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00:00 12.02.2015
Der Stralsunder Maler Eckhard Buchholz vor dem Porträt seines Lehrers Tom Beyer. Quelle: Ines Engelbrecht
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Stralsund

Es ist eine Hommage an den Stralsunder Maler Tom Beyer (17. Mai 1907 bis 9. September 1981). Gemalt wurde sie von seinem einstigen Schüler Eckhard Buchholz gebracht. Das großformatige Ölporträt zeigt Beyer in einer typischen Situation in seinem Atelier am Frankendamm: Er steht im Malerkittel seitlich vor der Staffelei mit Farbtube und seinem Lieblingsmalgerät, dem Spachtel. Ins Bild gerückt hat Buchholz auch zwei bekannte Arbeiten seines Lehrmeisters.

„Ich habe beim Malen des Bildes gefühlt — ja, das ist er“, berichtet der Stralsunder. „So, wie ich ihn kannte, in den vier Jahren, die ich mit ihm im Atelier und bei Außenmalereien verbrachte. Er hatte oft diesen prüfenden Blick, mit dem ich ihn dargestellt habe. Viele Porträts bekannter Persönlichkeiten, die für eine eigene Ausstellung reichen würden, hat Eckhard Buchholz schon gemalt. Aber dieses bereitete ihm am meisten Freude.

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Die Idee dazu trug er schon viele Jahre mit sich herum. Im vergangenen Jahr hat er sie nun umgesetzt. Es hat eine Weile gedauert, bis das Bildergebnis für ihn perfekt war, es das aussagt, was er wollte.

Auf einer 80-mal 105 Zentimeter großen Hartfaserplatte schaut Tom Beyer dem Betrachter mit seinem typischen Augen-Blick an. Die Farben des Gemäldes sind in gebrochenem Komplementärkontrast meist gegenstandsgebunden eingesetzt. Geschaffen wurde es für Ausstellungszwecke, da es keine Auftragsarbeit war. Als Vorlage dienten Buchholz Fotos und eigenes Wissen.

Noch gut erinnert er sich an das erste Zusammentreffen mit Tom Beyer bei einem Bilderrahmer in der Mühlenstraße, wo er drei, von sich gemalte Landschaften rahmen lasen wollte. „Tom Beyer kam herein und fragte, wer das gemalt hätte. Der Handwerker zeigte auf mich, der ich etwas abseits stand. Darauf sagte Beyer, dass eine Fotografie das besser mache und ich sofort zu ihm in sein Atelier kommen solle“, berichtet der einzige Schüler von Tom Beyer und schmunzelt dabei.

Es folgten regelmäßige Malstunden im Atelier über den Sundlichtspielen. Buchholz lernte figürliches Zeichnen, bekam etwas über Inhalt, Ausdruck und Form eines Bildes beigebracht. Kam weg von seinem feinen Pinselstrich. Gemeinsam stellten sie ihre Staffeleien am Wasser auf, malten Hafenszenen, Fischer, Kutter, die Hafenstadt Stralsund mit ihren Kirchtürmen. „Wenn du keinen Block und Stift dabei hast, musst du dir im Geiste das Motiv einprägen“, habe Beyer ihm erklärt. Dafür ist ihm Buchholz bis heute dankbar. Er glich sich zeichnerisch seinem Lehrmeister an, der sehr pastös die Ölfarbe auftrug.

Jo Jastram sagte einmal über Beyer, dass bei ihm die große Pranke, also der breite Pinsel tobte, eine vitale Farbkraft seinen Bildern das schwere Leuchten gab. Heute noch spiegelt jedes Buchholzsche Bild die Handschrift seines einstigen Lehrers wider. Dieser äußerte mal zu Lebzeiten: „Der braucht nur noch mit meinem Namen zu signieren.“

„Beim Malen bin ich in Gedanken immer bei Tom Beyer — und er bei mir. Ich erinnere mich an seine kraftvollen Hände, seine große schlanke Gestalt, seine hohe Stirn, seinen Baß in der Stimme und seine Kommunikationslust mit den Menschen“, erzählt Eckhard Buchholz. Er wurde durch Beyer in seiner Malweise stark maritim geprägt und bevorzugt ebenfalls die pommersche Landschaft mit ihren Hafenmotiven, Zeesenbooten, Kuttern und Menschen.

