Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kultur Hier traf er Effi Briest: Was diese 15 Orte auf Usedom für Theodor Fontane bedeuteten
Nachrichten Kultur

Hier traf er Effi Briest: Was diese 15 Orte auf Usedom für Theodor Fontane bedeuteten

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
08:15 21.12.2019
Theodor Fontane (1819–1898) verbrachte seine Kindheit in Swinemünde. Im Säulenhaus an der Heringsdorfer Steilküste – heute steht hier die Villa Schering – traf er Minna Krause, die als Vorbild der Romanfigur Effi Briest gilt. Quelle: Montage: OZ
Anzeige
Heringsdorf

Der Fontane-Rundweg auf Usedom soll wichtige Orte aus dem Leben des Schriftstellers verbinden, die dieser in seinen Romanen erwähnt. Die OZ hat schon eine erste Übersicht, welche Stationen der Rundweg haben soll:

1) Heringsdorf, Villa Schering, Badstraße 13

Auf diesem Grundstück am Hochufer traf Theodor Fontane als Junge das Mädchen, das Vorbild für seinen weltberühmten Roman „Effi Briest“ werden sollte – früher stand hier das Säulenhaus des Geheimen Kommerzienrats Wilhelm Krause. An die Stelle des Gebäudes in der Badstraße 13 trat der Neubau der Villa Schering. Fontane schreibt von Besuchen in dem historischen Haus in seinem Roman „Kinderjahre“. Die Tochter des Kommerzienrates, Minna, hat es ihm besonders angetan. Er schwärmt an mehreren Stellen von ihr, sie gilt unter Fontane-Experten eindeutig als Vorbild für Effi Briest. In einem Brief an seinen Freund Bernhard von Lepel formuliert Fontane zu diesem Gebäude: „Das Haus, das du in Heringsdorf bezeichnest, kenn’ ich ganz genau, in dem großen Vorderzimmer hab’ ich als 15jähriger … oft bewundernd gestanden, wenn Eduard Devrient und …Commerzienräthin Krause am Clavier spielten … Draußen aber nach dem Walde zu war es noch schöner; – da lief ich stundenlang dem schönen Backfisch der schönen Frau nach und hatte Herzschmerzen …“ – gemeint ist Minna Krause.

2) Heringsdorf, Villa Fontane, Kulmstraße

Die heutige Villa Fontane in Heringsdorf, ehemals die Villa des Badearztes Dr. Heinrich von Wallenstedt in der Kulmstraße, war für den Dichter der Aufenthaltsort, von dem aus er später die Orte seiner Kindheit auf Usedom besuchte. So schreibt er an seine Frau Emilie am 24. August 1863: „… der Blick durch Bäume hindurch auf das Meer poetisch und für Herz und Sinne unendlich wohltuend … man hat Ruhe und frische Luft und diese beiden Dinge erfüllen Nerven, Herz und Lungen mit einer stillen Wonne.“

Bisher kaum bekannt: Wie Fontane jetzt als Dichter Vorpommerns entdeckt wird

3) Heringsdorf, Störtebekers Kul, unweit des Bahnhofs an der B 111

Abenteuerspielplatz für den Dichter. Hier verbrachte er viele Nachmittage mit seinem Bruder und träumte davon, der berühmte Pirat Klaus Störtebeker zu sein, der diesen Erdkrater während einer Reise der Legende nach als Rückzugsort genutzt haben soll. Als Junge lief Fontane die gut sieben Kilometer von seinem Elternhaus in Swinemünde bis zu dieser Stelle und zurück übrigens oft und ohne Probleme zu Fuß. Der Historiker Prof. Dr. Rudolf Bäumer schreibt über den Ort: „Dicht neben dem Bahnhof von Heringsdorf liegt die 180 Schritt lange Störtebekerhöhle. In dieser Vertiefung soll sich der Hauptstützpunkt des kühnen Seefahrers befunden haben. Ein unterirdischer Gang führte von der Höhle zum Strand … Diese frühe Faszination ließ Fontane nicht mehr los. 1878 begann er, Material für eine Störtebeker-Novelle zu sammeln. Leider wurde die historische Störtebecker-Kuhle in der DDR-Zeit eingeebnet und teilweise mit Garagen bebaut.“

4) Gothensee (Heringsdorf) und Schloonsee (Bansin)

