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Das Ensemble des Volkstheaters in der Halle 207. Quelle: Dorit Gätjen
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Rostock

Unterhaltung wie im Jahr 1883: Damals hatte dieses Stück in Berlin Premiere. In Wien klappte es nicht gleich, weil die Ehefrau von Johann Strauss eine Affäre mit Maximilian Steiner hatte, der damals Direktor am Theater an der Wien war. Wie man sehen kann, lagen die damalige Realität und dieser Theaterstoff gar nicht so weit auseinander. Auch „Eine Nacht in Venedig“ lebt von vielen erotischen Spannungen, die hier in den Karnevalsreigen eingebettet wurden.

Es gab also eine Zeit, da gehörte Venedig zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, in dieser Zeit hat Johann Strauss den Stoff angesiedelt. Im Mittelpunkt des Liebesreigens steht der Herzog Guido von Urbino (James J. Kee), der seine Machtposition für allerlei erotische Abenteuer nutzt. Viele Männer bringen ihre Frauen vor dem Herzog lieber in Sicherheit, auch Senator Bartolomeo Delacqua (Harry Tchor). Doch der Herzog von Urbino hat auch eine Gegenleistung zu bieten: Eine hochdotierte Verwaltungsstelle ist gerade frei geworden, die die Begehrlichkeiten bei den Senatoren weckt. Die Lösung: Delacqua will eine andere Frau als Köder offerieren. Diese Verwirrung setzt sich fort, als Gondoliere Caramello (Václav Vallon) aber den Plan verfolgt, die Senatorengattin Barbara Delacqua (Isabel Seebacher) dennoch zum Herzog zu bringen. Doch auch hier werden die Rollen getauscht: Es ist Annina (Judith Österreicher), die nun den Herzog treffen will. Und auch ein Schwarm von Senatorengattinnen will sich den lüsternen Herzog mal aus der Nähe anschauen und bei dieser Gelegenheit um die vakanten Posten buhlen, den der Herrscher zu vergeben hat. Die Lage kompliziert sich weiter, als der Senator Delacqua eine andere Dame mitbringt, die er als seine Gattin ausgibt, nämlich Cibuletta (Migena Gjata). Aber auch die hat anderes mit dem Herzog vor. Derweil setzt Senatorengattin Barbara eine Affäre mit ihrem Neffen Enrico (Lev Semenov) fort, ohne dass es ihr Mann erfährt.

Zu kompliziert? Es ist schon ein recht unübersichtliches Szenario, dass uns hier vorgesetzt wird, inszeniert hat in Rostock Isabella Gregor. Die recht nüchterne Halle 207 in Rostock wurde mit bunten Kostümen, einem aufwendigen Bühnenbild und viel Licht in ein festlich-buntes Venedig verwandelt. Dieses Zusammenspiel ist zuweilen wirklich eine Augenweide, natürlich sind es die Leistungen der Darstellenden, die Leben hineinbringen, auch immer wieder mit kleinen Überraschungen. Dabei wirken die Solisten mit dem Opernchor, der Tanzcompagnie und der Norddeutschen Philharmonie zusammen. Die Operette bietet eine Reihe von Ohrwürmern, die zur Aufführung gebracht werden, so wieder der „Lagunen-Walzer“.

Jede der Figuren verfolgt hier eigene Pläne, die oft mit der eigenen Lustgewinnung dienen, manchmal geht es um Macht oder Geld. Es ist eigentlich wie heute. Aber die Operette ist als Kunstform ist inzwischen eine nostalgische Angelegenheit. In dieser Inszenierung wurde der Stoff sanft ein bisschen näher an unsere Gegenwart herangerückt. „Eine Nacht in Venedig“ fiel übrigens vor 136 Jahren bei der Premiere beim Berliner Publikum durch, das Stück hatte in Wien eine Woche später großen Erfolg. Zu frivol für die Deutschen? Am Ende erfährt der Herzog, dass ihm ein Fischermädchen als Frau des Senators offeriert wurde. Aber da ist schon alles egal. Der Karneval geht weiter. Auch in Rostock, denn mit dieser Operette beginnt der Rostocker Volkstheatersommer. Und wie sagte Intendant Joachim Kümmritz nach der Vorstellung: „Rostocks Canal Grande heißt Warnow.“

Thorsten Czarkowski

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