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Kultur Kirchendach erst zur Hälfte repariert
Nachrichten Kultur Kirchendach erst zur Hälfte repariert
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00:00 13.01.2014
Die Dachklempner Bernd-Dieter Klatt (56, l.) und Mathias Müller (32) von der Demminer Firma Horn bei Arbeiten auf dem nördlichen Seitenschiffdach von St. Nikolai. Quelle: Marlies Walther
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Stralsund

Das Dach von St. Nikolai bleibt der Knackpunkt. „Bis jetzt sind die Arbeiten gut voran gekommen“, sagt Pastor Hanns-Peter Neumann. Rund 1,2 Millionen Euro wurden bereits verbaut. Allerdings komme man nun in eine „kritische Situation“. Der siebenjährige Förderzeitraum für das Denkmal mit nationaler Bedeutung mit Geldern von Land und Bund endete per 31. Dezember 2013.

Wie es finanziell weitergeht, ist noch nicht entschieden. Das Dach allerdings ist gerade erst mal zur Hälfte erneuert. Doch die in den 1970er-Jahren verlegten Kupferbleche zeigen Risse, durch die Regenwasser ins Gebälk dringt. Feuchte Flecken, morsche Balkenköpfe, Hausschwamm und giftige Holzschutzmittel erfordern eine komplette Neueindeckung.

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Neumann hofft, dass Bund und Land zu der Erkenntnis kommen, dass man die Dachsanierung jetzt nicht einfach abbrechen kann. Die Kosten für den vierten Bauabschnitt belaufen sich auf 550 000

Euro. Beantragt wurden dafür erneut Gelder beim Bund (250 000 Euro) und beim Land (100 000 Euro). Mit 100 000 Euro würde sich der Kirchenkreis beteiligen. Weitere 100 000 Euro sollen von der Gemeinde und vom Förderverein kommen, der die Stralsunder um Spenden bittet.

Die 2014 geplanten Arbeiten umfassen weitere Dachabdeckungen aus Kupfer mit einer Dampfsperre und Lüftungsschlitzen zur besseren Regenentwässerung. An den Balken des Dachstuhls erfolgen Zimmermannsarbeiten wegen des Schwammbefalls. Außerdem sollen die Obergadenfenster saniert und das Mauerwerk ausgebessert werden. „Eine Herausforderung wird der Bereich um den Dachreiter darstellen“, sagt Neumann.

Weiterhin steht die Restaurierung der Gestühle der Ahusfahrer und Goldschmiede auf dem Programm. Das war ursprünglich bereits im vorigen Jahr geplant, hatte sich aber durch andere Bauvorhaben verzögert. Im Sommer soll das 60 000-Euro-Projekt, das ebenfalls mit Spenden finanziert wird, in Angriff genommen werden. In den nächsten Monaten erfolgen die Ausschreibungen. „Spektakulär“ nennt Neumann dabei die Nachschnitzung des Bischofs Eligius, des Schutzpatrons der Goldschmiede, sowie verloren gegangener Blumenornamente.

Schließlich brennt Neumann noch ein Vorhaben auf den Nägeln: Das barocke Taufgehäuse, das Anfang des 18. Jahrhunderts von dem Stralsunder Elias Kessler geschaffen wurde. „Problematisch ist die starke Verseuchung mit Holzschutzmitteln“, so Pastor Neumann. Deshalb befindet sich das Gehäuse immer noch hinter einer Plane, vom Kirchenschiff abgetrennt. Die schadstoffbelastete Luft wird abgesaugt und gefiltert.

Bereits vor Jahren gab es eine Reinigung und Festigung. Erhoffte Welterbemittel blieben aber aus, so dass die Arbeiten stockten. Jetzt müsse es schnell weitergehen, damit es nicht zu erneuten Ausblühungen des Holzschutzmittels kommt. Neumann rechnet mit Kosten von rund 350 000 Euro und setzt auf die Unterstützung von Stiftungen und privaten Spendern. Mit der Bedeutung des Gesamtwerkes von Kessler, der als einer der bedeutendsten Bildhauer der Barockzeit in unserer Region gilt, beschäftigt sich der Greifswalder Kunsthistoriker Detlef Witt. Eine Publikation befindet sich in Vorbereitung.

Wir hoffen, dass Land und Bund zur Erkenntnis kommen, dass man die Dacharbeiten jetzt nicht abbrechen kann.“Hanns-Peter Neumann (56), Pastor

Marlies Walther