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Nachrichten Kultur Künstler aus MV zeigen ihre Werke in der Kunstmühle Schwaan
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19:35 21.06.2019
Kuratorin Christina May vor der Arbeit „Turn the tension“ (2019) von der Künstlerin Monika Ortmann bei der Landeskunstschau in Schwaan. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Schwaan

Wie rote Spinnweben wirkt die Rauminstallation aus Damenstrumpfhosen („Turn the tension“, 2019), die Künstlerin Monika Ortmann aus Wittenhagen bei Grimmen um die historische Mühlenmechanik gespannt hat. Die Mühle als Mahlwerk, das zerreibt, aber auch als inszenierter Kunstraum, in dessen gewebeartiges Inneres der Besucher hineinschauen kann, auf den er sich einlassen muss. Kaum eine Arbeit könnte symbolischer für die 29. Landeskunstschau des Künstlerbundes MV sein, die heute unter dem Titel „Vom Groben zum Feinen – Durch die Mühle gejagt“ in der Kunstmühle Schwaan (Landkreis Rostock) eröffnet wird. Gezeigt werden rund 90 Arbeiten von 57 Künstlern – darunter Malerei, Zeichnung, Grafik, Skulptur, Objektkunst, Fotografie und Videoinstallation.

Bildergalerie: Das sind die Highlights der Landeskunstschau in der Kunstmühle Schwaan

Bereits zum 29. Mal findet die Ausstellung in Schwaan (Landkreis Rostock) statt. Ab dem 22. Juni werden die 90 Werke der 57 Künstler des Künstlerbundes MV gezeigt.

Die Mahlsteine der Mühle, die zerkleinern und verfeinern – sie stehen in der Schau als Motiv für Umwälzungen und Turbulenzen bis hin zum Chaos, sind Symbol für den künstlerischen Prozess der Verfeinerung, für überarbeitete Handlungen und Denkweisen sowie für biopolitischen und gesellschaftlichen Wandel. Und so geht es bei vielen künstlerischen Interpretationen auch um die Themen Nachhaltigkeit und Lebensumwelt.

Bojen in isländischer Tradition vernäht

Wie zum Beispiel bei der Wismarer Künstlerin Susanne Gabler, die sich bei einem Island-Aufenthalt im vergangenen Jahr mit dem Plastikmüll im Meer beschäftigte: „Mir ist aufgefallen, dass an allen Stränden kaputte Bojen angeschwemmt wurden. Zeitgleich habe ich gesehen, dass die Isländer ihr Porzellangeschirr reparieren, indem sie es nähen. Also habe ich die Bojen in isländischer Tradition vernäht, um sie wieder zum Einsatz auf dem Meer anzubieten“, sagt die Künstlerin. „Das ist natürlich eine Idiotie, aber ich stelle damit die Frage, ob wir aus Wiederholungen lernen.“

Auch die Kühlungsborner Künstlerin Anka Kröhnke hat ihren ganz eigenen Weg des Kunst-Recyclings nebst immanenter Konsumkritik gefunden: Aus zerschnittenen Aluminium-Dosen fertigt sie ihre farbenfrohen Kompositionen an, spielt mit Werbe-Schriftzügen, Farben, Formen und Lichteinfall. „Was mich immer wieder reizt, ist die Materialität und die Möglichkeit, aus Werbung etwas völlig anderes zu machen“, sagt Kröhnke.

Hightech-Version niederländischer Gemälde

Das Verhältnis von Mensch und Tier hat Sylvester Antony so erschreckend wie humorvoll in Szene gesetzt: „In meiner Küche“ und „Du dumme Sau, Du“ nach einem wütenden Kinski-Zitat hat der Künstler aus Wrodow bei Mölln (Schleswig-Holstein) seine Fotogemälde genannt. Seine Arbeiten, die er selbst als eine Art Hightech-Version niederländischer Gemälde aus dem 17. Jahrhundert bezeichnet, zeigen im Stil alter Meister als Stillleben inszenierte Schweinefüße mit roten Kunstnägeln und ein Beil inmitten zweier abgetrennter Schweineohren. „96 Prozent der Gene vom Schwein sind denen vom Menschen identisch. Man könnte fast sagen, dass wir Kannibalen sind, wenn wir uns an Schweinefleisch ranmachen. Aber die Art, Tiere zu behandeln und das Verhältnis von Mensch und Tier ist auf jeden Fall verbesserungswürdig“, sagt Antony.