Den Weg vom Gothensee und den Treibsand am Schloonsee nutzt Theodor Fontane in seinem Roman „Effi Briest“ als symbolischen Hintergrund des nahenden Untergangs. Als Kind passierte er die Orte mit seiner Familie in der Kutsche. Der Dichter macht den Schloon in seinem berühmten Werk zu einem Motiv, das immer wiederkehrend symbolisch für die gefährliche Entwicklung der Ereignisse steht. So: „… dieser Schloon ist eigentlich bloß ein kümmerliches Rinnsal, das hier rechts vom Gothener See herunterkommt und sich durch die Dünen schleicht … im Winter, da wird es dann ein Sog … Dann drückt der Wind das Meerwasser in das kleine Rinnsal hinein … darin steckt die eigentliche Gefahr … Und will man dann über solche Sandstelle hinweg, die keine mehr ist, dann sinkt man ein, als ob es ein Sumpf oder ein Moor wäre.“ Oder: „Im selben Augenblick aber, wo die Pferde den Schloon auch nur berührten, sanken sie bis über die Knöchel in den Sand ein …“ Zudem auf Seite 162: „Ich träumte, daß du mit dem Schlitten im Schloon verunglückt seist … er versank mit dir.“

5) Oberförsterei Pudagla

Fontanes Familie unternahm oft Ausflüge in die Gegend, die mittig auf der Insel Usedom liegt und mit ihrem dichten Wald noch heute als Naherholungsgebiet beliebt ist. Die Oberförsterei Pudagla spielt in den Kindheitserinnerungen von Theodor Fontane eine wichtige Rolle. „Es war ein sehr heißer Sommer … Partien, nach der Oberförsterei Pudagla … der … zu jener Zeit der Oberförster Schröder vorstand, ein vorzüglicher Herr …“, schreibt der Dichter in seiner AutobiografieKinderjahre“. „Um zehn waren wir draußen, frühstückten und bewunderten zunächst ein junges Reh, das man in einem Abschlag des großen Gemüsegartens eingehegt hatte … bis wir aus des Oberförsters Munde hörten, daß ein schweres Gewitter im Anzuge sei.“ In „Effi Briest“ formuliert er: „Um noch einen halbstündigen Spaziergang in den umliegenden Wald zu machen, zunächst auf ein Gehege zu, drin Wild eingezäunt war.“ Pudagla dient als Vorlage in „Effi Briest“: Er verfremdet es dort zu „Uvagla“ und Swinemünde zu „Kessin“. Fontane schreibt: „Zwischen Kessin und Uvagla (wo der Sage nach, ein Wendentempel gestanden) lag ein nur etwa tausend Schritt breiter, aber wohl anderthalb Meilen langer Waldstreifen, der an seiner rechten Längsseite das Meer hatte.

6) Zentrum von Swinemünde

Hier verbrachte Fontane seine Kindheit, bis er als 13-Jähriger aufs Internat nach Berlin ging. Der Autor erinnert sich in seiner AutobiografieKinderjahre“: „Es war ein wunderschönes Leben in dieser kleinen Stadt, dessen ich noch jetzt … unter lebhafter Herzensbewegung gedenke … Damals aber, als ich in Haus und Hof herumspielte und draußen meine Schlachten schlug … Alles war Poesie“. Und: „Ja, Swinemünde war herrlich …“ (Brief an G. Friedländer vom 22.10.1890). Der Ort seiner Kindheit gilt als Vorlage für den Hauptschauplatz in Fontanes wohl berühmtestem Werk „Effi Briest“: Swinemünde wird hier zu Kessin und der Fluss Swine zur Kessine.

7) Christuskirche Swinemünde

Die Christuskirche in Swinemünde stand direkt neben dem Wohnhaus Fontanes und hatte in seiner Kindheit große Bedeutung für den Jungen. Das Gotteshaus besaß in der Kindheit des Dichters noch keinen Turm. Aufgrund leerer Kassen kam er erst 1881 hinzu. In der AutobiografieKinderjahre“ schreibt Fontane: „… ragte ein scheunenartiger Bau mit hohen Fenstern auf: die Kirche.“ Oder: „… acht oder zehn kleine Jungens … waren schon vom Kirchplatz her, wo wie gewöhnlich die Jagd begonnen hatte, dicht hinter mir her.“ Und: „Wir spielten um die Kirche herum …“ Auch in dem Roman „Effi Briest“ findet der Name der Kirche Eingang: „Ich kann doch nicht den ganzen Tag nach der Christuskirche hinübersehen …“

