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Kultur „Ich wünsche mir Glück mit Turbulenzen“
Nachrichten Kultur „Ich wünsche mir Glück mit Turbulenzen“
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05:03 31.12.2018
Tausendsassa: Künstler Feliks Büttner bei einer Signierstunde 2018 im Rostocker Hof. Quelle: Danny Gohlke
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Rostock

„Nur ein Strich zu viel und ich sehe gleich zehn Jahre älter aus“, sagt Feliks Büttner und blickt kritisch auf den schwungvoll gezeichneten Mini-Büttner auf seinem Entwurf. Für die Leser der OSTSEE-ZEITUNG hat der Maler und Grafiker, der 1994 den knallroten Kussmund der Aida-Flotte erschaffen hat, gute Wünsche für das neue Jahr skizziert. Mit schwungvollem und doch präzisem Strich hat er eine verspielte Nixe mit Matrosenhütchen aufs Papier gebracht, die dem Künstler im weißen Malerkittel zuprostet.

Seine Zeichnung ist so lebhaft, wie der Jazz, den er so gern hört. Sie ist bunt, schillernd und eigenwillig zugleich, so wie der Künstler selbst. „Es gab auch einen Entwurf, auf dem ich allein zu sehen war, aber das ist vielleicht ein wenig zu eitel“, gibt er freimütig zu. Denn: Genauso kritisch, wie mit seinen Bildern, auf denen jedes Detail zählt, ist er auch mit sich selbst. „Und mit anderen“, sagt Büttner. Er mache es anderen nicht leicht, sagt er. „Unbequem und kritisch“, nennt er sich selbst. Und das nimmt man ihm ab. Er, der 78-Jährige, nimmt kein Blatt mehr vor den Mund. Das hat er noch nie. Aber nun, im Alter, so scheint es, legt er ganz bewusst den Finger in die Wunde. „Kabarettistisch übertrieben“, nennt er das. „Sonst hört ja keiner zu.“

Seine Aussagen seien bewusst so plakativ wie seine Plakate. „Das hängt vielleicht mit meiner Arbeit zusammen“, sagt Büttner. Von 1956 bis 1960 absolvierte Büttner eine Lehre zum Dekorateur und Plakatmaler in Zeitz, begann 1961 ein Studium an der Fachschule für Angewandte Kunst Heiligendamm, das er nie abschloss. Bereut habe er das bis heute nicht. „Meine Akademie ist das Leben“, sagt Büttner gerne. Und Letzteres bescherte dem liebenswerten Paradiesvogel, der zwischenzeitlich als Theatergrafiker in Frankfurt Oder und am Rostocker Volkstheater tätig war, einen Werdegang, mit dem er selbst nie gerechnet hätte: Mit Auge und Kussmund erschuf Büttner 1996 das wohl bekannteste Gesicht der Kreuzfahrtgeschichte. Mit der neuen Aidanova, die im Dezember erstmals in See gestochen ist, fahren nun insgesamt 13 von Büttner gestaltete Schiffe über die Weltmeere. Dabei hat er jedem Schiff ein individuelles Antlitz gegeben. „Weil ich mich nach der Form der Schiffe richten muss, sieht jeder Mund ein wenig anders aus“, sagt Büttner. Auch hier muss jeder Strich stimmen, notfalls legt der Meister noch mal selbst Hand an.

Der Kussmund, er hat Büttner berühmt gemacht. Trotzdem sind die quietschroten Stahl-Lippen für den Künstler Fluch und Segen zugleich. „Auf der einen Seite ist es furchtbar. Oder wären sie gern der ewige Kussmund-Maler?“, fragt Büttner. Andererseits, sagt er, habe er der Aida viel zu verdanken. „Es ist schon gut, wenn man einen Partner hat, der das Projekt mit einem durchzieht. Die Aida war das erste Kreuzfahrtunternehmen, das ein Schiff hat bemalen lassen, das hat es vorher ja noch nie gegeben.“

Trotzdem sieht sich Büttner auch als politischer Zeichner und Maler, engagiert sich als Mitglied der Vereinigung „Alliance Graphique International“ bei Wettbewerben und Aktionen in aller Welt. „Kreativität muss auch politisch sein“, sagt Büttner. „Ich möchte mir nicht sagen lassen, dazu habe ich mich nicht geäußert.“ Eines seiner Projekte für 2019 ist ein Aufruf zu einer internationalen Plakat-Aktion mit dem provokativen Titel „Reich scheißt auf arm“, die er gemeinsam mit dem Verein Lido Kunstmühle Feliks Büttner initiiert.

Der Verein, dem zurzeit 40 Mitglieder angehören, wurde im Juli 2017 gegründet, um das Oeuvre des Künstlers zu bewahren und die Mühle, die er 1976 kaufte und zur Kunstmühle mit Atelier umgestaltete, zu erhalten. Mit Ausstellungen, Führungen, Konzerten und Lesungen soll sie auch nach seinem Tod weiterhin mit Leben gefüllt werden. Es scheint, als habe sich Büttner intensiv mit seinem Leben beschäftigt, dem zurückliegenden und dem, das noch vor ihm liegt. „Das kommt mit den Wehwehchen“, sagt er nachdenklich. Trotzdem hat er noch so einiges im Köcher: „Küchenlieder“ heißt passenderweise ein weiteres aktuelles Projekt – ein Buch mit Gedichten des Komponisten und Sängers Thomas Putensen, die Büttner illustriert hat. Mitte Januar soll das Buch, das eine CD mit den teilweise vertonten Texten enthält, erscheinen.

Auch privat ist Büttner ein Genussmensch. Dass er erst nach der Wende die wirklich guten Weine schlürfen konnte, bereue er bis heute, sagt er. „Ich mag feines Essen in kleinen Portionen, aber kein Seniorenteller, der ist mir peinlich“, sagt er in seiner gewohnt direkten Art. Und was wünscht Feliks Büttner sich und den Lesern der OSTSEE-ZEITUNG nun für 2019? „Glück mit Turbulenzen“, sagt der 78-Jährige mit einem schelmischen Lächeln. „Alles andere wäre ja zu einfach.“

Stefanie Büssing

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