geschichte jener Zeit gelesen. Es gibt viele historische Schnipsel, aber keine Helden. Es gab viele verschiedene Leute hier, unterschiedliche Kulturen. Da ich keine Piratengeschichte erzählen wollte, ist der Dreißigjährige Krieg als Klammer für fiktive Begebenheiten ideal. Zudem kann man gut Schicksale erzählen, die in dieser Zeit passiert sein könnten.

Sind die Degen-Geschichten auch eine Sehnsucht nach archaischen Typen, Geschichten von schwarz und weiß, gut und böse?

Viele verkaufen ihr eigenes Tun als Heldentat – das kann man heute auch noch täglich beobachten. Der Held in der Müritz-Saga steht für bestimmte Werte – Freiheit etwa. Er greift zum Degen, um Ungerechtigkeiten zu bekämpfen, muss aber auch einsehen, dass er sich derselben Mittel bedient wie die Gegenseite. Das erzeugt einen inneren Streit. Ist das, was ich bekämpfe, nicht das, was auch ich tue?

Schauen Sie vor jeder Vorstellung in den aktuellen Wetterbericht?

Ich schaue auf keine Wetter-App mehr. Weil sie oft zu ungenau sind. Ich blicke lediglich aufs Regen-Radar kurz vor den Vorstellungen.

Das Wetter ist ja ein wesentlicher Faktor bei Freiluftveranstaltungen.

Auch unsere Besucher wissen, dass es regnen kann. Übrigens: Gäste, die mal einen Sturzregen während einer Vorstellung erlebt haben, wie die Darsteller durchnässt spielen und am Ende dem Publikum applaudieren, dass es durchgehalten hat, werden das nie vergessen.

Ist der laufende Sommer in Ordnung?

Ich mag ihn nicht zu heiß und nicht zu kalt. Im vergangenen Jahr mit dem Super-Sommer hatten wir mehr als 21 000 Besucher, in diesem sieht es ähnlich gut aus.

Das liegt vielleicht auch daran, dass kulturell in Waren und Umgebung nicht allzu viel geboten wird.

Die Besucher kommen aus ganz MV zu uns. Aber wir spüren auch, dass Urlauber der Warener Region zunehmend schauen, wo es wertige kulturelle Angebote gibt. Viele möchten nach einem Tag auf oder am See am Abend noch etwas erleben – und kommen zur Müritz-Saga.

Sie haben früher selbst Theater gespielt, standen vor der Kamera. Warum schauspielern sie so wenig selbst?

Ich bin schon zu lange Regisseur, als dass ich mich mit schlechten Regisseuren herumschlagen möchte. Aber ich stehe noch vor der Kamera. Gerade war ich bei Aufnahmen für einen ‚Tatort‘ mit Lena Odenthal alias Ulrike Folkerts. Arbeitstitel: Unter Wölfen. Ich spiele den Innenminister von Rheinland-Pfalz.

Verkörpern Sie lieber gute oder böse Rollen?

Alles, was sich reibt, hat mehr Futter, mehr Gestaltungsspielraum. Ich bin nicht der romantische Liebhaber, bin lieber Jago als Othello. Ich mag beispielsweise gestrauchelte Figuren, wie Tschechows Platonow.

Wie groß ist das Team der Müritz-Saga?

Mit den professionellen Schauspielern, Stunt-Leuten, Kleindarstellern, technischem Personal und anderen sind wir 56 Frauen und Männer im Alter von elf bis 71. Dazu kommen drei Pferde.

Schauen Sie sich bei anderen Open Airs im Land um?

Natürlich, ich war vergangene Woche mit der Familie in Grevesmühlen beim Piraten-Open-Air, zuvor in Ralswiek, wo ich selbst sieben Jahre lang mitgespielt habe.

Sie arbeiten mit Sponsoren zusammen, erhalten keine öffentlichen Gelder, investieren eigenes Geld in die Freilichtbühne, die ja der Stadt gehört. Gibt es Hilfen von der Stadt oder dem Landkreis?

Wir sind ein Baustein der Stadt, der noch mehr liebgehabt werden könnte. Wir sind ein Wirtschaftsfaktor. Wenn die Stadt die Saga mit Ausschilderungen, Werbung oder einem Shuttle-Service unterstützen würde, wäre das sozusagen ein Zeichen der Wertschätzung. Vor allem der Stadt selbst gegenüber.

Wo stehen Sie am Ende einer Vorstellung?

Am Ausgang und verabschiede unsere Zuschauer, spreche mit ihnen und erfahre, was ihnen gefallen hat.

Wo sitzen Sie, um durchzuatmen?

Hier am Hafen von Waren. Ich liebe es, an diesem Ort Kaffee zu trinken und zum Horizont zu gucken.

Hier gibt es noch Freiluft-Theater

Müritz-Saga „Ratsherr, Rächer und Rebell“

Freilichtbühne Waren (Müritz)

Richard-Wossidlo-Straße 5c

Aufführungen bis zum 24. August

Mittwoch bis Samstag 19.30 Uhr

Sonntag 17 Uhr

Tel. 0177 / 7 00 60 12

www.mueritz-saga.de

Barther Theatergarten „Die Wikinger kommen“

Trebin 35a

Aufführungen bis 30. August

Mittwoch, Freitag, Samstag 19.30 Uhr

Tel. 0 39 71 / 2 68 88 00

www.vorpommersche-landesbuehne.de

Piraten-Open-Air „Unter falscher Flagge“

Grevesmühlen

Schweriner Landstraße 15

Aufführungen bis 31. August

Dienstag bis Samstag 19.30 Uhr

Sonntag 16 Uhr

Tel. 0 38 81 / 75 66 00

www.piratenopenair.de

Darß-Festspiele „Die Heiden von Kummerow – Die Augenbinde der Justitia“

Chausseestraße 64

Born a. Darß

Aufführungen bis 30. August

Montag 17 Uhr

Mittwoch und Freitag 20 Uhr

Tel. 03 82 34/ 5 58 12

www.darss-festspiele.de

Störtebeker Festspiele „Schwur der Gerechten“

Ralswiek / Rügen

Am Bodden 100

Aufführungen bis 7. September

Montag bis Samstag 20 Uhr

Tel. 0 38 38 / 3 11 00

www.stoertebeker.de

Vineta-Festspiele „Klang des Goldes“ 

Ostseebühne Zinnowitz

Seestraße 8

Aufführungen bis 31. August

Mittwoch, Freitag und Samstag 19.30 Uhr

Tel. 0 39 71 / 2 68 88 00

www.vineta-festspiele.de

Sommertheater im Rostocker Klostergarten

verschiedene Vorstellungen bis zum 1. September

Tel. 03 81 / 2 03 60 84

www.compagnie-de-comedie.de

Schlossinse-Festspiele „Ein seltsamer Heiliger oder ein irrer Duft von Bibernell“

Hafenbühne Wolgast

Aufführungen am 17., 20. und 23. August um 19.30 Uhr

Tel. 0 39 71 / 2 68 88 00

www.vorpommersche-landesbuehne.de

„Die Peene brennt“

Hafengelände Anklam

7. bis 14. September um 19.30 Uhr – keine Vorstellung am 8. September

Tel. 0 39 71 / 2 68 88 00

www.vorpommersche-landesbuehne.de

Von Klaus Amberger

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