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Fernsehen Wirtschaftskomödie „Big Manni“ – Von Investoren, Investitionen und Inkompetenz
Nachrichten Kultur Fernsehen Wirtschaftskomödie „Big Manni“ – Von Investoren, Investitionen und Inkompetenz
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12:00 29.04.2019
Das ganz große Ding: Alle glauben an Manfred „Big Manni“ Schmider (Hans-Jochen Wagner) und seine Bohrer. Quelle: foto: SWR - Das Erste/SWR/Benoît Lind
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Baden-Baden

Dialekte sind Kommunikationswunder. Ganz gleich ob in Alltag oder Fernsehfiktion: Mit ein paar Brocken Bairisch, Sächsisch, Kölsch erzeugen sie Distanz und Nähe, wirken auf Protagonisten wie Publikum also zugleich abweisend und gastfreundlich. Da – nur so ein Beispiel – das Schwäbische zwar gemütlich nach Ländle klingt, aber Tunichtguten die eigene Tüchtigkeit vor den Latz knallt, fühlen sich Außenstehende vom Südwest-Idiom ebenso eingeschüchtert wie angezogen. Selbst, wenn‘s eigentlich Badisch isch.

Eine Gesellschaftsgroteske – schön anzusehen und anzuhören

Das nämlich spricht der einnehmende Milliardenbetrüger Manfred Schmider, als ihn die ARD heute Abend nach dem Mittwochsfilm „Big Manni“ für ein Porträt in seiner Heimat besucht, um mit dem Karlsruher eingehend über den vielleicht größten Wirtschaftsskandal der Nachwendezeit zu reden. Wuchtig verkörpert vom sprachverwandten Tübinger Hans-Jochen Wagner, spricht „Big Manni“ im gleichnamigen Biopic wie alle Badenser ein hybrides Schwadisch. Merkwürdig. Aber am Ende auch egal.

Mal abgesehen vom dialektischen Durcheinander ist Niki Steins Gesellschaftsgroteske nämlich nicht nur schön anzusehen, sondern auch anzuhören – was besonders an dieser filmreifen Story real existierenden Größenwahns liegt.

Auf der Suche nach Wegen aus einer Firmenkrise trifft der mäßig erfolgreiche Fassadenfarbhändler Manfred Brenner alias Schmider alias Wagner Anfang auf den Erfinder Armin Pfortner (Jürgen Hartmann), der ähnlich erfolglos versucht, Investoren für seine innovativen Horizontalbohrer zu finden, mit denen sich Erdleitungen ohne Grabungsarbeiten verlegen ließen. Obwohl die Technik noch völlig unausgereift ist, eine Serienproduktion also in weiter Ferne, stellt die Firma FlowTex auf dem Papier Tausende der teuren Anlagen her und erhält dafür Kredit in beliebiger Höhe.

Alle wollen nur zu gern an den Erfolg von Big Manni glauben

Ein alter Jugendfeind im Polizeidienst (Felix Eitner) kommt dem falschen Heilsbringer zwar auf die Schliche. Politik und Banken, Staat und Justiz, Medien und High Society allerdings glauben ihm bereitwillig. Besser: wollen ihm glauben. Immerhin verspricht Big Manni, wie er bald nur genannt wird, neben Jobs und Steuern auch Ruhm und Glamour bis hin zum überdimensionierten Regionalflughafen Baden-Baden. „Die Leude glaubet ned, was sie sehet, sie sehet, was sie glaubet“, schwadelt er alle Zweifel weg.

Dummerweise merkt Manni mit jeder Filmminute weniger, wie sehr er damit von sich selber spricht. Das erste Opfer von Brenners Blendwerk ist schließlich Brenner, ein megalomaner Scheinriese mit Megabauch, Megachuzpe, Megacharme, der sich mit Megaautos, Megavillen, Megapartys Ansehen erkauft. Dass er trotzdem selten zur Knallcharge wird, liegt am Ensemble um Hans-Jochen Wagner. Mit 50 so alt wie seine Figur Ende der Neunziger, spielt er sie an Originalschauplätzen in Originalkulissen mit einer Breitbeinigkeit, die den Kaufmannssohn aber nie persifliert.

Der Mensch lässt sich lieber blenden als belehren

Schließlich war es weniger sein badisches Naturell, das all die Wolkenkuckucksheime um FlowTex herum höher werden ließ, sondern ein politisch-wirtschaftlicher Komplex aus Nepotismus, Korruption, Geltungssucht in einer Zeit, als Pelze noch dicker waren und Computer riesig. Im Glanz eines Mannes, der – so zeigen es Rückblenden – seine Kindheit als dicker Außenseiter kompensiert, wimmelt es daher von blasierten Bankern, bestechlichen Beamten, aasigen Politikern. Und sie werden von Ferdinand Grözinger, Natalia Belitski, Robert Schupp mit einer betriebsblinden Euphorie gespeist, die nach Aufnahme von 137 Ermittlungsverfahren im neuen Jahrtausend zu einer Reihe weiterer Spekulationsblasen geführt hat. Leider lässt sich der Mensch lieber blenden als belehren. Big Mannis habet immer Konjunktur.

Von Jan Freitag/RND

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