Für die aktuelle Schau hat das Kunstmuseum, in dem sonst Arbeiten aus der Zeit der ehemaligen Künstlerkolonie zu sehen sind, seine Dauer-Ausstellung auf eine Etage reduziert: „Wir wollten einen möglichst breiten Querschnitt zeitgenössischer Künstler aus MV zeigen. Das war auch für uns eine besondere Herausforderung“, sagt Museumsleiter Heiko Brunner.

Landart Installationen im Park nehmen Bezug zum Raum

Angeordnet hat Kuratorin Christina May, die das Augenmerk sowohl auf atmosphärische Rauminszenierungen wie auch auf kleine Formate gerichtet hat, die Arbeiten nach verschiedenen Themenschwerpunkten: „Im Park haben wir Landart Installationen, aber auch zwei Skulpturen eingebracht, die Bezug auf den Raum nehmen und sich mit Architektur, Natur aber auch mit Themen wie Energiegewinnung und Nachhaltigkeit auseinandersetzen.“ Bei einer Kunstaktion zur Schau soll der Park zudem mit silbernen Zwergen „belebt“ und ins Phantastische gerückt werden.

Auch in der Mühle ist die Schau nach verschiedenen Schwerpunkten unterteilt: So wird beispielsweise beim Thema „Raum, Wahrnehmung und Landschaft“ Letztere zur Projektionsfläche für Stimmungen und Seelenzustände. Geschredderte Röntgenbilder, die zwischen Abstraktion und einem konkreten Körperbild vermitteln oder psychische Verletzungen, die durch ein Nadelkissen symbolisiert werden, aber auch Arbeiten zu Feminismus und Frauenbewegung stehen unter anderem für das Thema „Körperbilder und Identitäten“.

Skurriles in der Wunderkammer

In der „Wunderkammer“ finden unter anderem Landschaften der Romantik, biblische Legenden, surreale Gesichter und ein transparenter Pferdekörper zueinander, während in einer Video-Installation behandschuhte Hände einen Staubsaugerbeutel aufreißen und mit dem Dreck in den weißen „Reinraum“ hineinwirken. Um das Thema „Malstrom, Mühlen, Mythen“ geht es im Erdgeschoss. Über eine Brüstung gebeugt erhascht der Besucher dort einen Blick auf Robert Günthers elektronisch betriebenen „Malstrom“ (2019) aus Plastiktüten und Acryl, der als kreisender hypnotischer Strudel den Blick des Besuchers einzusaugen scheint. Inspiriert haben den Künstler unter anderem die Mythologie und Geschichten von Edgar Allan Poe.

Dass einige Werke durchaus zum Diskutieren einladen, ist Museumschef Brunner bewusst. „Das ist durchaus gewollt“, sagt er. „Gefällige Kunst haben wir zur Genüge.“

Termine und Öffnungszeiten

Die Eröffnung ist am 22. Juni um 14 Uhr mit Begleitprogramm im Park der Kunstmühle Schwaan (Mühlenstraße 12). Schirmherrin der Schau, die bis zum 1. September zu sehen ist, ist Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.

Begleitet wird sie durch ein Rahmenprogramm mit einem Bildhauer-Symposium, einem Schüler-Workshop (4. Juli von 10 bis 13 Uhr), der Kunstaktion „Muttererde“ (17. und 31. August), einem Kunstspaziergang (18. August, 14 Uhr) sowie der Midi- (27. Juli, 17 Uhr) und Finissage (1. September, 16 Uhr).

Infos und Anmeldung unter: www.kunstmuseum-schwaan.de

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