Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kultur Fotos ohne Selfie-Stick: Das sind die Kandidaten für den Rostocker Kunstpreis
Nachrichten Kultur Fotos ohne Selfie-Stick: Das sind die Kandidaten für den Rostocker Kunstpreis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:02 08.11.2019
Carina Linge lebt und arbeitet in Leipzig. Im Hintergrund eine Arbeit, die stark an Leonardo da Vincis „Dame mit dem Hermelin“ angelehnt ist. Quelle: Carina Linge
Anzeige
Rostock

Kann Fotografie im Zeitalter des Selfie Stick noch preiswürdig sein? Unbedingt! Das zeigt die Auswahl der fünf nominierten Künstler für den Rostocker Kunstpreis. Diese Arbeiten, die ab Sonntag in der Rostocker Kunsthalle zu sehen sein werden, befinden sich jenseits der Facebook-Bilderflut-Liga. Darunter finden sich fotografische Selbstinszenierungen, Landschaften, die wie naturalistische Gemälde anmuten oder Dokumentationen in Schwarz-Weiß.

Zum 14. Mal vergibt der Verein der Freunde und Förderer der Kulturstiftung Rostock den Rostocker Kunstpreis. Erst zum dritten Mal wird der Preis im Bereich Fotografie verliehen. Aus 67 Bewerbern hat eine Jury fünf Kandidaten ausgewählt. Am 30. November wird der Preisträger verkündet. Das Preisgeld in Höhe von 10 000 Euro wird von der Provinzial-Versicherung bereitgestellt.

Galerie: Die Nominierten zum Rostocker Kunstpreis

Jaqueline Duhr, Carina Linge, Sandra Schubert, Gerhard Stromberg und Eckart Pscheidl-Jeschke zeigen ihre Arbeiten in der Kunsthalle Rostock

Gerhard Stromberg

Gerhard Stromberg wurde 1952 in Ludwigshafen geboren und der älteste Kandidat. Seit 2011 lebt und arbeitet er in Goldberg. Seine Ausbildung absolvierte er an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Bernd Becher, der zusammen mit seiner Frau Hilla zahlreiche heute berühmte Fotografen ausgebildet hat.

Gerhard Stromberg lebt und arbeitet seit 2011 in Goldberg. Quelle: Gerhard Stromberg

Strombergs Motive findet die Motive oft auf seinen Reisen – nach Ungarn, Indien, Italien oder Frankreich. Er beschäftigt sich mit dem Verhältnis des Menschen zur Landschaft und sagt: „Natur ist außerhalb unseres Selbst. Die Landschaft dagegen entsteht aus uns, aus unseren Ideen und Vorstellungen“.

Jaqueline Duhr

Ursprünglich aus Frankfurt/Oder kommt die 1983 geborene Jaqueline Duhr. Sie studierte in Berlin und Greifswald und lebt seit 2014 in Rostock. In ihren farbintensiven Fotoserien inszeniert sie sich meist selbst. Mal ist sie dabei Jesus, mal nackte Femen-Aktivistin, mal Braut oder Hausfrau.

Jaqueline Duhr ist eine der fünf Nominierten zum Rostocker Kunstpreis. Sie lebt seit 2014 in Rostock. Quelle: Jaqueline Duhr

Wie sonst nur Cindy Sherman legt sie jede Eitelkeit ab und verschmilzt mit ihren Protagonisten. Aber nicht die Verkleidung ist ihr Thema. Vielmehr handelt es sich um vieldeutbare Inszenierungen von Protestbewegungen, Stadträumen, Landschaften, Menschen oder Porträts, die gesellschaftspolitische Botschaften vermitteln.

Der 14. Kunstpreis

Die Eröffnung der Ausstellung mit Werken nominierten Künstlerinnen und Künstler in der Kunsthalle Rostock findet am 10. November 2019 um 16.00 Uhr statt.

Die Preisverleihung erfolgt am 30. November um 16.00 Uhr.

Sandra Schubert

Die Rostockerin Sandra Schubert wurde 1977 geboren. Sie arbeitet zwischen Leipzig und Warnemünde. Ihr Studium hat sie in Leipzig bei Tina Bara absolviert, die auch Mitglied der Jury zum Kunstpreis ist. Schubert arbeitet mit analogen Groß- und Mittelformatkameras und fertigt die Abzüge ihrer Fotografien per Hand in der Dunkelkammer an. Ihre Arbeiten befassen sich mit ihren Wurzeln in der Region und dem Meer.

