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Kultur Gundermann-Darsteller Alexander Scheer zu Gast in Rostock
Nachrichten Kultur Gundermann-Darsteller Alexander Scheer zu Gast in Rostock
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19:40 25.04.2019
Für die Reihe „HMT- Fokus Film“ hat Regisseur Andreas Dresen Schauspieler Alexander Scheer zu Gast an der Rostocker Hochschule für Musik und Theater. Dresens Film „Gundermann“ (2018), mit Scheer in der Hauptrolle, erhielt zehn Nominierungen für den Deutschen Filmpreis 2019. Quelle: Danny Gohlke
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Rostock

„Mich interessieren Leute, die sich verausgaben, die sich entäußern. Die bis an ihr körperliches Limit gehen“, sagt Alexander Scheer. Das liegt sicherlich daran, dass es bei dem Schauspieler ebenso ist. „Er fängt einfach an, und dann explodiert etwas", sagte Theaterregisseur Frank Castorf einst über Scheer, mit dem er an der Volksbühne Berlin zusammenarbeitete. Von Scheers hohem Energie-Level können sich auch die Besucher der Reihe „HMT: Fokus Film“ überzeugen, zu der Gastgeber und Regisseur Andreas Dresen den Schauspieler in die Hansestadt eingeladen hatte.

„Man muss das wollen und es auch durchziehen.“

Mit Anzug und Krawatte fläzt sich Scheer in seinen Sessel auf der Bühne. Er wirkt schlaksig, leicht hibbelig und extrem extrovertiert. Immer wieder platzen kleine Lachsalven aus dem 42-Jährigen heraus, der mit sympathischer Berliner Kodderschnauze bereitwillig aus seinem Leben erzählt. Den Ratschlag, den Scheer für seine Nachwuchskollegen von der HMT im Gepäck hat: „Schauspieler ist einer der tollsten Berufe der Welt und zugleich einer der schlimmsten. Man muss das wollen und es auch durchziehen.“ Genau das hat Scheer immer getan.

Wir zeigen den Schauspieler in seinen verschiedenen Rollen

Dass er Film- oder Rockstar werden will, weiß er schon mit zwölf, als er als Statist für das Kindermusical „Kai aus der Kiste“ erste Schauspielerfahrungen sammelt. Bis zur elften Klasse besucht er das Ost-Berliner Georg-Friedrich-Händel-Gymnasium mit dem Schwerpunkt Musik, geht dann kurzerhand ab, weil ihn das Leben mehr interessiert, als die Schule. „Damals wollte mich niemand besetzten, also habe ich gedacht, drehen wir den Kram eben selbst“, erinnert sich Scheer, der mit Freunden eigene Amateurfilme dreht, in Bands spielt und in Werbespots mitwirkt.

„Bis zur totalen körperlichen Erschöpfung“

Bei einem Casting wird er von Regisseur Leander Haußmann entdeckt, der ihn in seinem Film Sonnenallee besetzt. „Der Haußmann war noch arroganter als icke“, erinnert sich Scheer und lacht. Trotzdem hat er dem Regisseur viel zu verdanken, folgt ihm ans Theater Bochum, bevor er an der Volksbühne Berlin mit Frank Castorf arbeitet. „Das ging bis zur totalen körperlichen Erschöpfung, bis zum physischen Abheben“, erinnert sich Scheer. Zuweilen entführt der Schauspieler die Zuhörer in seine ganz eigenen Theater-Spähren, die hin und wieder ihre Längen haben. Anderes ist äußerst kurzweilig, wie sein Treffen mit Uschi Obermaier für die Rolle des Keith Richards im Film „Das wilde Leben“. „Ich habe seinen Wodka getrunken, auf seiner Gitarre gespielt und seine Frau geküsst. Aber getroffen habe ich ihn nie“, sagt Scheer über den Rocker.

Seine Wandelbarkeit stellt Scheer bei unzähligen Filmprojekten unter Beweis, verkörpert unter anderem Mick Jagger, Blixa Bargeld im Film oder David Bowie am Hamburger Schauspielhaus. Für seine Rolle als Edmund Kean in Frank Castorfs gleichnamiger Volksbühneninszenierung von 2009 wird Scheer von Theater Heute zum Schauspieler des Jahres gewählt.

„Das Spannendste an diesem Beruf ist die Verwandlung. Ich erkenne mich manchmal selbst nicht wieder und das finde ich super“, sagt Scheer. Für seine Rollen geht er oft bis an die Schmerzgrenze. Zum Beispiel als Geiselnehmer Dieter Degowski in dem Film „Gladbeck“ der das Geiseldrama von 1988 thematisiert. „Es gibt viele Rollen, die man gerne sein möchte, diese gehörte nicht dazu. Aber sie musste gespielt werden“, sagt Scheer.

„Ich kannte die Lieder nicht. Aber ich kannte das Gefühl, von dem er singt“

Anders war es bei dem singenden Baggerfahrer Gerhard „Gundi“ Gundermann. „Als ich hörte, Dresen macht das Ding, dachte ich, das ist endlich mal eine amtliche Kombination. Da muss ick irgendwie mitmachen“, berlinert Scheer, der Dresen bei einem Treffen mit Retro-Brille und angeklebtem Zöpfchen überzeugen will. „Ich spiel dir den mit allem, was ich hab“, verspricht er damals. Und das, obwohl ihm die Musik eher fremd gewesen sei. „Ich kannte die Lieder nicht. Aber ich kannte das Gefühl, von dem er singt. Ich wusste, das ist das, wo ich herkomme“, erinnert sich Scheer.

„HMT: Fokus Film“

Seit dem 1. Juni 2018 hat Andreas Dresen eine Professor für Filmschauspiel an der Rostocker Hochschule für Musik und Theater. In der Reihe „HMT: Fokus Film“ lädt Dresen regelmäßig Kollegen aus der Filmbranche ein, die über ihre Arbeit berichten. Anfang Juli ist der nächste Teil der Reihe geplant. Zu Gast wird Schauspielerin Katharina Thalbach sein.

Tickets und weitere Infos unter: www.hmt-rostock.de

„Kaputtgespielt“ vom „Theater-Marathon“ an der Berliner Volksbühne unter Frank Castorf und mit nur zwei Monaten Vorbereitungszeit habe er sich die „Rolle draufgeschafft“, die er später mit zwei Spangen in der Nase, Zahnprothese, Brille mit Sehstärke und Kontaktlinsen zum Ausgleich auf der Bühne verkörpert. „Es gibt kaum jemanden, der sich so akribisch auf die Rollen vorbereitet wie Alexander“, verrät Dresen.

Nun wird das Duo dafür belohnt: Der Film „Gundermann“ ist in zehn Kategorien (darunter bester Spielfilm, beste Regie und bester Hauptdarsteller) für den Deutschen Filmpreis 2019 nominiert, der am 3. Mai verliehen wird. „Das spricht für eine unglaubliche Wertschätzung der Kollegen. Deswegen habe ich mich schon über die Nominierung wahnsinnig gefreut. Egal, ob wir einen Preis bekommen oder nicht“, so Dresen.  

Stefanie Büssing

Die Kolumnisten Meike Winnemuth und Stefan Schwarz haben Bücher über das Leben im Garten geschrieben. Die sind sehr verschieden, spiegeln aber beide den Trend, einen Sinn des Lebens zwischen Beet und Kompost zu suchen. Vielleicht sogar zu finden.

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