Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kultur Extrabreit spielt im Rostocker Iga-Park
Nachrichten Kultur Extrabreit spielt im Rostocker Iga-Park
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:00 06.09.2019
Extrabreit: Lars Larsson (Bass), Kai Havaii (Gesang), Stefan Kleinkrieg (Gitarre), Bubi Hönig ( Gitarre / v.l.), Rolf Möller (Schlagzeug, sitzend). Quelle: Marianne Klinger / Throne Of Rock
Anzeige
Rostock

Vor mehr als 40 Jahren gründeten vier junge Männer in Hagen (Nordrhein-Westfalen) die Band Extrabreit. Berühmt wurden sie mit Hits wie „Polizisten“ und „Hurra, hurra die Schule brennt“. Nach einer längeren Pause sind die Musiker um den Sänger Kai Havaii wieder auf Tour und spielen am Samstag, 7. September, im Rostocker Iga-Park mit der Band Dritte Wahl. Die OZ sprach mit Kai Havaii übers Älterwerden, Radioverbote und Romanschreiben.

OSTSEE-ZEITUNG: Eure großen Hits hattet ihr Anfang der 1980er-Jahre. Mittlerweile sind viele eurer Fans in die Jahre gekommen. Welches Publikum besucht heute eure Konzerte?

Kai Havaii: Das geht quer durch die Generationen. Es kommen alte Fans. Aber natürlich sind auch viele Jüngere dabei. Die finden das ganz exotisch, uns alten Herren bei der ehrlichen, handgemachten Arbeit zuzusehen und dabei vor der Bühne Luftgitarre zu spielen.

Ursprünglich habt ihr euch eher in Richtung Punk orientiert, später dann der Neuen Deutschen Welle (NDW) zugewandt. Warum?

Der Neuen Deutschen Welle haben wir uns eigentlich gar nicht zugewandt – was auch immer man unter der NDW verstehen mag. Das waren sehr unterschiedliche Bands, Musikstile und Arten von Texten. Das Einzige, was uns mit diesen Bands verbunden hat, war, dass man deutsche Texte machte.

Aber der Punk hat euch durchaus inspiriert?

Ja, auch wenn wir nie als Punks mit Sicherheitsnadeln in der Wange durch die Gegend gelaufen sind. Aber ohne den Punk hätte es uns nicht gegeben. Es hat uns das nötige Selbstvertrauen gegeben, zu sagen, wir nehmen einfach die Gitarre in die Hand und versuchen es mit drei Akkorden und deutschen Alltagstexten.

In Rostock tretet ihr mit Dritte Wahl auf, die ihre Wurzeln in der Punkbewegung haben. Wie kam der gemeinsame Auftritt zustande?

Dritte Wahl war mir schon vorher ein Begriff. Ich kannte den einen oder anderen ihrer Songs, etwa „Fliegen“. Deren Management hatte bei uns angefragt, ob wir im Iga-Park als Special Guest spielen wollen. Wir waren uns schnell einig, dass wir gut zusammenpassen. Es ist ja auch eine nette Gelegenheit, die Jungs mal kennenzulernen.

Kai Havaii liest in Schwerin

„Dritte Wahl“ und „Extrabreit“ spielen am Samstag, 07. September 2019, im Rostocker IGA-Park. Karten gibt es ab 34,95 Euro unter anderem im OZ-Servicecenter und an der Abendkasse.

Kai Havaii (62), Sänger der Band „Extrabreit“, liest am 26. November 2019 bei Thalia im Schweriner Schlosspark-Center aus seinem Thriller „Rubicon“. Der Roman erscheint am 13. September 2019 im Verlag Rütten & Loening als Taschenbuch (14,99 Euro) und E-Book (9,99 Euro).

Mit „Hurra, hurra die Schule brennt“ habt ihr Anfang der 1980er-Jahre einen Hit gelandet. Im Radio, so heißt es, wurde es wegen des angeblichen Aufrufs zur Brandstiftung selten gespielt. Kann man mit solchen Texten heute noch provozieren?

Nein, da muss man wohl schon andere Kaliber auffahren (lacht). Wegen des Texts gab es zwar Anfeindungen von Eltern- und Lehrerverbänden, aber der Titel lief durchaus im Radio. Anders als unser erster Charts-Hit „Polizisten“. Der durfte im bayrischen Rundfunk nicht gespielt werden, weil der Text als Verunglimpfung von Staatsorganen bezeichnet wurde, obwohl er sonst in vielen Radio-Hitparaden war.

