Galerien in MV sind wieder offen: So war die erste Woche für die Kunstausteller im Land
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Galerien in MV sind wieder offen: So war die erste Woche für die Kunstausteller im Land

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17:30 24.04.2020
Galeristin Sabine Peters-Barenbrock aus Ahrenshoop verpackt eine Arbeit der Künstlerin Ulrike Hansen: Weil keine Touristen nach MV kommen dürfen, ist die Galerie auf unbestimmte Zeit geschlossen. Die Arbeiten präsentiert sie stattdessen im Netz.
Galeristin Sabine Peters-Barenbrock aus Ahrenshoop verpackt eine Arbeit der Künstlerin Ulrike Hansen: Weil keine Touristen nach MV kommen dürfen, ist die Galerie auf unbestimmte Zeit geschlossen. Die Arbeiten präsentiert sie stattdessen im Netz. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Ahrenshoop/Greifswald

Gerade mal für einen Tag war die Schau „Freiheit ist ein mega Datenvolumen“ des Künstlerkollektivs „Schaum“ im Circus Eins in Putbus zu sehen. Dann griffen die Corona-Maßnahmen und der heiteren Konzeptkunst auf der Insel erging es wie vielen Schauen in MV: Sie dümpelte ohne Besucher dahin.

Viele Galeristen wurden in der Not erfinderisch, setzten auf virtuelle Rundgänge oder die Präsentation der Arbeiten im Netz. Seit Montag sind die Maßnahmen gelockert, die Türen vielerorts wieder geöffnet – bisher fehlen jedoch die Touristen.

Putbus: Sommerausstellung ohne Touristen fällt aus

„Ich freue mich, dass wir die Schau nun doch noch zeigen können“, sagt Susanne Burmester, Galeristin vom Circus Eins. Am 1. Mai will sie ihre Türen wieder öffnen. „Die Arbeiten sind dann noch bis zum 5. Juli zu sehen.“ Nun gehe es für die Galeristin darum, die Hygieneregeln umzusetzen. „Wir haben zwei Flügel, in jeden kann ich zwei Besucher hineinlassen. Das muss nur charmant kommuniziert werden“, sagt sie.

Auch auf die persönlichen Führungen, die sie sonst für Besucher anbiete, müsse sie vorerst verzichten. Ob die Sommerausstellung „The Lion sleeps tonight“ mit zwölf Künstlern aus ganz Deutschland vom 12. Juli bis zum 30. August wie geplant stattfindet, will Burmester davon abhängig machen, ob bis dahin Touristen ins Land kommen dürfen.

Wieder geöffnet: Susanne Burmester vom Circus Eins in Putbus zeigt nach den Corona-Beschränkungen ab dem 1. Mai die Ausstellung "Freiheit ist ein mega Datenvolumen" des Künstlerkollektivs "Schaum" Quelle: Stefanie Büssing

„Wir machen unser Programm zwar auch für die Insulaner, aber bei der Schau geht es vor allem um den Austausch von Künstlern, Touristen und Einheimischen und darum, ein größeres Publikum zu erreichen, damit sich der Aufwand lohnt.“

Usedom: Schutzmasken und beschränkte Besucherzahl

Auch auf Usedom bereitet sich Michaela Schubert auf die Wiedereröffnung ihrer Galerie „Refugium“ am 2. Mai vor. „Wir freuen uns, dass die Maßnahmen gelockert wurden und sind mit Hochdruck dabei, die geltenden Bestimmungen umzusetzen“, sagt sie. Schilder sollen die Besucher auf die beschränkte Besucherzahl in der Zinnowitzer Galerie hinweisen. „Eine Freundin näht zurzeit Schutzmasken für die Mitarbeiter“, so Schubert.

