Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kultur Historische Seefahrt in Wismar: Bestsellerautor recherchiert auf Poeler Kogge
Nachrichten Kultur

Historische Seefahrt in Wismar: Bestseller-Autor recherchiert auf Poeler Kogge

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
07:40 09.02.2020
Der Schriftsteller Christoph Lode (43) aus Speyer schreibt unter dem Pseudonym Daniel Wolf historische Romane. Die Poeler Kogge "Wissemara" läuft zur Hanse Sail 2019 in Warnemünde ein. Quelle: Klaus Venus/Dietmar Lilienthal; Montage: RND
Anzeige
Wismar/Speyer

Nach vier erfolgreichen historischen Romanen über die Kaufmannsfamilie Fleury mit mehr als 800 000 verkauften Büchern widmet sich Bestsellerautor Daniel Wolf (43), der mit bürgerlichem Namen Christoph Lode heißt, nun der alten Hanse.

Für seinen neuen Roman „Im Zeichen des Löwen“ recherchierte der Autor, der in Speyer (Rheinland-Pfalz) lebt, auch in Mecklenburg-Vorpommern. Die OZ sprach mit ihm über Seefahrt, die Poeler Kogge, die Hansezeit und dicke Bücher.

Warum haben Sie sich für Ihren neuen Roman als Handlungsort das heutige Norddeutschland vorgenommen?

Ich wollte über Schiffbau und Seefahrt im Mittelalter schreiben. Da lag es nahe, die Geschichte in Norddeutschland anzusiedeln. Außerdem faszinieren mich Nord- und Ostsee sowie die deutschen Küstenregionen seit jeher. Zum einen ist diese Gegend historisch sehr spannend, zum anderen unterscheidet sie sich durch die Lage am Meer enorm von meiner Heimat, die vom Pfälzerwald, vom Weinbau und von der Rheinebene geprägt ist. Das Goldene Zeitalter der Hanse zwischen 1350 und 1450 ist der ideale Hintergrund für historische Romane.

Für den Roman haben Sie auch in Wismar recherchiert und eine Ausfahrt auf der Poeler Kogge „Wissemara“ mitgemacht. Warum haben Sie die Kogge für die Recherche ausgewählt?

Die „Wissemara“ ist ein originalgetreuer Nachbau einer spätmittelalterlichen Kogge, genauer gesagt ein Nachbau der vermutlich aus dem 14. Jahrhundert stammenden Poeler Kogge, die man 1999 bei der Insel Poel gefunden hat. Da der mittelalterliche Schiffbau ein zentrales Thema des Romans ist, habe ich mir von der Fahrt nützliche Informationen über Koggen versprochen. Ich wurde nicht enttäuscht: Die „Wissemara“ ist nicht nur sehr sehenswert. Die nette Crew hat außerdem meine Fragen zu mittelalterlichen Schiffen geduldig und kompetent beantwortet.

Welche Erkenntnisse über die Seefahrt zur Hansezeit haben Sie bei der Ausfahrt gewonnen?

Ich habe einen Eindruck bekommen, wie sich eine Kogge mit einem einfachen Rahsegel im Wind verhält, wie schwierig das Manövrieren und Navigieren mit einem solchen Schiff ist und wie hart das Leben der Besatzung im Mittelalter gewesen sein muss. Schlechte Ernährung, schwere körperliche Arbeit, wenig Schlaf und raue Witterung gehörten zum Alltag der einfachen Seeleute. Ich vermute, dass viele wegen der ständigen Feuchtigkeit an Bord an Rheuma litten. So etwas kann man nicht aus Büchern erfahren – das muss man vor Ort recherchieren, wenn man es später im Roman glaubwürdig und lebendig darstellen will.

In welcher Form sind Ihre Erkenntnisse in den neuen Roman eingeflossen?

Beispielsweise fahren einige Figuren auf einer Kogge von Lübeck nach Bergen in Norwegen, wo die Hanse einen Kontor unterhielt. Dank der Recherche auf der „Wissemara“ konnte ich mich besser in diese Situation hineinversetzen und die Gegebenheiten an Bord lebendig schildern: Wie hat man Segelmanöver ausgeführt? Wie Fracht verstaut? Wie die vielfältigen Gefahren einer Schiffsreise im Spätmittelalter überstanden? Wie hat die Mannschaft – das sogenannte Schiffsvolk – an Bord gearbeitet, geschlafen, gegessen?

Schiffbau und blutige Fehden

Daniel Wolf ist das Pseudonym des Autors Christoph Lode. Der 43-Jährige lebt in Speyer (Rheinland-Pfalz) und hat unter anderem vier historische Romane über die fiktive Kaufmannsfamilie Fleury vom 12. bis 14. Jahrhundert veröffentlicht: „Das Salz der Erde“ (2013), „Das Licht der Welt“ (2014), „Das Gold des Meeres“ (2016), „Die Gabe des Himmels“ (2018). Wolf wurde mit zweimal mit dem Literaturpreis „Homer“ des Vereins „Homer – Historische Literatur“ ausgezeichnet.

