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Kultur Hinter den Kulissen der „Blues Brothers“ in Rostock
Nachrichten Kultur Hinter den Kulissen der „Blues Brothers“ in Rostock
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21:09 30.06.2019
Letzter Kostümcheck: Alexander von Säbel ist einer der Hauptdarsteller der „Blues Brothers“ Quelle: Katharina Ahlers
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Rostock

„Es ist 19.15 Uhr, noch 15 Minuten bis zur Premiere“, tönt die Stimme von Inspizientin Christina Hennigs durch die Lautsprecher im Backstage der Halle 207. Alexander von Säbel steht vor dem Spiegel, setzt sich die Sonnenbrille auf und mustert sein Outfit: Weißes Hemd, schwarzer Anzug, Sonnenbrille, Krawatte und Hut. „Ich ziehe mich immer kurz vor dem Start um. Damit ich dann sofort auf die Bühne kann und nicht noch warten muss“, erklärt der 30-Jährige.

Von Säbel spielt Elwood Blues, einen der Hauptdarsteller im neuen Stück „Blues Brothers“. „Eine Premiere ist immer etwas Besonders“, sagt der Schauspieler. „Man ist gespannt, wie alles beim Publikum ankommt.“

Noch nach der Generalprobe gab es Änderungen

Regisseur Stephan Brauer umarmt seine Darsteller und klopft ihnen auf die Schulter. „Ich bin aufgeregt“, gesteht er. Acht Wochen hat das Team geprobt. „Während der Proben werden immer wieder Dinge geändert – das ist normal“, sagt der Regisseur. „Dieses Mal habe ich sogar nach der Generalprobe noch Kleinigkeiten geändert“, sagt er. Die Halle 207 habe einen ganz eigenen Charakter. Das Stück wird Brauer sich aus dem Publikum ansehen. „Als Zuschauer merke ich Fehler zwar, nehme sie aber nicht als solche wahr“, erklärt er.

Während sich die Plätze füllen, herrscht auch hinter der Bühne reges Treiben. Auf den Stühlen liegen die Kostüme geordnet für den schnellen Kleiderwechsel. 180 Outfits werden die 30 Akteure auf der Bühne präsentieren. Auf einem Tisch sind alle Perücken vorbereitet, auf einem weiteren befinden sich die Requisiten: Waffen, Handschellen und Geldscheine. „Das Geschehen hinter der Bühne ist ein eigenes Stück“, sagt Alexander von Säbel.

Maske, Kleiderwechsel, Proben: Am Sonnabend wurde in der Halle 207 die Premiere der „Blues Brothers“ gefeiert. Ein Blick hinter die Kulissen.

Warten auf den Einsatz

Regieassistent Marc Pawlowski schaut auf die Uhr. „Wir hängen schon zwei Minuten zurück“, sagt er. „Ich habe noch keine Premiere erlebt, die pünktlich startet.“ Auf der Bühne läuft schließlich ein Einspieler, bevor die ersten Darsteller unter großem Applaus vors Publikum treten. Hinter der Kulisse ist die Stimmung ausgelassen. Einige Darsteller tanzen und summen leise zur Musik, andere laufen konzentriert auf und ab und murmeln Texte. Auf dem Bildschirm von Hennigs, die als Inspizientin alle Bereiche koordiniert und Kommandos gibt, verfolgen sie das Geschehen und warten auf ihren Einsatz.

Die ersten Szenen sind geschafft. Darsteller rennen hinter die Bühne. „Aus dem Weg, weg“, ruft einer, schiebt sich an seinem Kollegen vorbei zum Bühnenaufgang auf der anderen Seite. „Ich bräuchte bitte dringend jemanden von der Maske zum Kleben“, ruft derweil der zweite Hauptdarsteller Özgür Platte und zeigt auf das Mikrofonkabel, das lose an seiner Wange herunterhängt. „Schnell! Das löst sich andauernd.“ Kaum ist das Kabel fixiert, geht es für den Darsteller auch schon wieder auf die Bühne.

30 Sekunden für den Kostümwechsel

Anna Gesewsky lässt sich auf einen Stuhl fallen und zieht ihre Stiefel aus. Während Chefmaskenbildnerin Beatrice Rauch die Perücke der Schauspielerin abnimmt, hilft Ankleiderin Angela Behrens ihr aus ihrem gelben Overall und in den schwarzen „Cat Woman“-Dress. „Ich habe acht verschiedene Kostüme“, sagt die 33-Jährige. „Es gibt schnelle Kostümwechsel – für einige habe ich 30 Sekunden. Das erfordert viel Koordination zwischen mir und meiner Ankleiderin.“ In den Proben habe der schnelle Kleiderwechsel nicht immer funktioniert. Doch an diesem Abend sind alle perfekt aufeinander eingespielt. Gesewsky springt auf und bewegt sich im Takt der Musik tanzend zum Bühnenaufgang. „Das Publikum ist gut drauf und macht mit. Das steckt an“, sagt sie.

Drei Darstellern gleichzeitig helfen

Zur Pause können alle Darsteller durchatmen. Behrens räumt die nicht mehr benötigten Outfits beiseite und bereitet sich auf den nächsten Umzug vor – teilweise hilft sie drei Darstellern gleichzeitig in die Kostüme. „Die Stimmung ist super“, sagt sie. „Leider bekommt man vom Stück nichts mit.“ Die Ankleiderin legt eine Jeans, eine Bluse und einen schwarzen Overall auf den Stuhl. „Das sind die nächsten beiden Outfits. Da dazwischen wenig Zeit ist, müssen sie schon beide Kostüme übereinander tragen. Das wird ganz schön warm.“

Gelungene Premiere

Nach drei Stunden und zahlreichen Zugaben verlassen die Darsteller die Bühne. Durchgeschwitzt, erschöpft, aber strahlend und glücklich klatschen sie sich ab, umarmen und gratulieren sich. Dann geht es spontan doch noch einmal auf die Bühne – das Publikum verlangt nach einer weiteren Zugabe. „Das war nicht geplant“, sagt Regieassistent Pawlowski und lacht. „Dafür haben sich die ganzen Strapazen und Anstrengungen doch gelohnt“, sagt eine der Ankleiderinnen und klatscht in die Hände. Für die gesamte Crew war es eine gelungene Premiere.

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