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Fernsehen „Andere Eltern“ auf TNT: Eine Oase des Scheiterns
Nachrichten Kultur Fernsehen „Andere Eltern“ auf TNT: Eine Oase des Scheiterns
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06:08 19.03.2019
Da hängt nicht nur der Haussegen schief: Nina (Lavinia Wilson, Mitte) will mit Gleichgesinnten eine Kita gründen. Doch so wirklich gleichgesinnt sind die lieben Eltern nicht. Quelle: Foto: TNT
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Köln

Der Titel ist eine Antwort: Was ist das Schlimmste, wenn man Kinder hat? Die anderen Eltern. Diese Erkenntnis ist der Einstieg in eine siebenteilige Reihe, die wie eine Dokumentation aussieht, tatsächlich jedoch das Ergebnis einer jederzeit überzeugenden Improvisation darstellt.

Der Handlungsrahmen ist alltäglich: Weil Yoga-Lehrerin Nina (Lavinia Wilson) keinen Kita-Platz für ihr zweites Kind bekommt, beschließt sie, mit Gleichgesinnten in Köln-Nippes eine eigene Einrichtung zu eröffnen. Räumlichkeiten sind bald gefunden. Aber dann zeigt sich, dass es gar nicht so einfach ist, die unterschiedlichen Vorstellungen der Beteiligten unter einen Hut zu bringen, zumal einige noch nicht mal Eltern sind. Der schwule Schauspieler Malte (Daniel Zillmann) zum Beispiel ist noch auf der Suche nach einer (Leih-)Mutter für seine Kinder.

„Andere Eltern“: Eine durchweg ironische Haltung

Das Ehepaar Lars und Anita (Sebastian Schwarz, Nadja Becker), er Anwalt, sie Lehrerin, hat sich zwar bereits gefunden, scheitert aber schon seit geraumer Zeit an dem Versuch, sich fortzupflanzen. Ebenfalls aus dem Rahmen fällt Musikproduzentin Nike (Henny Reents), Maltes Schwester, und das nicht nur als Raucherin; ihre Neigung zu pragmatischen Lösungen deckt sich nur bedingt mit der ganzheitlichen Philosophie von Nina. Zu TV-Ehren kommt die Initiative, weil Ninas Mutter Ini (Johanna Gastdorf) Filmemacherin ist. Sie will dem Phänomen der Helikoptereltern auf den Grund gehen und erscheint genau zur richtigen Zeit, um die Gründungsphase zu dokumentieren.

Die ironische Haltung von „Andere Eltern“, eine Produktion für TNT Comedy von Lutz Heineking jr., gilt nicht der Machart, denn die wirkt wie eine Dokusoap, die mit Mitteln des Dokumentarfilms arbeitet. Dazu passt auch der gelegentlich süffisante Kommentar, wenn sich Mutter Ini unter anderem fragt, wie Köln heute wohl aussähe, wenn die Trümmerfrauen von gleichem Schlag gewesen wären wie ihre Tochter.

Bioessen oder McDonald’s?

Im Grunde geht es in „Andere Eltern“ um die Zerrissenheit des modernen Individuums; und das gilt nicht für den Zwiespalt zwischen einem Bekenntnis zum ganzheitlichen Leben und der Lust auf ein deftiges McDonald’s-Menü. Ähnlich realitätsnah sind die Charaktere. Der satirische Effekt entsteht durch die Ballung dieser Figuren, die es auch im wahren Leben gibt: Nina will zwar nur das Beste für die Kita, macht ihre eigenen Maßstäbe jedoch gern zum kategorischen Imperativ und entwickelt auf diese Weise sehr unsympathische autokratische Züge. Björn (Serkan Kaya) ist Hausmann und ständig im Rechtfertigungsmodus, damit sein Dasein nicht als verkappte Arbeitslosigkeit erscheint.

Die meisten Reibungspunkte setzt jedoch Lars, der in diesem Rahmen noch am ehesten komödiantisch wirkt und dank Sebastian Schwarz’ pointierten Spiels neben Nina zur interessantesten Figur wird: weil sich hinter seinem gönnerhaften Auftreten reaktionäre Abgründe auftun. Der Mann hat nicht nur ein überholtes Rollenverständnis, er ist auch xenophob und homophob, allerdings auf eine Weise, die harmlos klingen soll, weil er seine Einstellungen gern als witzig gemeinte Bemerkungen verpackt. Auf diese Weise entlarven Heineking und seine Mitstreiter Rassismus und Ignoranz.

Sollten sich die Mitwirkenden das alles spontan ausgedacht haben, was sie da zum Besten geben, gebührt ihnen doppelter Respekt. Die zermürbenden Stuhlkreiserlebnisse wiederum werden sie womöglich aus eigener Erfahrung kennen: Die Gespräche sind genauso zäh und fruchtlos wie viele Elternabende.

Von Tilmann P. Gangloff/RND

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