Heute dürfte der Titel vermutlich auch in Bayern gespielt werden.

Natürlich haben sich die Zeiten geändert. Damals hat uns die Polizei in Hagen an extra für uns errichteten Alkoholkontrollen aufgelauert. Die waren auf den Song überhaupt nicht gut zu sprechen. Heutzutage singen Polizisten den Titel bei unseren Konzerten mit und kommen dann hinter die Bühne, um Fotos mit uns zu machen.

Du hast viele eurer Songtexte geschrieben, nun erscheint am 13. September mit „Rubicon“ dein erster Krimi.

Es war immer schon mein Traum, einen richtig dicken fiktiven Roman zu schreiben. Mit dem Thriller „Rubicon“ habe ich das einfach mal gemacht. Es geht in dem Roman um einen Ex-Elitesoldaten der Bundeswehr, der in Afghanistan war. Nach seiner Rückkehr kommt er mit seinem bürgerlichen Leben nicht mehr zurecht, und als er dann ein unmoralisches Angebot bekommt, wird er Auftragskiller der italienischen Mafia, der Ndrangheta.

Elf Studioalben

Studioalben von Extrabreit:

1980: Ihre größten Erfolge

1981: Welch ein Land! – Was für Männer

1982: Rückkehr der phantastischen 5!

1984: LP der Woche

1987: Sex after 3 Years in an Submarine

1991: Wer Böses denkt, soll endlich schweigen

1993: Hotel Monopol

1996: Jeden Tag – Jede Nacht

1998: Amen

2005: Frieden

2008: Neues von Hiob

Kann man wirklich einfach mal so einen Roman schreiben? Das steckt ja eine ganze Menge Handwerk dahinter.

Das war Learning by Doing. Ich habe viel recherchiert und Interviews geführt mit Soldaten, die im Kampfeinsatz in Afghanistan waren, um herauszufinden, wie diese Erlebnisse auf jemanden wirken und ein Gefühl für den Hintergrund meiner Hauptfigur zu finden. Auch über die italienische Mafia habe ich umfangreich recherchiert. Ganz neu war mir eine solche Recherche nicht. Ich habe als Co-Autor für die TV-Dokumentationen „Terra X“ gearbeitet, etwa für die Reihe „Deutschland von oben“.

Als Band habt ihr mal eure Auflösung verkündet. Warum konntet ihr dann doch nicht aufhören?

1998 hatten wir das Gefühl, wir kommen nicht weiter. Wir haben vier Jahre Pause gemacht, dann aber doch gemerkt, wir haben noch Bock darauf. Womit wir nicht gerechnet hatten: Als wir nach der Trennung unser erstes Konzert in Hannover spielten, kamen 5000 Leute. Das war der Wahnsinn.

Ein altgedienter Musiker wie der Ex-Pink-Floyd-Frontmann Roger Waters tourt mit 75 noch immer durch die Welt. Der hat Millionen verdient. Da kann man sich auch fragen, warum setzt der sich nicht einfach zur Ruhe.

Es ist wie eine Droge, das Privileg zu haben, auf der Bühne zu stehen und Musik zu machen. Wir sind bei Extrabreit, bis auf den Bassisten, alle über 60. Aber so lange man halbwegs fit ist, macht das riesigen Spaß.

Euer letztes Album „Neues von Hiob“ ist 2008 erschienen. Wird es ein weiteres Album geben?

Ausgeschlossen ist das nicht. Aber wenn wir ein Album machen, unser Alterswerk sozusagen, sollte es auch etwas ganz Besonderes sein. In Rostock werden wir übrigens einen neuen Titel spielen. Der ist letztes Jahr entstanden und heißt „War das schon alles?“

Von Axel Meyer

Nach dem Comeback der vergangenen Monate kündigt die Kelly Family jetzt auch ein Album an - mit “ganz vielen neuen tollen Songs”.

04.11.2019

Heißer Herbst für Fans klassischer Rockmusik: Neben Neil Young, Jeff Lynne und Toto steht auch die legendäre britische Band The Who mit einem neuen Album in den Startlöchern.

05.09.2019

Am Donnerstag beginnt das „at.tension“-Festival auf dem Fusion-Gelände in Lärz (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte). In 24 Bereichen sind internationale Künstler der verschiedensten Sparten zu erleben. Erwartet werden rund 8000 Besucher.

05.09.2019