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Kultur Heidi Methe „bereimt“ Alltag im Seeheilbad
Nachrichten Kultur Heidi Methe „bereimt“ Alltag im Seeheilbad
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14:56 26.06.2018
Heidi Methe hält den Alltag in dem Seeheilbad in plattdeutschen Gedichten und Geschichten fest. Quelle: Richter Timo
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Zingst

Wenn Heidi Methe in kleine Alltagsbegebenheiten eintaucht, wenn sie sich mit der Kommunalpolitik auseinandersetzt, tut sie das als Luten Klatt. Durch dessen Augen beschreibt und kommentiert die 77-jährige Urzingsterin das Leben in ihrem Heimatort. Ende Juli erscheint ihr zweites Buch mit plattdeutschen Geschichten und Gedichten. Mit wachen Augen registriert sie viele Alltagsgeschichten. Da ist die Kundin, die eine Kirsche an einer der kleinen Verkaufsbuden umtauschen möchte, da ist ein Hund mit dänischem Namen. Aus solch kleinen Situationen „reime ich mir etwas zusammen“, sagt Heidi Methe gutgelaunt. Und natürlich hört sich genau hin, „was Urlauber so vom Stapel lassen“. Und wenn ihr mal etwas nicht gefällt in dem Touristenort ist Luten Klatt zur Stelle, der seine Meinung ein bisschen liebenswürdig kundtut. Zuletzt holte die Autorin sogar Adam und Eva an Bord, um ihre Kritik am neuen Slogan Zingsts „Halb Insel, halb Paradies“ anzubringen. Was, bitteschön, fragt da Adam, sei denn ein nur halbes Paradies?

Scheu vor Öffentlichkeit

Obgleich Heidi Methe ihre Gedichte und Geschichten seit 2004 regelmäßig in der Zingster Ortspostille veröffentlich, mag sie so gar nicht in der Öffentlichkeit stehen. Kurzen Lesungen bei Hochzeiten, zu Geburtstagen oder in der Bibliothek erteilt sie regelmäßig eine Absage. „Da wäre ich viel zu aufgeregt“, sagt sie. Außerdem „hapert’s mit dem Sprechen. Ich bin ein Mensch der Kammer.“ Da könne sich für sich sein, da könne sich gut arbeiten. Das verwundert, hat Heidi Methe doch als junges Mädchen, wenn auch stets mit viel Aufregung, in einem Kabarett mitgetan.

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Ausbildung zur Krankenschwester

Schule und Abitur absolvierte die Plattdeutsch-Autorin in Zingst. An der Fachschule in Greifswald lernte sie das Handwerk der Krankenschwester. Sie arbeitete nur kurz in dem Beruf, nahm dann ein Studium auf. Germanistik und Russisch waren die Fächer. „Nach dem dritten Semester war Schluss.“ Mit 23 Jahren war sie damals die älteste Studentin. Sie „zog sich nach Zingst zurück“, heiratete, wurde zweifache Mutter – und arbeitete 18 Jahre lang in ihrem erlernten Beruf als Krankenschwester.

Fundus von Begriffen und Redewendungen

Mit dem Plattdeutschen ist Heidi Methe groß geworden. Mutter, Vater, Großeltern – alle haben plattdeutsch gesprochen. Nach dem Krieg allerdings wandelte sich das. „Plattdeutsch war als Sprache der einfachen Landbevölkerung geradezu verpönt.“ Heidi Methe hat die Sprache weiterhin Freude bereitet. Selten verwendete Ausdrücke und Redewendungen hat sie ihre Oma gebeten aufzuschreiben. Damit hat sie einen Fundus von Begrifflichkeiten, mit dem sie selbst Kenner des Plattdeutschen immer wieder überrascht.

Buchidee von Bekannter

Eine Bekannte brachte sich am Ende auf die Idee, diesen Plattdeutsch-Schatz in einem Buch zu bewahren. Kurz vor Weihnachten des vergangenen Jahres erschien mit „Emma, de Möw“ ihr Erstling. Heidi Methe hat rund 150 Gedichte und Geschichten geschrieben. Nun erscheint der Folgeband. „Alles ist fertig für den Druck.“ Ein dritter Band ist nicht geplant.Aber Heidi Methe guckt weiter genau hin, hört genau zu. Denn immer wieder ergeben sich so Themen für Gedichte und Geschichten. Sie hat bereits so vieles „bereimt, frisch geblieben seien dadurch der Kopf, die Gedanken.

Richter Timo

26.06.2018
26.06.2018