Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kultur Diskurs zwischen Schminktisch, Werkbank, Schreibtisch und Atelier
Nachrichten Kultur Diskurs zwischen Schminktisch, Werkbank, Schreibtisch und Atelier
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:57 11.03.2019
Debora Svensson aus Schweden vor ihrer tapetenartigen Wandgestaltung. Quelle: Werner Geske
Anzeige
Ahrenshoop

Dreidimensionales. Geformt aus steifem Papier. Überzogen mit Linien und Reihen von Wörtern. Unterbrochen von farbigen Flächen. Installiert an der Wand des Ausstellungsraumes. Kukka Pitkänen aus dem finnischen Hämeenlinna ist die Schöpferin dieser Plastiken. Sie ist eine von fünf jungen Künstlerinnen aus Finnland, Russland, Schweden und Deutschland, die sich und ihre Arbeiten im Neuen Kunsthaus präsentieren. Bei der Vernissage am Sonnabend gilt ihr die Aufmerksamkeit des Publikums im Haus am Bernhard-Seitz-Weg aus besonderem Grund. Die junge Finnin ist die erste Vertreterin ihres Landes, die sich an der Ausstellung „Junge Kunst in Nordeuropa“ beteiligt.

Mit Politik und Gesellschaft ins Gespräch kommen

Die 20. Ausstellung dieser Reihe steht unter dem Titel „Wer, wenn nicht wir“. Dieser reflektiert den generationsübergreifenden Wunsch nach mehr Toleranz, stärkerem Umweltbewusstsein und größerem persönlichen Engagement. „Dazu mit Politik und Gesellschaft ins Gespräch zu kommen, ist unsere Absicht“, betont Gerlinde Creutzburg, Direktorin des Künstlerhauses Lukas. „Dieses Forum gestalten wir aus Anlass von 25 Jahren Internationalem Stipendienprogramm im Künstlerhaus Lukas und einem Vierteljahrhundert Zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Diskurs im Neuen Kunsthaus.“ Es gehe darum, stärker als bisher Antworten auf drängende Fragen der Zeit auch mithilfe künstlerischer Mittel zu vermitteln, sagt sie. Dazu werden neben Künstlern verschiedener Genres auch Politiker, Vertreter von Umweltschutzverbänden, Hoteliers, Landwirte und Schulklassen eingeladen. Gelegenheit zu Diskussion, Streit und Lösungssuche wird bei „25 Dialoge – für Respekt und Verantwortung“ bis zum 20. Juli reichlich sein.

Schminktisch oder Werkbank

Wie anregend es da zugehen kann, davon vermittelt der Auftakt im Neuen Kunsthaus eine Vorstellung. Ein Beispiel liefert Marie Reimann, Studentin der Innenarchitektur aus Wismar mit einer preisgekrönten Video-Arbeit – deren Preis ein Arbeitsstipendium im Künstlerhaus Lukas. Ihr Thema: „Schminktisch oder Werkbank“. Der kosmetischen Verwandlung eines Frauengesichts stellt sie augenzwinkernd die handwerkliche Gestaltung eines Baukörpers gegenüber. Wimpernzange, Schere, Makeup einerseits, Trennschleifer, Spachtel, Putz andererseits.

Das Publikum ist amüsiert. Geschmunzelt wird auch über eine der Arbeiten, mit denen die Bildhauerin Rabea Dransfeld aus Greifswald aufwartet. Ihre Installation „Perlen“ verbindet weiße, perlenähnliche Gebilde und ein Gefäß, in dem Sekt perlt. Für ihre Arbeiten nutzt sie Formen und Stoffe, die in der Natur existieren. „So entstehen Gebilde aus Wachs, Papier, Gips, Ton und aus Dingen, die mir so unter die Füße kommen“, erklärt sie. Debora Svensson aus Malmö in Schweden macht mit großflächigen, tapetenartigen Wandgestaltungen auf sich aufmerksam. „Die Muster sind nicht nur dekorativ, sondern stellen in ihrer Wiederholung etwas Größeres, etwas Neues dar“, macht sie deutlich. Alexandra Korableva aus dem russischen Kaliningrad lässt nicht Formen und Bilder sprechen. Ihre Ausdrucksform ist die Musik. Wer sie an diesem Abend hören möchte, muss sich Kopfhörer aufsetzen. Eine CD mit ihren Werken aus den letzten Jahren enthält von ihr selbst gespielte elektronische Musik, die Aufnahme einer Harfen-Solistin und Stücke, in deren Interpretation sie Laien einbezog.

