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15:04 30.08.2019
Böser Goethe: Ist das Gedicht "Heidenröslein" sexistisch?
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Man kann Johann Wolfgang von Goethe allerhand vorwerfen. Seinen leichten Hang zu Altmännersäftelei im Spätwerk. Seine Bereitschaft, sich selbst mit größter Selbstverständlichkeit für den Mittelpunkt des Universums zu halten. Seinen doch irgendwie auch ekligen Umgang mit Christiane Vulpius, die er erst dann zur Gattin nahm, als es wirklich nicht mehr anders ging. Was man Goethe freilich nicht vorwerfen kann: dass sein Werk an ausgewählten Stellen nicht den moralischen Standards des Jahres 2019 entspricht. Warum? Weil er 187 Jahre vorher gestorben ist.

In Weimar hat ein Kunstaktionskollektiv mit dem deprimierend anstrengenden Kalauernamen "Frankfurter Hauptschule" das Gartenhäuschen des Dichters mit Klopapier beworfen. Man bezichtigte den toten Mann des Sexismus'. Goethes Werk sei voll von "erotischen Hierarchien zu Ungunsten seiner Frauenfiguren". Und speziell sein Gedicht "Heidenröslein" sei "humoristische Vergewaltigungslyrik für den Schulunterricht". Heißt es darin doch: "Und der wilde Knabe brach / ’s Röslein auf der Heiden; / Röslein wehrte sich und stach, / Half ihm doch kein Weh und Ach, / Mußt’ es eben leiden." Und überhaupt: Goethe sei ein "behäbiger, bürgerlicher Typ" gewesen.

Es ist natürlich falsch, die alberne Performance der Frankfurter Kunststudenten überhaupt mit flächendeckender Aufmerksamkeit zu adeln. Das Youtube-Video, dass die Damen und Herren in weißen T-Shirts mit Mundschutz bei einer erratischen Tanzperformance am Gartenhäuschen zeigt, hat 16.000 Klicks. Aber "humoristische Vergewaltigungslyrik für den Schulunterricht"? Geht's noch?

Erstmal: Die halbe Menschheit besteht aus behäbigen, bürgerlichen Typen. Es wäre vertane Zeit, alle behäbigen, bürgerlichen Menschen, die sich ollerweise der Revolution verweigern, den schmalen Denkwelten eines hessischen Weltverbesserungskollektivs anpassen zu wollen. Zumal der Aufruf zur Veränderung bei Toten selten Früchte trägt. Und zweitens: Jedes moralische Empfinden ist eine Momentaufnahme der Zeitläufte. Das verteidigt keinen Sexismus. Aber die Dichtkunst der Welt ist voll von Deflorationsmetaphorik und sexuellen Anspielungen, die nicht alle dem neuesten Stand der #MeToo-Debatte entsprechen.

Die zeitgeistige Neigung, Klassiker der Weltliteratur im Nachhinein den gesellschaftlichen Standards der politisch korrekten Gegenwart anzupassen, zeitigt seltsame Folgen. Und mehr noch: Immer ordentlich Toleranz und Respekt einfordern, sich dann aber "Frankfurter Hauptschule" nennen, um sich vom nichtgymnasialen Bildungsniveau abzugrenzen. Das ist hochnäsig.

Der Vorgang erinnert entfernt an die unselige Debatte um das Gedicht "Ciudad" (Stadt) von 1951 des Autors Eugen Gomringer an der Fassade der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin im Frühjahr 2018, als empörungswillige Empörte sich zu der Ansicht aufschwangen, folgende Zeilen seien sexistisch, weil sie die Schönheit von Frauen mit floraler Erfreulichkeit gleichsetzten: "Alleen / Alleen und Blumen / Blumen / Blumen und Frauen / Alleen / Alleen und Frauen / Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer." Hier würden Frauen aus männlicher Sicht sexualisiert.

Nun also Goethe. Wann kommt der erste Aktivist, der sich am Kinderlied "Ein Männlein steht im Walde" stört, weil da kein Weiblein steht? Und überhaupt: "steht"! Phallus!

Man darf das mal ganz deutlich sagen: Die Weimarer Klopapierperformance ist für den Arsch. Oder wie Goethe - etwas feiner - schrieb: "Gewissen Geistern muß man ihre Idiotismen lassen."

"Vergewaltigungslyrik": Johann Wolfgang von Goethe empört Frankfurter Kunststudenten. Es wird ihn kaltlassen. Quelle: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/

Von Imre Grimm/RND

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