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Kultur Kunst einmal anders: Museum in Schwaan geht neue Wege up Platt
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Kunst einmal anders: Museum in Schwaan geht neue Wege up Platt

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20:04 23.01.2020
Heiko Brunner, Leiter des Kunstmuseums Schwaan, mit dem Bild „Mecklenburgische Flusslandschaft im September nach dem Regen“ von Franz Bunke. Quelle: Thorsten Czarkowski
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Schwaan

„Hinner jedem Bild is ok een Geschicht achtern dran“, sagt Heiko Brunner. Er spricht Plattdeutsch, fast eine Stunde lang. Eine neue Veranstaltungsreihe hatte jetzt Premiere im Kunstmuseum Schwaan: „Taun eersten Mal“ heißt sie und gibt einen ganz anderen Blick auf den Werkbestand des Museums. Nicht nur in der Form, auch inhaltlich. „Leuschen tau de niegen un köfft Biller“, so lautet der Untertitel, erzählt also Geschichten, die hinter den Werken stehen, auf welche Weise sie in den Besitz des Museums gekommen sind.

Denn der Bestand der Kunstmuseums wird erweitert, ständig kommen Werke hinzu. Die aktuelle Ausstellung in der Schwaaner Kunstmühle heißt „Zum ersten Mal“ und trägt den Untertitel „neu, geschenkt, gekauft, geliehen.“

Gäste interessieren sich für Kunst aus der Region

Darauf bezieht sich auch der Vortrag von Heiko Brunner. Rund vierzig Gäste sind zur Auftaktveranstaltung nach Schwaan gekommen, um seinen Geschichten und Anekdoten zu lauschen. Die Gäste sprechen oder verstehen natürlich Plattdeutsch.

Auch Siegfried Dahse ist für diese Veranstaltung eigens aus Rostock mit seiner Frau nach Schwaan gefahren. „Eine gute Idee“, sagt Dahse über diesen ungewöhnlichen Termin. „Wir sind sehr an Malerei aus der Region interessiert“, sagt er, das bezieht sich auch auf die Kunst, die in Ahrenshoop, Rostock oder Güstrow entstanden und zu sehen ist.

Interessant: Wie die Werke ins Museum kamen

Genau darauf bezieht sich Heiko Brunner mit dieser Museumsveranstaltung. „Ich wollte keinen kunsthistorischen Ansatz“ sagt Brunner, „es geht hier eher um Identität und regionale Verbundenheit, auch um Heimatgefühle.“ Dazu passt eben, dass er seinen Vortrag auf Plattdeutsch abhält.

Heiko Brunner spricht seit Kindertagen Plattdeutsch, er wurde im mecklenburgischen Lübtheen geboren und wuchs in Ludwiglust auf. 1978 kam Brunner nach Schwaan, wo er heute das Kunstmuseum Schwaan leitet, das in der liebevoll restaurierten Kunstmühle ihren Sitz hat.

Testen Sie hier im Wissen im Plattdeutsch-Quiz

Dieses Museum gibt es erst seit dem Jahr 2002, es widmet sich der Geschichte der Künstlerkolonie Schwaan und ihren Werken. Insbesondere von den bedeutenden Vertretern der Künstlerkolonie, also Franz Bunke, Rudolf Bartels, Peter Paul Draewing, Alfred Heinsohn oder Otto Tarnogrocki. So wird die Künstlerkolonie Schwaan, die von 1880 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieg ihre größte Zeit hatte, in Bildern wieder lebendig. Ein umfangreiches Werk ist entstanden, es wurde im Laufe der Jahre verstreut, befindet sich in Privatbesitz, ist noch unentdeckt oder gilt als verschollen.

Ständig kommen neue Werke hinzu

In der Ausstellung im Erdgeschoss der Kunstmühle sind derzeit 24 Bilder zu sehen, die im vergangenen Jahr neu ins Museum gekommen sind. Im Bestand des Kunstmuseums befinden sich derzeit insgesamt 450 Arbeiten, davon 300 Gemälde. Und es kommen ständig neue hinzu. „Wir sind eben ein noch relativ junges Museum“, erklärt Heiko Brunner, „da ist vieles noch unentdeckt und unerforscht.“ Aber stetig wächst der Bestand der Werke, die mit der Künstlerkolonie Schwaan verbunden sind.

So war es auch bei dem Bild „Mecklenburgische Flusslandschaft nach dem Regen“ von Franz Bunke, das 2019 von einer Familie aus Nordrhein-Westfalen dem Schwaaner Museum angeboten wurde. „Sie kamen mit einem Ford Fiesta, da passte das Bild gerade so hinein“, erinnert sich Heiko Brunner. Der Rest der Familie war mit der Bahn hintergereist.

Beide Seiten wurde sich rasch handelseinig, das betreffende Bunke-Werk wechselte schließlich für 5000 Euro den Besitzer. Auch die Chemie stimmte offenbar. „Denn manchmal wollen die Verkäufer einfach das Museum sehen und sicher gehen, dass ihr Werk künftig gut aufgehoben sind“, sagt Brunner. In diesem Fall passte alles.

Hinter jedem Bild steckt eine Geschichte

Ähnliche Geschichten stecken hinter vielen Bildern, die nun im Kunstmuseum Schwaan hängen. „Viele, die im Besitz von Werken aus der Künstlerkolonie Schwaan sind, werden über das Internet auf uns aufmerksam“, sagt Heiko Brunner, „dann nehmen sie Kontakt mit uns auf.“

Für Neuerwerbungen gibt es viele Quellen, manche Werke lagerten sogar vergessen in Wohnungen, bis ihre Besitzer sie anboten. Heiko Brunner ist auch schon auf Flohmärkten fündig geworden, dort ist hin und wieder ein Schnäppchen möglich.

Denn noch etwas ist wichtig, wenn das Kunstmuseum Schwaan Werke in den Bestand übernimmt. „Die Werke, die wir ankaufen, werden damit dem Kunstmarkt entzogen und bleiben damit kulturelles Erbe“, sagt Brunner. Und das ist für viele Leihgeber oder Verkäufer auch ein Grund, dass sie ihre Bilder verkaufen. „Sie wollen ihre Werke in guten Händen wissen“, sagt Brunner.

Die Plattdeutsch-Reihe wird fortgesetzt

Ein Applaus der Museumsbesucher beendet den Vortrag von Heiko Brunner. Mit der Premiere einer plattdeutschen Museumsführung war er zufrieden. „Das werden wir wohl fortsetzen.“

Und die nächste Ausstellung steht auch ins Haus. Am 7. Februar wird die Jubiläumsausstellung „Lisa Jürß – 80 Jahre und kein bisschen leise“ eröffnet, damit wird vom 9. Februar bis zum 5. April das Lebenswerk der in Schwaan lebenden Malerin gewürdigt. Auch hier bildet eine Schenkung den Hintergrund, Lisa Jürß hat kurz vor ihrem 80. Geburtstag dem Schwaaner Kunstmuseum bereits 104 ihrer Gemälde überlassen.

Kunstmuseum Schwaan: (Mühlenstraße 12, 18258 Schwaan), geöffnet dienstags bis freitags von 10 bis 16 Uhr, sonntags von 11 bis 17 Uhr, feiertags von 13 bis 17 Uhr

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Von Thorsten Czarkowski

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