8) Swinemünder Wohnhaus, Apotheke der Familie

Das Haus der Familie Fontane mit der Adler-Apotheke in Swinemünde befand sich mitten im Zentrum. Das Ensemble wurde nach dem zweiten Weltkrieg von der polnischen Verwaltung abgerissen. An der Stelle entstanden neue Wohnungshochhäuser. Der Dichter schreibt in der AutobiografieKinderjahre“: „Dieser (Kirche) gegenüber und nur durch die Straßenbreite von ihr getrennt, stand ein Feuerherds-Rot gestrichenes Haus …“ Und: „Das Haus … war, das mindeste zu sagen, anfechtbar, entzückend aber waren Hof und Garten.“ Er schreibt zudem: „Apotheke wie Saalzimmer sahen auf die Straße.“ Eine Gedenktafel für Fontane ließ der frühere Leiter des Stadtmuseums von Swinemünde, Jozef Plucinski, an der Stelle der früheren Adler-Apotheke anbringen. Dort, wo heute die neuen Häuser stehen.

9) Die Plantage – heutiger Kurpark in Swinemünde

Hier lief Fontane als Kind Schlittschuh oder vertrieb sich seine Zeit. Sie ist auch Vorlage für den Ort des berühmten Duells im Roman „Effi Briest“. In „Kinderjahre“ schreibt er: „… und die kleinen Wasserlachen, die sich um ein Wäldchen, das die ‚Plantage‘ hieß, herumzogen …, waren schon überfroren.“ Die Plantage wurde teilweise nach Plänen des berühmten Gartenbauarchitekten Lenné mit Zierpflanzen gestaltet. In „Effi Briest“ formuliert Fontane: „Der Ritt ging wie gewöhnlich durch die Plantage hin.“ Oder: „… ging es, die ziemlich steile Düne hinunter, auf den Strandweg zu, der eine Meile lang in beinahe gerader Linie bis an das Kessiner Strandhotel, und von dort aus rechts einbiegend durch die Plantage hin, in die Stadt führte.“ Zudem: „… und in einem halben Jahr wirst du kaum noch wissen, dass du hier … nichts gehabt hast als die Dünen und die Plantage.“ Heute wird der Kurpark gern von Familien zur Erholung genutzt. Viele Bäume spenden hier Schatten.

10) Das Bollwerk an der Swine

Von seinem Elternhaus am Markt konnte Theodor Fontane in zwei Minuten das Bollwerk am Stadtfluss erreichen. Am Wasser der Swine hielt er sich gern auf. Zu Fontanes Zeiten gab es Geschichten, dass dort Steine vom Riff der untergegangenen Stadt Vineta vor Koserow verbaut worden waren. Nachts, wenn der Sturm heulte, hörte man angeblich die Rufe der Ertrunkenen. Dies hat später sicherlich im Roman „Effi Briest“ die Elemente Spuk und Aberglauben maßgeblich bestimmt. In „Kinderjahre“ erinnert sich Fontane: „Von dem Punkt an jedoch, wo eine an unserer Hausecke beginnende Querstraße rechtwinklig einmündete, konnte man sich, dem Laufe des Flusses folgend, Schritt für Schritt an den sich darbietenden Bildern erquicken.“ Das Bollwerk findet auch im Roman „Effi Briest“ Erwähnung: „Effi … musterte von hier aus das Bollwerk und die hübsche Häuserreihe, die dem Zuge des Bollwerks folgte.“

11) Der Olthoffsche Gasthof oder Ressourcenhotel – heute Das Hotel Drei Kronen

In dem am Bollwerk gelegenen, später zum Hotel Drei Kronen umgebauten und heute kaum noch erkennbaren Olthoffschen Gasthof lernte Theodor Fontane mit 14 Jahren tanzen. Namen und gesellschaftliche Erfahrungen schlugen sich in der AutobiografieKinderjahre“ wie auch in „Effi Briest“ nieder. So schreibt der Dichter: „Diese zwanzig (Familien) bildeten (auch ein paar vom Adel aus der Umgegend kamen des weiteren hinzu) eine sich im Olthoffschen Saale versammelnde ‚Ressource‘“. (Kinderjahre). Und: „Das sich anschließende Festmahl … fand in dem großen Ressourcen-Hotel am Bollwerk statt …“ (Effi Briest)

