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Kultur Die Venus aus dem Trockeneisnebel
Nachrichten Kultur Die Venus aus dem Trockeneisnebel
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00:00 26.01.2018
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Hamburg

. Die letzten zehn Minuten laufen rückwärts. Auf dem großen Bühnenvorhang verrinnt die Zeit, selbst die Hundertstelsekunden sind wichtig. Es ist ein Countdown, es ist ein wenig wie in Cape Canaveral. Und dann, kurz vor neun Uhr abends in der Barclaycard-Arena: Liftoff! Lady Gaga war in der Stadt.

Eigentlich hatte sie das schon fürs vergangene Jahr geplant, aber da kam eine Krankheit dazwischen. Sie nahm eine Auszeit, ein paar Wochen, um zu sich selbst zu finden. Das hat sie offenbar gut hinbekommen, denn die zwei Stunden in der ausverkauften Halle waren von besonderer Art. Lady Gaga, das ist Madonna für die Generation Selfie, für den Easy-Jetset.

Sie spielt in dieser Google- und Apple-Liga, sie gehört zu den Putins und Trumps dieser Erde. Man kennt ihren Namen in den Chefetagen der Wallstreet und in den Slums von Nairobi. Vor allem aber ist sie ein Popstatement, geschätzte 1,55 Meter energische Selbstverständlichkeit. Und sie hält sich in Hamburg nicht lange damit auf, das auch deutlich zu machen.

Sie hat eine großartige Band dabei, zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug, der Keyboarder steht in einem kreisrunden Instrument. Die Musiker haben einen Hang zu erstaunlich harter Rockmusik und liefern einen ebenso präzisen wie rigorosen Beat, dem an langen Diskussionen nicht gelegen ist. Die Bühne dahinter sieht aus wie das etwas zu groß geratene Pillenregal von Damien Hirst, aber dieses hier flackert wild und bunt. Und vorne auf einem Podest steht eine kleine blonde Frau mit einer Gitarre, eine im Trockeneisnebel geborene Venus in knappen schwarzen Sachen und sieht, dass es gut ist.

Die ersten beiden Songs folgen dicht aufeinander, dann hält sie inne und singt sehr für sich: „Willkommen, bienvenue, welcome“. Es ist die Begrüßung zum Gaga-Cabaret, eine Einladung in die Welt der Stefani Joanne Angelina Germanotta, 31 Jahre alt. Sie ruft „Okay Germany, come on!“, und da merkt man, dass es hier nicht um Städte geht, sondern um Länder, um Kontinente. Die Lady ist eine globale Marke und das Gaga-Land eher nicht an Grenzen gewöhnt.

Sie spielt all ihre Hits, von „Paparazzi“ bis „Poker Face“, von „Telephone“ und „Just Dance“ bis „Bad Romance“. Es ist eine Reise durch die Karriere in zwei Dutzend Songs, ein Abschreiten der Phasen vom Tanzflächenfieber bis zu den Countryklängen ihres letzten Albums „Joanne“.

Umwirbelt wird sie dabei von Tänzerinnen und Tänzern, es laufen Filme, das Licht ist eine präzise Choreografie, die Bühne wird von geheimen Hydraulikmächten zur schiefen Ebene. Und im Zentrum dieses pochenden Spektakels steht Lady Gaga, die mal Lady Dada ist und mal Madame Butterfly, je nachdem, was als Nächstes am Garderobenhaken hängt.

Und sie ist auch eine Mutter Courage, eine bisexuelle Frau im Befreiungskampf. Sie wird verehrt von vielen aus der schwulen, lesbischen und überhaupt sexuell anders orientierten Gemeinde. Sie ist eben „born this way“, so heißt einer ihrer Songs, und sie weiß nicht, warum das ein Problem sein sollte.

Im Innenraum der Arena stehen drei Podeste zwischen den Zuschauern, und man fragt sich, wie die Lady da wohl hinkommen will von der Bühne. Ein frappierender Laufsteg windet sich durch die Menge, an dessen Ende ein Klavier steht – für die ruhigen Momente in dieser Show. Irgendwann steht sie darauf, irgendwann liegt sie darauf, wie im Kino. Dann taucht sie ab und ist verschwunden.

Weitere Termine von Lady Gaga:

13. Februar in der Lanxess Arena in Köln; 23. Februar in der MercedesBenz-Arena in Berlin

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