In seinem neuen Roman „Im Zeichen des Löwen“ erzählt Daniel Wolf die Geschichte der ostfriesischen Familie Osinga, die den Niedergang der Friesischen Freiheit im 14. Jahrhundert und den Aufstieg der Hanse zur nordeuropäischen Großmacht miterlebt. Die Osinga bauen Schiffe – Koggen – für die aufstrebende Hanse und sind in eine blutige Fehde mit einer rivalisierenden Familie verstrickt. Die Hauptfigur des Romans ist Jann Osinga, der ungeliebte Bastard des Familienoberhaupts, der mit seinen genialen Ideen die Schiffsbaukunst revolutionieren will, womit er sich allerdings nicht nur Freunde macht.

„Im Zeichen des Löwen“ (928 Seiten, 12 Euro) erscheint am 17. Februar 2020 im Goldmann-Verlag.

Alte Hansestädte sind zumeist stolz auf ihre hansische Vergangenheit. In Mecklenburg-Vorpommern tragen Wismar, Rostock, Stralsund, Greifswald, Anklam und Demmin den Titel Hansestadt im Namen. Was macht das Besondere der alten Hanse aus?

Als die Hanse in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts zu einem mächtigen Städtebund aufstieg, geschah etwas, das es im Mittelalter bisher nicht gegeben hatte: Kaufleute waren plötzlich in der Lage, große Politik zu machen und Fürsten, ja sogar ganzen Königreichen die Stirn zu bieten. Das stellte die herrschenden Verhältnisse im Spätmittelalter gehörig auf den Kopf. Plötzlich gab es eine länderübergreifende Organisation im Zeichen des Handels und das hat in Nordeuropa zu einem Modernisierungsschub geführt. Die Seefahrt, die Schiffstechnik, das Finanzwesen, die gesamte Gesellschaft haben sich weiterentwickelt.

Die Kogge von der Insel Poel

Das Wrack der sogenannten Poeler Kogge wurde 1999 bei Timmendorf auf der Insel Poel (Nordwestmecklenburg) gefunden. Zunächst nahm man als Bauzeit das 14. Jahrhundert an. Spätere Untersuchungen ergaben jedoch einen jüngeren Bau vermutlich um das Jahr 1773. Der Nachbau mit dem Namen „Wissemara“ erfolgte in Anlehnung an Schiffbaumethoden des 14. Jahrhunderts und wurde im Jahr 2006 fertiggestellt.

Ihr neuer Roman hat wieder einen Umfang von fast 1000 Seiten – so wie Ihre vorherigen Bestseller. Ist es denn für einen Autor kein Risiko, in Zeiten medialer Reizüberflutung so dicke Bücher auf den Markt zu bringen? Wäre – vom Verkauf her gesehen – ein schnell zu lesender 300-Seiten-Krimi nicht erfolgversprechender?

Das ist gut möglich (lacht). Aber über Marketingaspekte denke ich beim Schreiben kaum nach – das würde meine Kreativität einengen. Mir ist daran gelegen, eine packende und sauber recherchierte Geschichte zu erzählen. Die Seitenzahl ist für mich nachrangig. Wichtiger sind ein straffer Spannungsbogen, eine eingängige Sprache und glaubwürdige Charaktere, mit denen Leserinnen und Leser mitfiebern können. Sind diese Zutaten vorhanden, kann sich auch ein dickes Buch wie meines in unserer schnelllebigen Zeit behaupten.

Lesen Sie auch:

Von Axel Meyer-Stöckel

Als Daniel Cohn-Bendit 1954 neun Jahre alt war, wurde Deutschland Fußballweltmeister. Gefreut hat er sich darüber nicht. Im Interview mit Kristian Teetz erzählt der ehemalige Studentenführer, was ihm 1968 bedeutet, wie Fußball und Politik zusammenhängen – und was er an Joschka Fischer widersprüchlich findet.

09.02.2020

Er war ein Schauspielschwergewicht: Der Charakterdarsteller Volker Spengler, berühmt geworden durch Regisseur Rainer Werner Fassbinder, ist mit 80 Jahren gestorben. Auch im Ensemble von Christoph Schlingensief war er aktiv.

08.02.2020

Endspurt im Frankfurter Städel: Die Blockbuster-Ausstellung “Making van Gogh” läuft nur noch wenige Tage. Deswegen hat das Museum die Öffnungszeiten jetzt verlängert. Endgültig Schluss ist dann am 16. Februar.

08.02.2020