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00:00 09.02.2016
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Schwerin

Sie lernten sich an der SchauspielschuleErnst Busch“ in Berlin kennen. Der Regisseur Peter Dehler und der Schauspieler Thorsten Merten, heute beide 52 Jahre.

Sie sind noch immer befreundet und arbeiten gemeinsam auf der Bühne. „Das ist ja irre,“ sagt Dehler. Und Merten ergänzt: „Das kommt nur, weil wir uns nie mit den Frauen in die Quere kamen.“ Jetzt inszenieren Dehler und Merten gemeinsam am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin das Musical „Fame“. Dass damit ein Jugendtraum in Erfüllung geht, dagegen würden sie sich wehren. Aber eigentlich ist es genau das: „Fame“ — ein Traum aus der Jugend.

Am 12. November 1989, kurz vor seinem Intendantenvorsprechen am 18. November, war Dehler das erste Mal im Westen. West-Berlin. „Von meinen 100 Mark Begrüßungsgeld habe ich mir die Noten von ,Fame‘

gekauft“, sagt er. Und sechs Tage später hat er bei der Aufnahmeprüfung den Gänsehautsong „I sing the body electric“ aus dem Musical gesungen. „In der DDR war kurz vorher der erste Walkman auf den Markt gekommen — von Sanyo. Walkman aufsetzen, ,Fame‘ hören und an der Schauspielschule angenommen sein. Ich dachte, ich werde nie wieder ohne Kopfhörer rumlaufen.“ Glücksgefühle im Doppelpack. Mauer fällt und Karriere läuft an.

An der Schauspielschule läuft das Leben der Nachwuchsmimen scheinbar unbeschwert. Leben und leben lassen, lernen oder auch mal ausfallen lassen und gern mal auf Tour sein. Thorsten Merten sagt: „Ich bin ja nur wegen Peter Dehler Schauspieler geworden. Ich war wegen meines thüringischen Dialekts sprachlich so schlecht, dass ich in die Ausländerklasse kam — mit ein paar Chilenen.“ Der Mann kokettiert gern.

Dehler habe ständig freie Stücke inszeniert, die man dann irgendwo aufgeführt habe. Da kam Kohle rein und man habe ständig dazugelernt. Merten: „Wir waren ja viel ohne Dozenten unterwegs. Zum Beispiel haben wir am FKK-Strand von Prerow vor lauter Nackten gespielt. Das Lustige: Wir waren auch nackig, hatten aber tolle Hüte auf.“ Leider hatten die jungen Schauspielstudenten vergessen, dass man weder einem nackten Mann noch einer nackten Frau in die Tasche greifen kann. „Geld hatten die keins dabei“, so Merten. Dafür gab‘s Würstchen vom Grill.

Oder im Ural. Da haben die Berliner Studenten vor Bauarbeitern gespielt, die an der Erdgastrasse malochen mussten. Peter Dehler: „500 völlig ausgehungerte Kerle — alle mit Vollbärten und Alkoholproblemen.“ Als die Schauspieler reinkamen, hat der Saal erstmal gebrüllt: „Ausziehen! Ausziehen!“ Und dann haben sie den jungen Leuten aus Deutschland erzählt, dass vor einer Woche ein Schlangenbeschwörer da war. Der sei so langweilig gewesen, dass sie ihm die Schlange abgestochen und gebraten hätten. Mitten im Theaterstück der Deutschen hat einer Thorsten Merten angeschrien:

„Stopp, Pause! Du spielst jetzt nicht weiter. Ich muss pinkeln.“ Herrliche Anekdoten aus dem Leben zweier Künstler. Aber es geht halt nicht nur um Erinnerungsnostalgie.

„Genau darum geht es ja in dem Musical“, sagt Dehler: „Dass man als Schauspielstudent einfach nur glücklich ist und die Härten des Jobs nicht sieht. Diese naive Weltsicht wollen wir auf die Bühne bringen.“ Denn der Job sei noch härter geworden. So hart, sagt Dehler, „dass ich all meinen fünf Kindern davon abgeraten habe, Schauspieler zu werden“. „Fame“ ist ein Musical über die großen Themen des Erwachsenwerdens. Fast jeder kann sich noch an den Tanz auf den Autos in der New Yorker Innenstadt erinnern. Fast jeder kennt den Song „I sing the body electric“ mit den getragenen Streichern, den Irene Cara und Eddie Barth an der „High School Performing Arts“ vortragen. Es geht um Freundschaft, erste große Liebe, die Suche nach dem eigenen Weg, und es geht um jede Menge Selbstzweifel.

Dehler, der mit dieser Inszenierung seinen Abschied vom Mecklenburgischen Staatstheater gibt, wo er seit 1999 engagiert ist, sagt: „Unser Ziel ist es, tolle Musik und tolle Tanznummern auf die Bühne zu bringen, und zwischendurch wird‘s immer wieder seltsam. Wir sind gerade dabei rauszukriegen, wie wir das umsetzen, wie viel von unserer Erfahrung wir einbringen, ohne dass es langweilig wird oder zu seltsam.“

Für Thorsten Merten sei indes leider keine Rolle als jugendlicher Lover mehr herausgesprungen. „Der kann ja nicht mal Spagat in seinem Alter“, sagt Dehler. „Konnt‘ ich nie“, kontert Merten. Der Mann kokettiert halt gern.

Im Schweriner Musical „Fame“ spielt Merten, der in Schwerin auch als Volkspolizist Horkefeld in „Sonnenallee“ zu sehen war, einen der Dozenten. Der ist fürs Gemüt zuständig. Peter Dehler sagt: „Dafür brauche ich Thorsten. Fürs Emotionale. Thorsten ist so ein Tiefenforscher der Gefühle“. Hach, und dann werfen sich die beiden alten Freunde ganz verliebte Blicke zu.

Premiere: 18. Februar, 19.30 Uhr; Großes Haus Theater Schwerin



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