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Kultur Hinstorff Verlag bringt ersten Mecklenburg-Vorpommern-Comic heraus
Nachrichten Kultur Hinstorff Verlag bringt ersten Mecklenburg-Vorpommern-Comic heraus
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18:05 25.07.2019
Präsentieren den ersten MV-Comic: Autor Ingo Koch, Illustratorin Andrea Sommerfeld und Lektor Thomas Gallien (v.r.). Quelle: Dietmar Lilienthal
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Rostock

Mitten in einen Überfall platzt die 14-jährige Milena hinein, als sie Miro zum ersten Mal sieht. Sie rettet ihn vor den brutalen Schlägertypen, beide werden Freunde und verlieben sich sogar ineinander, während sie nebenbei die Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns aufrollen. Und dann werden sie auch noch gemeinsam entführt ... Langweilig wird es nicht im ersten Band der Reihe MV-Comic, der im Juli unter dem Titel „Miro und Milena: Die Entführung“ im Hinstorff Verlag erschienen ist.

Hier könnt ihr einen Blick ins Heft werfen

Fantasievoll haben Historiker Florian Ostrop und Ingo Koch auf 64 Seiten die Geschichten um ihre Protagonisten Miro und Milena entwickelt. In gesonderten Info-Fenstern sind historische Fakten – unter anderem zur Rostocker Stadtgeschichte – eingearbeitet. „Wir erklären einzelne Sequenzen und kleine Details aus der Landesgeschichte, die zur Story passen“, sagt Koch. Mühe mit dem Schreiben hatte er nicht. „Als ich erst mal den roten Faden hatte, flossen die Geschichten nur so aus mir heraus“, verrät er und lacht. „Florian hat dann immer mal wieder ausgedünnt.“ Beide Historiker kennen sich vom Verein Geschichtswerkstatt Rostock, der gemeinsam mit der Stiftung Mecklenburg Herausgeber des Buches ist. Rund ein Jahr reine Arbeitszeit stecke zwischen den schwarz-roten Heftdeckeln im DIN-A4-Format. „Stoff hätte es für ein doppelt so dickes Heft gegeben“, sagt Koch.

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Die Handlung spielt im Hier und Jetzt

„Die Idee, ein Kinderbuch zur Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns zu machen, kam von einem Freund, der auch Mitglied der Geschichtswerkstatt war. Leider ist er schon verstorben“, sagt Koch, der den Gedanken gemeinsam mit Ostrop aufgriff. „Wir wollten das Projekt verwirklichen und hatten dann die Idee, einen Comic zu machen. Das war für uns auch ein Experiment“, sagt Koch. Gemeinsam erarbeiteten sie das Konzept: „eine Handlung, die im Hier und Jetzt angesiedelt ist und durch die junge Leute in das Thema Geschichte hineingezogen werden sollen.“ Und dass das heute gar nicht mehr so einfach ist, weiß auch Koch.

„Man muss schon ein paar Register ziehen, um Spannung reinzubringen und die Lebensrealität zu gestalten“, sagt der Historiker und langjährige Verleger, der als Dozent am Pädagogischen Kolleg Rostock und an der Fachhochschule des Mittelstands tätig ist. „Durch den Beruf bilde ich mir ein, zu wissen, wie junge Leute heute ticken. Mit langweiligen Storys funktioniert heute nichts mehr.“ So werden Miro und Milena unter anderem entführt und unter Drogen gesetzt. Nicht immer leichte Kost. Auch die Sprache habe man jugendgemäß gestaltet. „Da hat Florian mich manchmal sogar bremsen müssen“, verrät er. „Er ist der Artigere von uns beiden.“

Zeichnungen entstanden vor dem Spiegel

Illustratorin Andrea Sommerfeld hat den beiden Teenagern schließlich mit ihren Zeichnungen Leben eingehaucht: „Als ich Miro und Milena das erste Mal gesehen habe, wusste ich sofort, das sind sie“, schwärmt Koch. Inzwischen sind die beiden Hauptfiguren den drei Machern ans Herz gewachsen. „Sie sind schon fast wie unsere eigenen Kinder“, sagt Sommerfeld und lacht. Auch wenn sie sich die Arbeit im Vorfeld leichter vorgestellt habe. „Ich hatte vorher noch nie einen Comic gemacht und wusste nicht, dass es so viel Aufwand ist“, sagt sie. „Also haben wir schnell entschieden, die Bilder pro Seite auf ein bestimmtes Maß zu reduzieren.“

Vor dem Spiegel entstanden so per Handzeichnung in Schwarz-Weiß die einzelnen Bilder. „Ich brauchte ja die Mimik und machte den ganzen Tag meine Grimassen“, verrät Sommerfeld. Danach wurden die Bilder gescannt und auf dem Computer eingefärbt, bevor der Hintergrund dazukam. „Rund einen Tag brauche ich für ein Bild. Und das ist noch wenig“, sagt Sommerfeld. Seit 1993 ist die Güstrowerin freiberuflich als Kommunikationsgrafikerin tätig. Ingo Koch kennt sie von gemeinsamen Projekten.

Zielgruppe reicht von neun bis 99 Jahren

Die Zielgruppe reiche von neun bis 99 Jahren. „Angedacht war sie zuerst bis 16, aber wir hatten Probeleser aller Altersgruppen. Und selbst Eltern sagten uns, sie fänden den Comic spannend und hätten einiges noch nicht gewusst“, sagt Koch. „Ich denke, wer sich für Comics interessiert und nebenbei Geschichte aufnehmen und eine kleine interessante Kriminalstory lesen will, der kann sich damit identifizieren.“

Auch bei Lektor Thomas Gallien vom Hinstorff Verlag stieß die Idee auf positive Resonanz: „Inhaltlich passt der Comic bei uns super rein. Wir haben Mecklenburg-Vorpommern als Thema und finden Geschichte wichtig.“ Der Comic sei eine gute Form, um junge Leser für diese Themen zu begeistern.

Seit Anfang Juli ist der erst Band in den Läden

Seit Anfang Juli ist der erste Band für acht Euro in den Buchläden und online zu haben. Rund 1000 Exemplare umfasst die Erstauflage, deren Kosten laut Gallien im vierstelligen Bereich liegen. Mitfinanziert wurde er unter anderem von der Stiftung Mecklenburg und dem Land Mecklenburg-Vorpommern. Für Koch steht bereits jetzt fest, dass es eine Fortsetzung geben wird: Die ersten drei Episoden dafür hat er bereits zu Papier gebracht: „Es wird auf jeden Fall eine Reise in die Vergangenheit geben. Ob es eine Fantasiereise wird, etwas Mystisches oder eher Science-Fiction, ist noch nicht geklärt.“

Stefanie Büssing