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Kultur Kopfkino: Mit ihren Bildern erzählt Claudia Otto Geschichten
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00:00 07.04.2017
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Heringsdorf

„Als Soloflötistin am Theater Vorpommern bin ich der Vergänglichkeit von Tönen unterworfen“, sagt Claudia Otto. Mit ihren Bildern hat die Foto-Künstlerin eine Ausdrucksmöglichkeit gefunden, die bleibt. 35 ihrer SchwarzWeiß-Fotografien zeigt der Usedomer Kunstverein zurzeit unter dem Titel „Sinn.Bild“ im Kunstpavillon in Heringsdorf.

„Den Titel habe ich gewählt, weil viele Bilder eine Geschichte erzählen“, sagt Otto. „Es sind keine Abbildungen, sondern sie entstehen aus der Phantasie.“ Gedanken aus Büchern, Philosophisches, Märchen oder Träume – all das inspiriert Otto zu ihrem „Kopfkino“, das sie fotografisch umsetzt. Beispielsweise bei ihrer Reihe „Wie lange dauert das denn ... ?“ (2013), bei dem Otto ihre Protagonistin kurzerhand mit den Haaren an der Wäscheleine festgeklammert hat.

Was so spielerisch aussieht, ist akribisch in Szene gesetzt, dabei überlässt Otto nichts dem Zufall: „Ich weiß genau, was ich will und setze es auch um“, betont sie. Mit ihrer konzeptionellen Fotografie verknüpft sie ästhetische Form und Bildaussage. Und dass die nicht immer bierernst sein muss, zeigen Fotos wie jene aus der Serie „Der Obstteller“, die zwischen 2013 und 2015 entstanden ist. Zu sehen ist ein Modell, das einen üppig mit Obst dekorierten Kopfputz trägt, aber nur einen kleinen Apfel in der Hand hält und leicht säuerlich in die Kamera blickt. Im nächsten Bild ist es ein Riesen-Apfel auf dem Teller und ein klitzekleiner Löffel, mit dem die Protagonistin zu kämpfen hat, während sie im dritten Bild schließlich scheinbar resigniert auf Apfelmus zurückgreifen muss. „Die Requisiten sind lediglich Mittel zum Zweck, letztlich geht es immer um den Inhalt“, sagt Otto. Mit ihren Bildern gibt sie den Rahmen vor, lässt zugleich Spielraum für Interpretation. „Mit meinen Fotos versuche ich, hinter die Dinge zu schauen und das Wesen von etwas zu erfassen“, sagt sie. Wichtig ist Otto, dass das Ergebnis etwas beim Betrachter auslöst, Assoziationsketten in Gang setzt, Emotionen und individuelle Erfahrungen heraufbeschwört.

„Sicher sind es auch eigene Erlebnisse, Sorgen, Probleme oder Traumata, die man in den Bildern verarbeitet, auch wenn einem das nicht immer bewusst ist“, sagt Otto, die sich mit ihren Bildern an verschiedenen Emotionen abarbeitet – in einer weiteren Serie Seelenzustände wie Angst, Niedergeschlagenheit oder Resignation umsetzt.

Auch die Umgebung von Greifswald, wo die Künstlerin seit 30 Jahren lebt, hat die 52-Jährige in Szene gesetzt. Oft sind ihre melancholischen Landschaften, wie Otto sie nennt, nebelverhangen und erzeugen eine diffuse Spannung. „Auch da kann sich der Betrachter seine Geschichte selbst spinnen“, sagt sie.

In einem dritten Ausstellungsbereich widmet sie sich auf humorvolle und ungewöhnliche Weise dem weiblichen Akt, indem sie beispielsweise bei „Der verrutschte Kragen“ den Fokus nicht auf die nackte Brust, sondern auf den Plisseekragen lenkt. „Ich versuche anders heranzugehen, als es die Männer machen würden“, verrät Otto. Auch dabei muss alles stimmen: „Oft sind es nur Nuancen, die für mich das perfekte Bild ausmachen“, sagt sie.

Otto, die in Berlin aufgewachsen ist, fotografiert seit der Kindheit. Beigebracht hat sich die Künstlerin, die mit Streetfotografie begann, alles autodidaktisch. „Ich habe gelernt, Spannungsbögen zu schaffen“, sagt sie. Ein Mittel, mit dem sich nicht nur in der Musik Emotionen erzeugen lassen.

Kunstpavillon: Promenade am Rosengarten, Heringsdorf; geöffnet mittwochs bis sonntags, 15 bis 18 Uhr

Stefanie Büssing

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