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Kultur AfD will nicht auf die Berlinale
Nachrichten Kultur AfD will nicht auf die Berlinale
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11:06 30.01.2019
Zum letzten Mal bestritt Festivaldirektor Dieter Kosslick am Dienstag die Pressekonferenz zum Programm der 69. Berlinale. Quelle: Jörg Carstensen/dpa
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Berlin

Berlinale-Direktor Dieter Kosslick hat noch kurzfristig einen Film ins Programm genommen – und dazu AfD-Politiker eingeladen. Er habe sich entschieden, den Dokumentarfilm „Das Geheimarchiv im Warschauer Ghetto“ von Roberta Grossman am 10. Februar zu zeigen, sagte Kosslick. „Alle AfD-Mitglieder, alle Abgeordneten im Bundestag der AfD, werden kostenlos ins Kino dürfen. Von mir persönlich eingeladen. Ich bezahle jedes Ticket.“ Er hoffe, dass möglichst viele den Film sehen werden. „Und wenn sie dann noch sagen, das ist ein Fliegenschiss, dann muss ich sagen, sollte vielleicht jemand anderes einschreiten als die Filmemacher.“

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Die AfD-Bundestagsfraktion wies Kosslicks Angebot empört zurück: „Das ist eine Frechheit und eine anmaßende Geste, AfDler so darzustellen, als bräuchten sie Nachhilfeunterricht und dabei auch noch Großzügigkeit zu heucheln“, sagte Pressesprecher Christian Lüth dem RND. Die Berliner AfD-Jugend hingegen kündigte an, zur Premiere „zahlreich erscheinen“ zu wollen.

Kosslick reagiert auf Vorfall im bayerischen Landtag

Der Film schildert die Geschichte des 1941 gegründeten Untergrund-Archivs im Warschauer Ghetto. Es sollte dokumentieren, wie die Juden im Ghetto lebten und wie sie ermordet wurden.

Die Berlinale zeigt vom 7. bis 17. Februar rund 400 Filme. Das Programm sei eigentlich schon geschlossen gewesen, sagte Kosslick. Dass die Berlinale den Film noch zeigt, begründete er auch mit dem AfD-Eklat vor wenigen Tagen im bayerischen Landtag bei einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus: Abgeordnete der rechtspopulistischen Partei verließen demonstrativ den Plenarsaal, nachdem die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, Charlotte Knobloch, gesagt hatte, die AfD stehe „nicht nur für mich nicht auf dem Boden unserer demokratischen Verfassung“.

Von RND/ jps/ dpa