Die aktuelle Schau von Oskar Manigk, Caro Stark und dem Künstler Erik in ihrer Galerie ist gehängt. Da diese vorerst nicht für Besucher öffnen konnte, hatte Schubert kurzerhand selbst zur Kamera gegriffen und auf ihrer Homepage einen virtuellen mit Musik unterlegten Rundgang gezeigt und Fotos auf Instagram und Facebook gepostet. Ob der Ausstellungsbetrieb auch ohne Touristen funktioniert, weiß die Galeristin nicht, ist aber verhalten optimistisch. „Wir haben auch einheimische Besucher und hoffen, dass die Touristen nach und nach wiederkommen dürfen. Für die Künstler ist es auf jeden Fall ein wichtiges Signal, dass es weitergeht.“

Greifswald: „Die Besucher sind bisher eher verhalten“

In der Greifswalder Galerie von Hubert Schwarz sind die Türen seit Dienstag wieder geöffnet. Die Ausstellung des Leipziger Künstlers Tino Geiss, die Schwarz nach vierzehn Tagen schließen musste, läuft nun bis zum 30. Mai weiter. Alle weiteren Schauen werden um sechs Wochen nach hinten geschoben. „Ich hoffe, dass die Menschen nach dem Kulturentzug wieder verstärkt Lust auf die Kunst haben. Wie es läuft, wird man in der nächsten Zeit sehen“, sagt Schwarz. Bisher seien die Besucher eher verhalten. „Aber zu Hause bleiben hat auch keinen Sinn“, so der Galerist.

Galerien dürfen wieder öffnen: Auch der Greifswalder Galerist Hubert Schwarz zeigt seit dieser Woche wieder Arbeiten von Tino Geiss. Quelle: Dietmar Lilienthal

Einen kleinen Ansturm erwartet er zumindest bei der nächsten Schau zum 70. Geburtstag des Berliner Künstlers Thomas Hartmann. „Der hat viele Fans in MV, daher muss ich mir überlegen, wie man die Eröffnung trotz Kontaktverbot umsetzen kann“, sagt er.

Ahrenshoop: Galerie Peters-Barenbrock bleibt geschlossen

In der Ahrenshooper Galerie Peters-Barenbrock ist die Stimmung mehr gedämpft: Das Hotel „The Grand“, in dem sich die Galerie befindet, ist verwaist. „Es gehört sehr viel Optimismus dazu, sich vorzustellen, wie alles wieder mit Leben gefüllt wird“, sagt Galeristin Sabine Peters-Barenbrock. Sie dürfte zwar wieder öffnen. „Aber was nützt uns das, wenn das Hotel geschlossen bleibt und keine Touristen kommen“, sagt sie. Aus diesen Gründen bleibe die Galerie vorerst auf unbestimmte Zeit geschlossen. Damit in der Krise nicht alle Käufer wegbrechen, geht die Galeristin nun neue digitale Wege.

 „Gemeinsam mit meinen Künstlern habe ich überlegt, was wir machen können“, sagt sie. So sei die Idee entstanden, die rund 1300 Galeriekunden mit Rundmails gezielt anzusprechen. „Für uns ist das momentan die einzige Möglichkeit, mit den Menschen draußen in Kontakt zu treten.“ Alle 14 Tage schickt die Galeristin „temporäre Angebote“ raus. Heißt: Um in der Krise überhaupt etwas zu verkaufen, verzichten Künstler und Galeristin auf einen Teil des Geldes.

Arbeiten zwischen 10 und 15 Prozent günstiger

„Wer jetzt Kunst kauft, kauft sie nun zu einem günstigen Preis. Deswegen sind die Arbeiten zwischen 10 und 15 Prozent günstiger. Trotzdem ist es eine Win-win-Situation“, so Peters-Barenbrock. Das Konzept scheint aufzugehen: Denn die Galeristin hat schon einige Kunstwerke online verkauft. Die Käufer kommen aus der ganzen Republik, von Berlin bis Koblenz, einige sogar aus dem österreichischen Innsbruck. Und das nicht zuletzt aufgrund von Kontakten, die Peters-Barenbrock unter anderem auf der Art Karlsruhe geknüpft hat, der letzten Kunstmesse vor der Krise.

„Dass der Verkauf so gut läuft, freut mich natürlich. Damit hätte ich nicht gerechnet“, sagt sie. Rund zehn Prozent ihrer regulären Einnahmen ließen sich so retten. Dennoch ein Tropfen auf den heißen Stein. „Sicher kann man das zwei oder drei Monate durchhalten. Die Frage ist, was passiert danach?“, sagt die Galeristin. Ähnlich gehe es auch den Künstlern. „Besonders in der Krise ist die Zusammenarbeit daher noch enger geworden“, sagt sie.

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Von Stefanie Büssing