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00:00 21.04.2015
Markus Voigt, Jan Bernhardt und Claudia Lüftenegger (v. l.) in der Inszenierung „Meier Müller Schulz“.
Markus Voigt, Jan Bernhardt und Claudia Lüftenegger (v. l.) in der Inszenierung „Meier Müller Schulz“. Quelle: Theater Vorpommern
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Stralsund

Fast jeder Fünfte lebt in Deutschland allein. Damit stehen wir europaweit gleich hinter Schweden an der Spitze. Aber was, wenn jemand nicht nur allein lebt, sondern sich auch allein fühlt? Wenn er einsam ist?

So wie Herr Meier in dem Stück „Meier Müller Schulz oder Nie wieder einsam!“, das am Sonntag um 18 Uhr im Gustav-Adolf-Saal Premiere feiert. Herrn Meier (Markus Voigt) behagt sein Singledasein ganz und gar nicht. Weil jedoch freiwillig scheinbar niemand mit ihm die Einraumwohnung teilen möchte, besorgt sich Herr Meier erst eine Pistole und dann eine Geisel — Herrn Schulz (Jan Bernhardt).

Der soll ihm im Alltag Gesellschaft leisten. Dann klingelt Frau Müller, sie hat einen Kuchen für den neuen Nachbarn gebacken. Sie wundert sich über Herrn Schulz: Warum hat er eine Decke über dem Kopf und steht in der Ecke wie eine Stehlampe? Und erst die Handschellen, da kann man ja nicht einmal richtig guten Tag sagen. Aber Frau Müller ist tolerant: Sie weiß, dass Selbstfindung schwer ist...

Marc Becker thematisiert in seiner Geiselfarce die Einsamkeit in der Massengesellschaft. Und das auf absurd-komische Weise. „Marc Becker hat eine unglaubliche Gabe, ernste Themen komisch anzupacken“, sagt Dramaturg Sascha Löschner. „Dabei spielt er damit, dass eine Farce immer von Übertreibung und Überspitzung lebt.“

Und so macht der absurde Gedanke, sich eine Geisel zu nehmen, um der Einsamkeit zu entfliehen, in dem Stück Schule. „Das Spannende ist jedoch, dass die Absurdität nachvollziehbar ist. Die Figuren sind durchaus sympathisch“, erklärt Regisseurin Sonja Weichand. „Etwa, wenn Meier seiner Geisel Schulz Käsebrote macht, weil er Schulz eher als einen Gast sieht. Aber irgendwie funktioniert das alles nicht so, wie Meier sich das eigentlich dachte.“

Meier hat sich über die Jahre seine ganz eigene Welt geschaffen. „Das soll sich auch im Bühnenbild widerspiegeln“, sagt Sonja Weichand. Die Protagonisten versuchen stets aus ihrer Einsamkeit auszubrechen und scheitern doch immer wieder an den Grenzen ihrer eigenen kleinen Welt.

Besonders schön war es für die 30-jährige Regisseurin, mit dem „Komödien-Dreamteam“ des Theaters zusammen zu arbeiten. „Die drei sind nicht nur tolle Komödienschauspieler, sondern sie sprudeln auch immer vor Ideen“, sagt Sonja Weichand. Denn auch, wenn man es einer Komödie oft nicht ansieht, die Proben können sehr anstrengend sein. Aber wenn man dann erst das Ergebnis sieht, ist das ein schönes Gefühl.“

Von dem Ergebnis können sich die Zuschauer nun selbst überzeugen. Einige überraschende Wendungen und Denkanschübe inklusive.

Eine Geiselfarce
Das Stück „Meier Müller Schulz oder Nie weider einsam!“ feiert in Stralsund am Sonntag um 18 Uhr im Gustav-Adolf-Saal Premiere.
Die Premiere für Greifswald ist am 7. Mai um 20 Uhr im Rubenowsaal geplant.
Weitere Termine in Stralsund: 2., 24. Mai, jeweils 20 Uhr; in Greifswald: 14. Mai um 20 Uhr und 31. Mai um 18 Uhr.
• www.theater-vorpommern.de



Miriam Weber