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Kultur Greifswalder Publikum feiert Ballett-Premiere
Nachrichten Kultur Greifswalder Publikum feiert Ballett-Premiere
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15:46 28.10.2019
Szene mit Jemina Bowring und Miguel Rodriguez Quelle: Theater Vorpommern
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Greifswald

So etwas gibt es auch nicht alle Tage am Theater Vorpommern. Denn bereits zur Pause will der Applaus des Greifswalder Publikums für das Ballettensemble nicht enden. Und das zu Recht. Denn was die zwölf Tänzerinnen und Tänzer abliefern, ist eine unglaubliche physische Leistung. Jeder der zwölf Akteure geht an die Grenzen des Leistbaren. Allen voran die Hauptdarsteller Bárbara Flora und Steffano Fossat. Ihre intensive Körpersprache, dazu die Dramatik der Handlung und die zuweilen Gänsehaut verursachende Musik sind offenbar ein Erfolgsmix, der eine schon extreme Begeisterung bei den Zuschauern zur Folge hatte.

Es geht um Liebe, Kampf und Tod

„Und die Seele unbewacht …“ heißt die Produktion von Ballettdirektor Ralf Dörnen zur Eröffnung der Spielzeit 2019/20. In dem zweigeteilten Abend sind zuerst „Tristan“ nach der Musik von Hans Werner Henze und anschließend die „Letzten Lieder“ nach Richard Strauss zu erleben. Jeder Part steht allerdings für sich. In beiden geht es um Liebe, Kampf und Tod. Die großen Themen, die Kunst ausmachen, seitdem es sie gibt, wie es Theaterintendant Dirk Löschner treffend zusammenfasst. Titelgeber und Klammer des Abends ist ein Gedicht von Hermann Hesse: „Beim Schlafengehen“. Richard Strauss (1864–1949) hat es in seinen vier letzten Liedern mitvertont. Und diese „Vier letzten Lieder“ bilden gemeinsam mit den „Metamorphosen“ von Strauss, einem Stück für 23 Solostreicher, die Grundlage für Teil zwei des Abends. Der befasst sich komplex mit dem großen Thema Sterben und Tod, das Dörnen für außerordentlich wichtig hält, weil es oft noch tabuisiert wird.

Beeindruckende Teamleistung

Szene aus „Letzte Lieder“ und „Metamorphosen“ mit dem Ensemble des Balletts Vorpommern Quelle: Vincent Leifer

Das Greifswalder Premierenpublikum ist jedenfalls fasziniert von diesem zweigeteilten Spielzeitauftakt seines Balletts. Und das spüren Dörnen und sein Team auch am fast nicht enden wollenden Applaus nach der Vorstellung. Bei der anschließenden Premierenfeier musste der Ballettdirektor dann viele Hände schütteln und wird immer wieder herzlich umarmt. „Ich mache aber nichts allein“, erwidert er. „Denn wir sind ein Team“. Besonderen Dank zollt Dörnen diesmal den Schlossern des Hauses. Diese hätten fürs Bühnenbild eine hervorragende Arbeit geleistet, sagt er. Die Vorgaben dazu lieferte erstmals Eva Humburg. Sie gibt als Bühnen- und Kostümbildnerin damit ihren Einstand beim Ballett.

Musik als Hommage an Richard Wagner

Aber zurück zu Teil eins der Aufführung. Dörnen lässt darin Hans Werner Henzes (1926–2012) 3. Klavierkonzert „Tristan“ vertanzen. Es ist die Geschichte der Liebe von Tristan und Isolde. Einer Liebe, die sich der Liebenden vollkommen bemächtigt und sie alle Widerstände überwinden hilft, wie es in der Ankündigung heißt. Am Ende sterben beide auf dramatische Weise, um dann im Tod zueinanderzufinden. Henze hat sein 3. Klavierkonzert in den 1970er-Jahren komponiert. Unter dem Eindruck ihn bewegender Todesfälle im privaten Umfeld und des Putsches in Chile. Gedacht ist seine Musik als Hommage an Richard Wagners Oper „Tristan und Isolde“. Henze hat dafür auch Anleihen bei Brahms und Chopin genommen. Ralf Dörnen spricht von einer „Wahnsinnsmusik“.

Ideen des Ballettchefs begeistern

Szene aus „Letzte Lieder“ und „Metamorphosen“ mit dem Ensemble des Balletts Vorpommern Quelle: Vincent Leifert

Erstaunlich ist immer wieder, mit welchen Ideen und Leistungen Greifswalds Ballettchef das Publikum nicht nur überraschen, sondern auch begeistern kann. Und auch, wie er sein kleines, aus nur 13 Tänzern bestehendes Ensemble stets zu Höchstleistungen motiviert. Denn Jahr für Jahr muss auch er zu Spielzeitbeginn neue Akteure in seine internationale Compagnie integrieren. In diesem Jahr sind es übrigens jeweils zwei junge Frauen und Männer aus Italien, die nach Greifswald gekommen sind. Nur einer im Ensemble besitzt einen deutschen Pass. Das ist mit Armen Khachtryan ein Tänzer aus Armenien.

Dörnen im 23. Jahr am Theater Vorpommern

Ralf Dörnen ist mittlerweile im 23. Jahr Ballettdirektor am Theater Vorpommern. In dieser Zeit hat er über 60 Inszenierungen auf die Bühne gebracht. Viele davon sind unvergessen, wie seine Auftragsarbeit für die Expo 2000 in Hannover „ich spinne mich in eine Puppe ein …“ über den in Greifswald geborenen Caspar David Friedrich oder „Fridaviva la vida“ über die mexikanische Malerin Frida Kahlo. Damit trat das Ballett Vorpommern auch auf einer Unicef-Gala in Kopenhagen auf. Ralf Dörnen erhielt 2016 den Kulturpreis des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

Die nächsten Aufführungen:1. November, 19.30 Uhr (Großes Haus Greifswald), 15. November 19.30 Uhr (Großes Haus Stralsund/Premiere), 20. November, 19.30 Uhr (Theater Putbus), 24. November, 16 Uhr, (Großes Haus Greifswald mit Werkeinführung um 15.15 Uhr), 29. Dezember, 18 Uhr (Großes Haus Stralsund)Mehr zum Thema: 20 Jahre Ballett Vorpommern!Ballett Vorpommern: Ältester Fan ist 105 Jahre
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