Über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurden die Historiengemälde von Eckard Buchholz. Damit hebt er sich von den Motiven Tom Beyers ab. Im Schloss der Pommerschen Herzöge in Stettin zeigte Buchholz neben maritimen Arbeiten den 17-teiligen Wikingerzyklus, der ebenfalls in den USA, im Runestone-Museum in Alexandria (Bundesstaat Minessota) zu sehen war. Mönche auf Hiddensee oder Luther auf der Wartburg sind nur einige Ölgemälde, die der einzige Historienmaler unserer Region vorzeigen kann.

Auf vielen Bildern improvisiert der Künstler. Da nimmt er sich die Freiheit, zwei Bauern vors Schilfdachhaus zu stellen, das dann direkt vor Boddenwasser gesetzt wurde. Das Improvisieren kennt der Stralsunder Künstler aus der Zeit als Musiker der Band „Hurrikans“.

Vier Jahre besuchte er in Berlin-Weißensee die Hochschule für Grafik und Gestaltung, wo Tom Beyer 1972 nebenamtlich eine Professur innehatte. Außerdem hörte er vier Jahre lang Vorlesungen in Kunstgeschichte an der Universität Greifswald. Wie Malerlehrer Beyer leitet auch Buchholz seit nunmehr zehn Jahren eine Malgruppe. Er gründete den Pommerschen Künstlerbund auf heimischen Boden neu, deren Vizevorsitz er 14 Jahre lang inne hatte.

Bedauerlich findet der Stralsunder Künstler, dass die Weltkulturerbestadt keinen Kultursenator mehr hat.

Buchholz bereitet sich derzeit auf eine Ausstellung im Wasserschloss Reinharz in Bad Schmiedeberg an der Elbe vor.

In Münster geboren
Tom Beyer wurde 1907 in Münster in Westfalen geboren. In seiner Heimatstadt besuchte er ab 1924 die Werkkunstschule und anschließend bis 1926 die Kunstgewerbeschule Düsseldorf.



Studienreisen durch Europa führten ihn 1927 unter anderem nach Schweden, wo in Landskrona bei Prof. Nordlind seine Haltung zur Landschaft des Nordens entscheiden geprägt wurde.
Weitere Stationen der Studienreisen zwischen 1927 und 1931 waren Paris, Dänemark und Finnland.


Nach Berlin zog er 1931, wo er im selben Jahr ein Atelier eröffnete und der KPD beitrat. 1935 bereiste er die Insel Rügen, wo er sich in Göhren niederließ.


Wie viele andere Künstler war auch Tom Beyer vom Ausstellungsverbot der Nationalsozialisten betroffen. Von 1939 bis 1945 nahm Beyer als Soldat am Zweiten Weltkrieg teil.


Nach dem Krieg lebte Tom Beyer bis 1952 in Göhren. Er eröffnete und leitete eine Kunstschule (Landeskunstschule Mecklenburg-Vorpommern) im Putbusser Schloss. 1950 wurde er Landesvorsitzender des Verbandes Bildender Künstler.


Nach Stralsund zog er 1952 und betreute auf der Volkswerft Volkskunstgruppen und hielt Vorträge.


Als Mitglied der SED hielt Tom Beyer auch den sozialistischen Aufbau in seinen Werken fest.


Für den „Löwenschen Saal“ im Rathaus Stralsund schuf er ein großes Wandgemälde. Zumeist widmete er sich den Menschen und der Natur seiner Wahlheimat. Ab 1972 war er nebenamtlich als Professor an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee tätig.


Tom Beyer starb 1981 in Stralsund. In Göhren trägt eine Regionale Schule seinen Namen.



Ines Engelbrecht