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Kultur Kabarettist Marco Tschirpke: „Ein Imageberater hätte seine Freude an mir“
Nachrichten Kultur Kabarettist Marco Tschirpke: „Ein Imageberater hätte seine Freude an mir“
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14:30 28.08.2019
Marco Tschirpke Quelle: Harry Schnitger
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Prerow/Berlin

Marco Tschirpke hat gerade gefrühstückt und seine beiden Söhne zum Kindergarten gebracht. Er steht in seiner Berliner Wohnung im Prenzlauer Berg und schaut aus dem Fenster auf vorbeifahrende Straßenbahnen. Am Mittwoch ist er bei der Cartoonair-Abendshow in Prerow zu Gast. Titel des Programms: „Frühling, Sommer, Herbst und Günther“. Der 44-Jährige, der in Brandenburg aufwuchs, ist Kabarettist, Autor, Pianist und Träger des Deutschen Kleinkunstpreises 2018 in der Sparte Chanson, Lied, Musik. Auffällig ist vor allem die radikale Kürze seiner Gedichte und Lieder, kein Wort, kein Ton zu viel. Kritiker sagen über ihn, er habe einen Hang zur kurzen Poesie, seine Lieder seien wie Kinderlieder, nur eben nicht so naiv. Im Gespräch sagt er unter anderem, was ihn fassungslos macht.

Tragen Sie ein Tattoo?

Marco Tschirpke: Nein! Ich würde höchstens auf die inneren Organe Tattoos schreiben lassen: Leber, Herz – damit der Chirurg weiß, worum es sich handelt.

Freuen Sie sich auf Prerow?

Sehr. Ich war im vergangenen Jahr bei der Cartoonair-Abendshow und war von zwei Dingen überrascht: zum einen war das Publikum sehr offen, zum anderen war ich von der Infrastruktur Prerows begeistert. Für Familien ist das ein schöner Ort.

Ihr Programm ist ein Mix aus Liedern und Gedichten. Gibt es ein Hauptthema?

Das Programm ist fadenfrei – es hat keinen roten Faden. Dafür eine hohe Taktung. Ich weiß, das ist ein bisschen fordernd, was ich da mache. Ich habe zwar eine Liste mit Liedern auf der Bühne, jedoch hat die Liste für mich eher Vorschlagscharakter. Ich reagiere aufs Publikum und spiele dann nach Lust und Laune. Dramaturgisch ist das eine Katastrophe.

Sind sie ein politischer Mensch?

Das bin ich. Aber ich mache kein tagespolitisches Kabarett.

Was macht Sie fassungslos, wütend und traurig?

Der momentane Weltzustand. Die neue Rechte.

Vor 30 Jahren brach die DDR zusammen. Ein Thema?

Gar nicht. Das hat sich für mich völlig erledigt, auch wenn das in den Medien derzeit eine große Rolle spielt – ich bekomme von der Tagespresse nicht viel mit.

Sie tragen meist graue Kleidung. Warum?

Das ist meine Einfallslosigkeit. Kleidung ist ein uninteressantes Gebiet; ein Imageberater hätte seine wahre Freude an mir.

Finden Sie Ihre Ideen für Programme unterwegs, zu Hause oder an der Ostsee?

Mein Kopf rattert die ganze Zeit. Die Antennen sind immer an. Das muss auch in meinem Beruf so sein.

Gibt es Kollegen, die Sie schätzen?

Zum Beispiel Sebastian Krämer finde ich groß – handwerklich ist der Mann top. Ebenso Pigor & Eichhorn.

Sind Sie beruflich von Ihrer Familie vorgeprägt gewesen?

Überhaupt nicht. Man macht so etwas eher, wenn die Kindheit problematisch war.

Ist Brandenburg noch Ihre Heimat, auch wenn Sie in Essen Musiktheorie und Klavier studiert haben und in Berlin leben?

Ich benutze den Begriff Heimat gar nicht. Ein Bekannter hat mal auf die Frage, wo seine Heimat sei, geantwortet: Ich gebe meine Adresse an.

Welche Musik hören Sie gern?

Zurzeit Jean-Philippe Rameau, einen Zeitgenossen von Johann Sebastian Bach, der von Ludwig XV. protegiert wurde. Beim Pop höre ich viel New Jazz. Leute, die Musik studiert haben, mögen es gern, wenn die Musik komplexer und vertrackter ist; mit Mainstream sind sie unterfordert.

Was tun Sie, um nicht selbstgefällig und satt zu werden?

Diese Gefahr ist immer da. Es bleibt stets die Frage: Wie erarbeite ich mir den Beifall des Publikums, ohne ihm nach dem Munde zu reden. Ich lasse mir deshalb von niemandem in meine Arbeit hineinreden und verhandle meine Themen zu meinen Bedingungen.

Bleiben Sie noch etwas in Prerow, um zu entspannen?

Wir kommen zu viert und bleiben bis Sonntag. Möge der Wettergott so wohlgelaunt sein wie wir!

Können Sie uns bitte eine Kostprobe eines Vierzeilers geben?

STAUBWISCHEN

Auf den Birkenholzfurnieren,

Die die Spanplatten kaschieren,

Schieb ich hin und her das Tuch.

Und weshalb? Es kommt Besuch.

Letzte Show bei Cartoonair

Das 12. Karikaturen Freiluft-FestivalCartoonair am Meer“ in Prerow ist bis zum 15. September geöffnet, täglich 11 bis 19 Uhr. Zu sehen sind gut 220 wetterfeste Karikaturen von 66 Karikaturisten im Garten des Kulturkatens. Eingebettet in das Festival sind Abendshows.

Die letzte Cartoonair-Abendshow startet Mittwoch (28. August) um 20 Uhr. Gast ist Marco Tschirpke. Sein Programm „Frühling, Sommer, Herbst & Günther“ dauert zwei mal 45 Minuten. Eintritt: 19,20 Euro

Weitere Cartoonair-Veranstaltungen:

13. September – Die große Cartoon-Live-Nonstop-Show, 19.30 Uhr, freier Eintritt

14. September – Cartoonisten zeichnen live, 14.30 bis 17.30 Uhr, freier Eintritt

15. September – Publikumspreis, 11 Uhr, freier Eintritt

Adresse: Prerow, Waldstraße 42

Info:
cartoon-am-meer.de

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