Hohe Resonanz für 25 Dialoge

Ortswechsel. Kunstmuseum Ahrenshoop. Eine Örtlichkeit, die durch ihre Architektur dem Kunstgenuss und Gedankenaustausch im größeren Kreise noch mehr Raum bietet. Deshalb ist das Museum auch im Rahmen der „Dialoge“ Partner für das Künstlerhaus Lukas. Die Museumsräume bilden während des festlichen Auftakts der Veranstaltungsreihe auch die Kulisse für den Vortrag der finnischen Singer-Songwriterin. Mit von ihr am Keyboard vorgetragenen Kompositionen, die an traditionelles finnisches Liedgut erinnern, und einer prägnanten Stimme begeistert sie die über 150 Gäste im Foyer. Auch der musikalische Beitrag des in Stuttgart lebenden chilenischen Komponisten und Stipendiaten des Künstlerhauses Lukas, Hector Moro, findet viel Beifall. Mit seiner Musik begleitet er in einem der Ausstellungssäle eine auf fünf Leinwänden gezeigte Videopräsentation. Sie trägt den Titel „Arrigetch“ und stammt von der in Alaska lebenden Künstlerin Sienna Shields. „Ich bin beeindruckt von den Möglichkeiten, die diese Räumlichkeiten nicht nur für die Bildende Kunst bieten“, zeigt sich Moro begeistert.

Maria Thiel (32), Studentin aus Cottbus, betreut mit einer weiteren Gastkuratorin unter Leitung von Gerlinde Creutzburg das Jubiläumsprojekt „25 Dialoge“. Sie freut sich über die positive Resonanz von Künstlern und Publikum auf den Auftakt: „Wir konnten schon zu Beginn der 25 Dialoge zeigen, welche Themen das Publikum erwarten kann. Ich bin sicher, dass die Reihe großen Zuspruch finden wird.“

Dialoge im März

Dialoge 3 bis 11 im Neuen Kunsthaus und im Künstlerhaus Lukas: 13.3.: „Umgang – Respekt – Verantwortung“ mit Debora Svensson u.a.; 16.3.: „Das Große und das Kleine oder was wir wirklich brauchen“ mit Marie Reimann u.a.; 17.3.: „Ausverkauf – Das Verschwinden identitätsstiftender Orte“ mit Judith Schalansky u.a.; 20.3.: „Weite Wege – Kurze Wege“ mit Corinna Cwielag u.a.; 23.3.: „Unser Urlaubsverhalten auf dem zeitlichen und ökologischen Prüfstand“ mit Luise von Rohden u.a.; 24. 3.: „Tag der offenen Tür“. 27. 3.: „Von Bienen und Menschen – Was müssen wir tun oder nicht?“ mit Till Backhaus u.a.; 30.3.: „Wir verpacken uns. Wann, wenn nicht jetzt – Wer, wenn nicht wir?“ mit Kukka Pitkänen u.a.; 31. 3.: „Ostseewelten. Resümee und Möglichkeiten“ mit Asima Amriko u.a..

Werner Geske

Lachen ist gesund – das wissen auch Häftlinge und Personal eines osthessischen Gefängnisses. Deshalb haben sie Ende letzten Jahres ein Witzebuch herausgebracht. Eigentlich war das Buch nur ein Projekt nebenbei, jetzt nimmt es allerdings deutlich größere Dimensionen an.

11.03.2019

Ein alter Bekannter kehrt zurück auf die Leinwand: „Alfons Zitterbacke“ (Kinostart: 11. April) lässt sich nicht unterkriegen – und trifft auf Astronaut Alexander Gerst.

11.03.2019

Ein Feind und Kriegsgefangener wird im England der Nachkriegszeit zum Fußballstar: Marcus H. Rosenmüller verkitscht die Geschichte des Torwarthelden „Trautmann“ (Kinostart am 14. Februar).

11.03.2019