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Kultur Internationales Symposium würdigt Walter Kempowski
Nachrichten Kultur Internationales Symposium würdigt Walter Kempowski
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Dr. Katrin Möller-Funck im Kempowski-Archiv Rostock. Quelle: Thorsten Czarkowski
Rostock

Als der kleine Walter Kempowski, ungefähr acht Jahre alt, mit seinem Vater in Rostock spazieren ging, trafen sie einen Bekannten der Familie. Der kleine Walter wurde im Verlauf des Gesprächs nach seinem Berufswünschen gefragt. Seine Antwort war: „Ich möchte Archiv werden.“

Kempowski-Archiv pflegt das Erbe des Schriftstellers

Diese Anekdote weiß Katrin Möller-Funck zu berichten, die seit 2003 das Kempowski-Archiv Rostock leitet. Hier, im Haus 3 des Klosters zum Heiligen Kreuz, ist nicht nur ein Teil des Werkarchivs von Walter Kempowski untergebracht. Auf den drei Etagen ist es für jedermann möglich, in das Werk von des Rostocker Schriftstellers einzutauchen. Zu sehen ist unter anderem der originale Schreibtisch von Walter Kempowski, es gibt mit anderen Exponaten auch einen Einblick in die bürgerliche Lebenswelt der Familie Kempowski. Hier ist zudem ein Teil der Mecklenburg-Bibliothek von Walter Kempowski untergebracht. Ausgestellt sind des weiteren die Werkpläne für die Romane „Tadellöser und Wolff“ und „Uns gehts ja noch gold“. Im Obergeschoss des Hauses befindet sich mit unter anderem ein Seminarraum sowie weitere Archivalien.

Rostocker Symposium versammelt Literatur-Experten aus aller Welt

Das Haus dürfte in diesen Wochen verstärkten Zulauf bekommen. Denn der Geburtstag von Walter Kempowski, der sich am 29. April zum 90. Mal jährt, wird natürlich in Rostock ausführlich begangen. Im Mittelpunkt der Würdigungen steht ein Internationales Walter-Kempowski-Symposium, das gemeinsam von der Universität Rostock und dem Kempowski-Archiv organisiert wurde. Der berühmte Satz „Ich möchte Archiv werden“ ist nun die Überschrift einer Fachtagung, die Ende April in Rostock stattfindet. Was der Kindermund einst kund tat, das wurde Wirklichkeit. Walter Kempowski ist nicht nur ein bekannter Schriftsteller geworden, auch ein Archivar der deutschen Geschichte, insbesondere mit dem Mammutprojekt „Das Echolot“.

Rostock würdigt einen seiner großen Söhne

Stattfinden wird das diesjährige Literatur-Symposium in der Aula der Universität Rostock; es ist zwar eine Fachtagung, aber die Vorträge sind öffentlich. Und die Themen sind sehr unterschiedlich angelegt. „Die Forschungsarbeit ist so vielfältig, dass wir das Symposium nicht auf ein Thema einengen wollte“, sagt Katrin Möller-Funck. Das Symposium trägt nun den Untertitel „Walter Kempowskis Autorschaft und zwischen archivarischer Quelle und strategischer Wertpolitik“.

Enge Zusammenarbeit mit der Rostocker Uni

Einen wesentlichen Anteil an der erarbeiteten Konzeption hatte das Institut für Germanistik der Rostocker Uni. Ihr Direktor, der Rostocker Literaturwissenschaftler Lutz Hagestedt, wird zur Eröffnung am 26. April eines der Grußworte sprechen. Und der Eröffnungsvortrag wird von Jan Philipp Reemtsma gehalten, der Titel hier: „Alles umsonst? Indirekte Darstellungsweisen bei Walter Kempowski“. Die Referenten der dreitägigen Symposiums kommen aus aller Welt, unter anderen aus Irland, Kanada und den USA. Erwähnenswert dabei ist unter anderem eine Gesprächsrunde, die am 27. April um 19.30 Uhr stattfinden wird. Dazu sind die Schriftsteller Jenny Erpenbeck und Gregor Sander eingeladen, das Thema: „Die Rolle des Archivs für Autorschaft und Autorentechnik“. Auf diese Weise werden die Vorträge nicht nur für Spezialisten gehalten, sondern auch für Kempowski-Leser interessant.

Auch Hamburg begeht den Kempowski-Geburtstag

In den Siebzigerjahren wurden Kempowski-Romane nicht nur gelesen, auch die Verfilmungen erreichten ein großes Publikum, zum Bespiel die „Tadellöser und Wolff“, der 1975 von Regisseur Eberhard Fechner als Zweiteiler für das ZDF verfilmt wurde. Auch auf diese Weise erreichte der Rostocker Schriftsteller einen hohen Bekanntheitsgrad. Welche Bedeutung die Werke von Walter Kempowski auch heute überregional immer noch haben, wird darin sichtbar, dass sich ein weiterer Teil der Würdigungen in diesem Jahr in Hamburg abspielt. Zum 90. Geburtstag des Schriftstellers ist auch die in Hamburg-Altona angesiedelte „University of Applied Sciences Europe“ aktiv geworden. Diese private Uni hat sich im Rahmen eines Projekts mit Walter Kempowski beschäftigt. Studierende entwickelten unter Leitung von Prof. Christoph Büch Präsentationskonzepte für das Kempowski-Spätwerk „Ortslinien“. Vom 25. bis 29. April werden die Ergebnisse in Hamburg vorgestellt. Ebenso interessant: Axel Schneider, Chef des Altonaer Theaters, hat alle neun Bände der „Deutschen Chronik“ von Kempowski in Hamburg auf die Bühne gebracht, gegliedert wurden sie in vier Teile. Begonnen hatte dieses Projekt bereits 2018. Auch rund um den 90.Geburtstag des Schriftstellers werden die Theaterstücke wieder im Theater Altona aufgeführt.

Am Kempowski-Geburtstag wird eine Gedenktafel in Schwerin enthüllt

Ein wichtiger Termin steht am 90. Geburtstag von Walter Kempowski in Schwerin an. Am 29. April wird am Demmlerplatz eine Gedenkplatte für den Schriftsteller enthüllt, dort hatte der Schriftseller im Jahr 1948 in Untersuchungshaft gesessen. Damit sind die Würdigungen für Walter Kempowski aber noch nicht vorbei. Ende des Jahres soll im Kulturhistorischen Museum in Rostock eine Kempowski-Ausstellung öffnen, die derzeit in der Vorbereitung ist.

Das ganze Programm der Kempowskitage 2019 in Rostock unter: www.kempowski-archiv-rostock.de

Thorsten Czarkowski

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