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Kultur Filmerlebnis in MV: Arthouse-Film versus Popcornkino
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09:29 02.12.2019
Engagiert sich mit seinen Mitstreitern mit viel Herzblut für das Kino im Kamp-Theater: Torsten Schellin (52), Vorsitzender vom Kino und Kulturverein Bad Doberan Quelle: Dietmar Lilienthal
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Bad Doberan

Torsten Schellin sitzt geschäftig am Schreibtisch im ehemaligen Vorführraum des Kamp-Theaters und tippt auf seinem Taschenrechner. Für den Vorsitzenden vom Kino und Kulturverein Bad Doberan gibt es immer etwas zu tun. Durch die Tür blickt man über die Empore hinab in den Saal mit den roten Plüschsesseln, auf denen sich die Zuschauer nur zu gern räkeln. 244 Plätze gibt es dort. Wenn es sehr gut läuft, füllt sich während einer Vorstellung knapp die Hälfte. Läuft es schlecht, bleibt ein Großteil leer. „Das kommt immer auf den Film und die Jahreszeit an“, sagt der 52-Jährige.

Das kleine heimelige Programmkino – es ist ein Herzensprojekt. „Als das Kino in Bad Doberan 2011 schloss, hat es ein Kinobetreiber aus Kühlungsborn noch mal versucht. Aber für den regulären Kinobetrieb gab es zu wenig Besucher“, erinnert sich Schellin. Um das Kino zu erhalten, gründete er mit weiteren Film- und Kulturinteressierten 2012 den Verein Kamp-Theater Bad Doberan, der sich später in Kino und Kulturverein Bad Doberan umbenannte.

Filme fernab vom Mainstream

Heute bespielt der Verein den kleinen Saal einmal wöchentlich mit zwei Vorstellungen. Gezeigt wird ein abwechslungsreiches Angebot an Filmkunst. „Dazu gehören anspruchsvolle Kinder- und Familienfilme, aber auch Dokumentarfilme – alles fernab des Mainstreams“, sagt Schellin. Damit liegt er bundesweit im Trend. Laut Zahlen der Filmförderungsanstalt (FFA) verzeichneten die Programmkinos bundesweit selbst im Kino-Krisenjahr 2018 lediglich ein Minus von rund zwei Prozent, während der Ticketverkauf bei den großen Kino-Ketten in MV um 20 Prozent einbrach.

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„Ich komme regelmäßig wegen der Filmauswahl und der besonderen Atmosphäre her“, sagt auch Elke Preuß (64) aus Rerik, die zur Vorstellung von „Die Frau des Nobelpreisträgers“ ins Kamp-Theater gekommen ist. „Es geht ja auch um die Geselligkeit. Das ist etwas ganz anderes, als zuhause alleine auf der Couch zu sitzen.“

Arthouse-Film statt Popcorn-Kino

Auf Arthouse-Film statt Popcorn-Kino setzt auch Jörg Mehrwald, Betreiber der Lichtspielstätte in Vitte. Und das mit Erfolg: Das Zeltkino auf Hiddensee hat sich unter Cineasten längst als Kult-Kino etabliert. „Die vergangene Saison haben wir mit einem Rekord von 13 000 Besuchern abgeschlossen“, sagt Mehrwald nicht ohne Stolz.

Auf anspruchsvolle Filme setzt auch das Lichtspieltheater Wundervoll, das in Rostock mit der „Frieda 23“ und dem „Metropol“-Kino an zwei Standorten vertreten ist. „Insgesamt haben wir rund 63000 Besucher im Jahr“, sagt Geschäftsführerin Anne Kellner. Die Zahlen seien bis auf leichte wetterbedingte Schwankungen über die Jahre relativ konstant geblieben. „Im Schnitt haben wir älteres Publikum, das den Kinobesuch Streamingdiensten vorzieht“, sagt sie. „Trotzdem kämpfen wir natürlich um Nachwuchs und sehen, dass dieser im Netz heute viele Alternativen hat.“

Dessen ist sich auch Ben Ansorge, Area-Manager der sieben Cinestar-Kinos in Mecklenburg-Vorpommern, bewusst. „Der Markt ist heute stärker segmentiert als noch vor 20 Jahren. Daher sind wir als Kinobetreiber gefordert, mit entsprechenden Angeboten zu reagieren.“ Dazu gehören laut Ansorge Formate wie Cine-Lady, Events für Kinder, Aktionen rund um Neustarts sowie alternative Inhalte, wie die Live-Übertragung der Met-Opera bis hin zum Rockkonzert.

Film-Highlights im Kinojahr 2019

Nach dem leichten Anstieg der Besucherzahlen im ersten Halbjahr 2019 blickt auch Ansorge wieder optimistisch in die Zukunft und zählt mit „Star Wars 9“, „Jumanji 2“, „Cats“, „James Bond“ und „Minions 2“ bereits die nächsten Film-Highlights im Kinojahr 2019 auf.

Für das Multiplex-Kino auf Rügen kommt das zu spät: „Der heiße Sommer im vergangenen Jahr könnte uns das Genick gebrochen haben“, sagt Sebastian Grabbert, der in Bergen für den Betrieb des Kinos verantwortlich ist. Im März kommenden Jahres schließen sich dort endgültig die Türen wegen sinkender Besucherzahlen. „Wir sind aber auch ein Einzelkino, im Gegensatz zu den großen Ketten erhalten wir weder Förderungen noch Vergünstigungen, die diese aufgrund ihrer Marktmacht aushandeln können“, erklärt er die Strukturen.

Diese Blockbuster muss man gesehen haben

Diese Sorge hat Ansorge nicht. Auch die Gefahr, dass es das Kintopp eines Tages nicht mehr geben könnte, sieht der 47-Jährige nicht. „Wir bieten unseren Gästen ein emotionales Gemeinschaftserlebnis, das gerade in einer immer stärker digitalisierten Welt wieder eine sehr wichtige Rolle spielt. Die Besucher durchleben gemeinsam große Geschichten und große Gefühle auf großer Leinwand. Ich glaube fest daran, dass diese Magie weiterhin Bestand hat“, sagt er.

Darauf setzt auch Torsten Schellin trotz der nicht immer leichten Vereinsarbeit. „Wir haben nur ein Ziel“, sagt er. „Und zwar, dass die Besucher den Kinosaal zufrieden verlassen.“

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