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Kultur „Die Sonnenposition“: Geschichte einer Trauerarbeit
Nachrichten Kultur „Die Sonnenposition“: Geschichte einer Trauerarbeit
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00:00 23.01.2014
Marion Poschmann. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Rostock

Die vorletzte Teilnehmerin der aktuellen LiteraTour Nord war am Dienstagabend Marion Poschmann. Die in Berlin lebende Schriftstellerin stellte in der anderen Buchhandlung ihren Roman „Die Sonnenposition“ vor. Das Buch hatte im letzten Herbst übrigens auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis gestanden.

Es ist ein Blick zurück in die frühen 1990er Jahre. Im Mittelpunkt der Handlung steht der nicht mehr ganz so junge Arzt Alfried, den es beruflich nach der Wende in den gerade zur Bundesrepublik dazugekommenen Osten geführt hat. Alfried arbeitet als Therapeut im heruntergekommenen „Ostschloss“ in der Nähe von Berlin. Das ist ein langsam zerbröckelndes Barockschloss, in dem nach der Wende eine Psychiatrische Klinik eingerichtet wurde; das Gebäude hat den „Charme eines Spukschlosses“. Und Alfried fragt sich manchmal auch, wo denn der Unterschied von Arzt und Patient ist, wo genau die Trennlinie verläuft.

Neben der täglichen Arbeit als Therapeut führt der Protagonist ein recht unstetes und einsames Leben. Zudem muss er den Unfalltod eines Freundes verarbeiten, ein Thema, das in den Mittelpunkt Romans rückt: die nur langsam fortschreitende Trauerarbeit. Eine scheinbar nebensächliche Marotte des Protagonisten wird dabei symbolhaft eingebunden. Ein Hobby von Alfried ist das Nachjagen von sogenannten „Erlkönigen“. Das sind die Prototypen der Automobilindustrie, die getarnt auf den Straßen unterwegs sind. Der Versuch, sie zu fotografieren, wird eine fast sinnlose Angelegenheit. Der Titel des Romans wurde übrigens der psychotherapeutischen Arbeit entnommen. Bei Marion Poschmann wird die Sonnenposition „jene Perspektive, aus der Erkenntnis möglich wird“. Dies mündete bei der Arbeit am Roman in eine „kreisende Erzählungshaltung“, so die Autorin, „und zwar um den Tod und das Abwesende“. Der Ansatz war dabei, „das Unfassbare mit der Sprache einzufangen“, erläuterte Marion Poschmann.

Die Autorin las auch zwei bedrückende Fallgeschichten aus der psychiatrischen Arbeit, die sie in die Handlung eingebettet hat. „Wann beginnt das Abweichen von der Normalität, wo ist der Punkt, an dem das Verhalten nicht mehr normal ist?“, hatte sich die Schriftstellerin gefragt.

Interessant wird „Die Sonnenposition“ auch dadurch, dass darin fast vergessene Aspekte der deutschen Wiedervereinigung beleuchtet werden. So zum Beispiel die therapeutische Arbeit mit den „Wendeopfern“, also jenen, die den Umbruch damals psychisch nicht verkraftet hatten. Auch diese Details machen das Buch von Marion Poschmann so vielschichtig. Letzter Termin in der LiteraTour Nord: Thomas Glavinic, 4. Februar, 20 Uhr, Peter-Weiss-Haus.



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