12) Die Molen, Robben in Swinemünde

Die aus der Kindheit vertrauten Molen und die damals dort siedelnden Robben nutzt der Dichter Theodor Fontane in seinem Roman „Effi Briest“ für Beobachtungen. Dort konstruiert er eine Szene zwischen den Rivalen Instetten und Crampas wie folgt: „… als man … den diesseitigen Molendamm erreicht hatte, verspürte man Lust, abzusteigen und einen Spaziergang bis an den Kopf der Mole zu machen. … Sie ergriff … ein Stück angeschwemmtes Holz, um es nach links hin in die See oder nach rechts hin in die Kessine zu werfen … im selben Augenblicke glitt von einem sonnenbeschienenen und mit grünem Tang überwachsenen Stein eine Robbe glatt und geräuschlos in das nur etwa fünf Schritt entfernte Meer hinunter. … und Crampas phantasierte von Robbenjagd … ‚Geht nicht‘, sagte Innstetten, ‚Hafenpolizei.‘“

13) Stadtschule Swinemünde

Die Stadtsschule von Swinemünde, die für Fontane nur wenige Minuten vom Elternhaus entfernt lag, ist heute verschwunden und hat einem Wohnhaus Platz gemacht. Er besuchte sie nur kurze Zeit, da er nachfolgend im Haus der Kommerzienrats Krause am Bollwerk zusammen mit dessen Kindern Hausunterricht erhielt. In der AutobiografieKinderjahre“ erinnert sich der Dichter: „… die Stadt hat nur eine Schule, die Stadtschule, … und ehe eine Woche um war, war ich Schüler der Stadtschule.“

14) Bohlenbrücke, heutiger Torfgraben an der deutsch-polnischen Grenze bei Garz

Ebenfalls ein Ort, den Fontane als Junge für seine Abenteuerspiele nutzte: So erzählt er in seiner AutobiografieKinderjahre“: „Das letzte Dorf hieß Kamminke … zwischen diesem Dorf und Swinemünde selbst passierten wir eine mitten im Wald gelegene Bohlenbrücke, zu deren beiden Seiten sich eine dunkelschwarze Wasserfläche mit weißen Nymphäen ausbreitete …“ Und: „Das war eine Waldlichtung auf halbem Weg nach Kamminke … Von rechts her lief ein Wässerchen, das aus den benachbarten Torfgräbereien kam, … und Bohlen und Holzstämme … bildeten eine Brücke darüber. Von derselben rechten Seite her … staute sich dann auch das Moorwasser und schuf eine von Binsen eingefaßte Lanke, drauf gelbe und weiße Teichrosen schwammen.“ Zudem: „An der der Stadt zu gelegenen Brückenseite ließ ich meine Truppe (die Störtebekerschen) mit Vorliebe lagern …“

15) Kamminke, Golm

Den Ort Kamminke und den Golm empfand Theodor Fontane als Junge als einen wunderbaren Zielpunkt für verschiedene Ausflugsfahrten. In „Kinderjahre“ schreibt er: „… die Fahrten auf Korswandt zu oder noch lieber nach dem in Nähe des Haffs und des ‚Golms‘ gelegenen Dorfe Kamminke. Da war eine vielbesuchte Kegelbahn, auf der dann auch die Damen mitspielten.“ Und er notiert: „Es war ein richtiger Bauerngarten … Sank dann die Sonne drüben am Walde, so schwamm der nach Westen liegende Golm in einem roten Licht, und die metallne Kugel auf seiner hohen Säule sah, als wäre sie golden, auf das Dorf und den Kegelgarten hernieder.“

Von Alexander Loew

Er gilt als Sohn Brandenburgs, dabei wurde der berühmte Schriftsteller Theodor Fontane auf Usedom groß und hat viele Orte der Insel in sein Werk einfließen lassen. Die wichtigsten Stationen sollen nun für die Öffentlichkeit erlebbar werden.

21.12.2019

Bruce Springsteen will wieder mit der E-Street-Band rocken, die Rolling Stones sind ebenfalls überfällig. Der Geheimtipp für 2020 ist Marcus King, ein 23-jähriger Gitarrengott mit flammender Soulstimme. Und eigentlich sind uns die schwedischen Rekordvertröster Abba inzwischen auch ein ganzes Album schuldig.

21.12.2019

„Die goldenen Zwanziger“, „die wilden Sechziger“: Im kollektiven Gedächtnis entwickelt jede Dekade eine eigene, historische Identität. Wofür werden die Zehnerjahre des 21. Jahrhunderts eines Tages stehen? Ein Rückblick.

10.01.2020