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Kultur Kultband Men at Work feiert Comeback in Deutschland
Nachrichten Kultur Kultband Men at Work feiert Comeback in Deutschland
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14:05 14.05.2019
Colin Hay (Mitte) mit seinem aktuellen Projekt Men at Work. Quelle: Jorge Sayegh
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Mill Valley

„Nein, das sind nicht die alten Men at Work“, kommt Colin Hays Stimme rau durchs Telefon. Sein Freund, der Flötist Greg Ham ist lange tot, zwischen Co-Gründer Ron Strykert und Hay herrscht seit zwölf Jahren grimmige Funkstille. „Die neuen Men at Work sind die Musiker, mit denen ich auch in den USA unter meinem Namen toure“. Wie jetzt – Hay ist zum Zeitpunkt des Interviews unterwegs durch hügelige Landschaften, von Las Vegas ins kalifonische Mill Valley, wo er abends ein Konzert geben wird. In Nordamerika kennen die Leute ihn und seine Soloalben, in Europa erinnert man dagegen vor allem die Lieder von Men at Work aus der ersten Hälfte der Achtzigerjahre.

Mit Ringo Starr Down Under on Tour

Als er im Vorjahr als Sänger und Gitarrist von Ex-Beatle Ringo Starrs All Starr Band durch Europa tourte, reifte der Plan einer Men-at-Work-Tour. Da bemerkte der 65-Jährige, wie gut die alten Stücke noch ankommen. „Die Leute sangen und tanzten und waren total gut drauf.“ Geschuldet ist die Begeisterung den Men-at-Work-Soundwurzeln Ska und Reggae – traditioneller Sonnenmusik. Wobei Oldies wie „Overkill“, „Be Good Johnny“ und „Who can it be now?“ von dem Überhit „Down Under“ weit überragt werden – einem Gute-Laune-Lied über Australiens „glühende Frauen“ und „plündernde Männer“. Alle Australienklischees tanzen hier zum Offbeat.

Der Song aus zahllosen Werbespots und Australiendokus hat es zu einer Art inoffizieller Nationalhymne des fünften Kontinents gebracht, obwohl er „kein Celebration Song, kein Nationaldings zum Fahnenschwenken“ sei. „Es geht um die Gefahren, die Einzigartigkeit Australiens einzubüßen.“ Hay lacht. „Dabei hatten wir das Potenzial des Stücks erst gar nicht erkannt“, erinnert er sich an die Anfänge der Band, die „Down Under“ auf die B-Seite einer Single verbannte. „Damals klang der Song noch ganz anders. Wir jammten viel, endlos mäandernde Stücke und ,Down Under‘ war zu Beginn so ein langes, langsames Jam-Stück.“

De gebürtige Schotte Colin Hay kam mit 14 nach Australien

Die Anfänge – das war 1979. Da wollte der gebürtige Schotte, der mit 14 Jahren nach Australien kam, mit seinen Freunden „die Welt erobern“. Und nach zwei erfolgreichen Alben und einem erfolglosen dritten Werk gingen Men at Work 1986 den Weg so vieler Bands: Zwist und Aus. Wobei: „So richtig verlassen habe ich die Band nie“, sagt der Musiker, der heute mit seiner Frau, der peruanischen Sängerin Cecilia Noel, in Topanga lebt, dem Songwriter-Canyon, der auch für Neil Young oder Joni Mitchell Heimat war. 1989 kam er nach Kalifornien, 2016, im Jahr der Trump-Wahl, wurde er US-Bürger. „Trump kann ich nicht reden hören, ich kann ihn nicht ertragen“, sagt er über den US-Präsidenten. Und er hofft für 2020 auf einen strahlend aufsteigenden Kandidaten der Demokratischen Partei. „Aber es ist natürlich auch möglich, dass Trump wiedergewählt wird. Der Widerstand muss deshalb auf allen Levels mobilisiert werden.“

Für die eigene Zukunft wünscht er sich nur „am Leben zu bleiben, das wäre gut.“ Für die Welt wünscht er schon einiges mehr: Mehr Demokratie, weniger Narren an den Staatsspitzen, weniger Fremdenhass, weniger religiösen Fanatismus, und dass der Klimawandel gebremst werden kann „Ich hoffe“, fasst er zusammen, „auf mehr vernünftige Gedanken in der Zukunft.“

Men at Work zunächst als Experiment

Men at Work 2019 sind zunächst nur ein Experiment. Es könnte aber mehr daraus werden, sagt Hay, „es wäre nett, von Zeit zu Zeit mit diesen Liedern auf Reisen zu gehen.“ Sogar ein neues, viertes Album könne er sich vorstellen, „wenn während unserer Tour neue Songs ,auftauchen‘ sollten. Greg und ich hatten schon in den Neunzigerjahren daran gearbeitet. Schauen wir, was passiert.“ Wahrscheinlich könnte er allein von den Tantiemen von „Down Under“ leben, vermutet Hay, obschon er einige teure Hobbys habe – etwa das Sammeln von Schuhen und Gitarren: „Ich liebe den Song und er liebt mich“ Schließlich habe „Down Under“ ihm ermöglicht, dass er bis heute Musik schreiben und veröffentlichen könne. „Das Lied ist mehr als ein Lied – es ist mein musikalischer Schutzpatron.“

Konzerte

Das Projekt Men at Work um Sänger Colin Hay kommt nach Deutschland: live am 24. Juni in der Großen Freiheit Hamburg; am 3. Juli im E-Werk Köln, E-Werk; am 4. Juli im Huxley’s Berlin; am 6. Juli auf der Parkbühne Leipzig; am 7. Juli im Capitol Hannover; am 8. Juli in der Muffathalle München und am 9. Juli im Wizemann Stuttgart.

Matthias Halbig

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