Sandra Schubert lebt und arbeitet zwischen Leipzig und Warnemünde. Quelle: Sandra Schubert

Die Serie „Shipspotting“ wirkt dabei fast amateurhaft aus der Perspektive eines Reisenden aufgenommen, der von einem Schiff andere vorbeifahrende Schiffe knipst. Dabei darf der Horizont schon einmal schief verlaufen. Parallel arbeitet Schubert an Langzeitdokumentation von Räumen, Gebäuden, Gegenständen, Tieren und Autos vor allem in Schwarz-Weiß.

Eckart Pscheidl-Jeschke

Eckart Pscheidl-Jeschke ist 1970 in Greifswald geboren worden. Er lebt und arbeitet auch dort. Seine Ausbildung absolvierte er unter anderem an der renommierten Ostkreuz-Schule in Berlin. Seit 2011 ist er selbst Dozent an der Neuen Schule für Fotografie in Berlin. Aus dem Werkzeugkasten fotografischer Techniken entnimmt Pscheidl-Jeschke immer das beste zum Vorhaben passende Verfahren.

Eckart Pscheidl-Jeschke lebt und arbeitet in Greifswald. Quelle: Eckhardt Pscheidel-Jeschke

Digitale Technik kommt ebenso zum Einsatz wie analoge mit der großformatigen Plattenkamera. Die Verbindung von Natur und Urbanem ist eines seiner Grundthemen. Seine Bilder hat Pscheidl-Jeschke bisher in Ausstellungen unter anderem in Greifswald, Stralsund, Berlin, Dresden, im französischen Arles und in Kansas City (USA) gezeigt.

Carina Linge

Mit Mecklenburg-Vorpommern verbindet Carina Linge ihre Studienzeit in Greifswald und ihre Liebe zu Caspar David Friedrich. Sie wurde 1977 in Cuxhaven geboren und lebt heute in Leipzig. Ihre vielschichtigen Farbfotografien sind oft inszenierte Interieurs, Stillleben, Körperbilder und Porträts von Frauen – aufgeladen mit symbolischen Verweisen.

Carina Linge hat in Greifswald studiert und lebt in Leipzig. Quelle: Carina Linge

Die Arbeiten erinnern in Farbgebung, Format und Aufbau oft an altbekannte Gemälde. Da schwebt ein Brief durch das Fenster, vor dem wir die Frau mit dem Perlenohrring von Jan Vermeer erwarten. Eine Nackte steigt eine Treppe hinab – als hätte Gerhard Richter sie eben erst gemalt. Ob Caravaggio oder Leonardo da Vincis Frau mit dem Hermelin – Linge bedient sich der ästhetischen Auffassung und überführt sie in die Gegenwart.

Die Preisträger seit 2006

2006 gewann im Genre Malerei der Rostocker Künstler Jürgen Weber (82). Dann folgten der Rostocker Bildhauer Thomas Jastram (59), der jetzt in Hamburg lebt, der Grafiker Wilfried Schröder (73) aus Kühlungsborn, der Fotograf Tim Kellner (42) aus Rostock, der Maler Matthias Wegehaupt (80) von der Insel Usedom, die Grafikerin Iris Thürmer (56) aus Wolthof, die Bildhauerin Ruzica Zajec (59) aus Kaarz, der Fotograf Heiko Krause (44) aus Greifswald, der Maler Klaus Walter (63) aus Berlin, die Bildhauerin Anna Martha Napp (36) aus Lübow und der Grafiker und Zeichner Felix Baxmann (31) aus Berlin. 2018 ging der Preis im Genre Malerei an Kathrin Harder aus Eichwalde.

Mehr lesen:

Von Juliane Schultz

Sie ist lange geblieben, ging dann doch – und kehrte zurück: Die Schauspielerin Jutta Wachowiak erzählt im Gespräch mit Thoralf Cleven von konspirativen Momenten mit Theaterbesuchern in der DDR, von Hornochsen, die nichts merken, und vom Glück.

08.11.2019

Neues aus den Popwerkstätten: Westernhagen verwandelt sein „Pfefferminz“-Album in Americana. Johannes Oerding und Max Herre stellen sich auf ihren aktuellen Platten den Problemen der deutschen Gegenwart. Und Nick Cave bewältigt mit dem Doppelalbum „Ghosteen“ die Trauer um seinen Sohn Arthur.

08.11.2019

Bis zum 22. Dezember zeigt die Kulturstiftung Rügen die Werkschau „Male dein Lied“ des außergewöhnlichen Künstlers

11.11.2019