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Kultur Junge Leute und Klassik – „Konzerte sind oft zu unpersönlich“
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Junge Leute und Klassik – „Konzerte sind oft zu unpersönlich“

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17:16 10.02.2020
Sarah Meyer und Richard Behrendt gehen häufig in klassische Konzerte. Sie genießen die klassische Musik und die Atmosphäre. Quelle: Nora Reinhardt
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Rostock

Ulrike Metz aus Kiel ist 39 Jahre alt und freut sich auf den Abend mit ihren zwei Freundinnen beim 6. Philharmonischen Konzert im Volkstheater Rostock. „Eine alte Schulfreundin von uns spielt im Orchester mit, zudem finde ich die Musik beruhigend“, sagt Metz. „Wir sind ja fast die Jüngsten hier“, sagt ihre Freundin Marianne Grabowski, als sie ihren Blick durch das Foyer streifen lässt.

Zehn Philharmonische Konzerte gibt es pro Saison am Rostocker Volkstheater. Doch das Klassik-Format erfreut sich vor allem bei älteren Besuchern großer Beliebtheit. Dabei bemüht sich die Norddeutsche Philharmonie seit Jahren, junge Menschen mit speziellen Formaten an klassische Musik heranzuführen: Beispiele dafür sind die Kinderkonzerte, wie „Beethoven for Kids“ am 26. Februar, oder die Konzerte für Teens in der Ospa-Arena, die jährlich tausende Schüler besuchen. Warum dennoch so wenige junge Besucher bei den Philharmonischen Konzerten vertreten sind, versucht Pianist Joseph Moog zu erklären, der am Sonntag beim 6. Philharmonischen Konzert mit der Rhapsodie über ein Thema von Paganini von Rachmaninow das Publikum in Staunen versetzte.

Konzerte müssen persönliche Erfahrungen werden

„Viele denken, klassische Musik ist nur etwas für Rechtsanwälte und Ärzte. Das ist ein Vorurteil“, sagt Moog. Er ist sich sicher, dass die Vermittlung von Musik ein entscheidender Faktor ist. „Konzerte müssen persönliche Erfahrungen werden. Der Graben zwischen Orchester und Publikum erscheint oft zu groß“, so Moog in einem exklusiven Interview mit der OZ.

In der heutigen Zeit sei das kulturelle Angebot groß. Jeden Abend fänden mehrere Konzerte statt. „Ich vermisse oft den persönlichen Bezug“, sagt hingegen die 38-jährige Besucherin Susanne Schwennigcke.

Für viele junge Menschen sei die rein auditive Erfahrung im Konzertsaal vermutlich nicht unterhaltend genug, vermutet Bea Premper. „Die Räumlichkeiten passen zur Stimmung. Alles ist ein bisschen altbacken. Das ist nicht besonders einladend für junge Menschen“, sagt die 26-Jährige, die zum ersten Mal bei einem klassischen Konzert ist. Dennoch könne ein solcher Abend auch für junge Menschen ein tolles Erlebnis sein – wenn sie sich darauf einließen. „Auf mich wirkt Klassik jedenfalls entspannend“, schwärmt Premper.

Popmusik klassisch interpretieren

Auch Sarah Meyer und Richard Behrendt – beide gehören mit ihren 29 Jahren zu den jüngeren Besuchern – gehen regelmäßig zu den Philharmonischen Konzerten im Volkstheater „Ich mag Klassik einfach mehr als Pop“, sagt Behrendt. Popkonzerte seien ihr häufig zu laut, sie genieße lieber die Atmosphäre bei einem klassischen Konzert, so Meyer.

Und wie könnte man nun noch mehr junge Leute für klassische Konzerte begeistern? „Ich mag es, wenn der Dirigent interaktiv mit dem Publikum ist. Und man könnte Popmusik klassisch interpretieren“, schlägt Behrendt vor. Auch Filmmusik komme bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sicherlich gut an.

Einführungen und Programmhefte

Und dann gibt es unter jungen Menschen oftmals die Angst, die Musik nicht zu verstehen. Doch die ist häufig unbegründet. Denn, was vielleicht viele Besucher nicht wissen: Das Theater bietet vor den Konzerten spezielle Einführungen an. So auch am Sonntag, als Dirigent Marcus Bosch im Gespräch interessante Einblicke in die Werke und das Thema des Abends, „Spielsucht“, gab.

Auch im Programmheft gibt es zu jedem Konzert Informationen zu Komponisten und Werken des Abends, durch die man die Musik besser verstehen kann. Also egal wie alt: Wer noch nicht bei einem klassischen Konzert war, könnte von der Musik mit ihren langen Linien und den farbenreichen, dynamischen Orchesterklängen durchaus positiv überrascht werden.

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Von Nora Reinhardt

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